A623 Saarbrücken Richtung Friedrichsthal Zwischen AS Saarbrücken-Dudweiler und Dreieck Friedrichsthal Gefahr durch Gegenstände auf der Fahrbahn, Überholstreifen blockiert (12:25)

A623

Priorität: Sehr dringend

0°C
weather-
0°C
weather-

Jagdaufseher-Auto von Kugel getroffen

Thailen/Weierweiler. Die Nacht umhüllt die Äcker zwischen Thailen und Weierweiler. Wie so oft sind Ralf Grimm und Jürgen Kade zu dunkler Stunde in ihrem Revier unterwegs. In Grimms weißem Geländewagen sehen die offiziellen Jagdaufseher in der Gemarkung nach dem Rechten. Insbesondere die Wildschweinrotten, die momentan die Maisäcker heimsuchen, müssen beobachtet werden.

Auch am 17. August sind die Jäger auf Streife. Gegen 22.30 Uhr, als sie der Verlängerung der Straße „Zum Ehrenmal“ folgen, sehen die beiden einen dunklen Van. „Der war uns von Anfang an verdächtig“, erinnert sich Ralf Grimm, „er stand mitten auf dem Acker, der Kofferraum war offen, das Standlicht an.“ Im Schritttempo nähern sie sich auf 300 Meter dem fremden Fahrzeug, die Fensterscheiben haben sie wegen der warmen Temperaturen in der Sommernacht halb heruntergelassen.

Grimm schaltet den Strahler auf seinem Autodach an, mit dessen Hilfe er gewöhnlich nachts den Wildbestand zählt. „Ich dachte mir, es wird ein Liebespärchen sein, das hier ungestört sein will. Das kommt ja vor“, meint der Nunkircher. Doch weit und breit kein Mensch zu sehen.  „Dann hörten wir ein kurioses Geräusch, erst ein Pfeifen, dann einen dumpfen Aufschlag auf der rechten Seite.“ Das sei vermutlich der Stoßdämpfer gewesen, mutmaßen die beiden Männer und fahren weiter.



Erst am nächsten Morgen macht Grimm die erschreckende Entdeckung: ein Einschussloch in der Reeling. „Ich bin seit 28 Jahren Jäger, ich weiß wie ein Einschussloch aussieht“, meint der 44-Jährige, der in der Forstwirtschaft tätig ist. Bei der Polizei in Wadern stellt er Anzeige gegen Unbekannt. Die Spurensicherung der Landeskriminalpolizei übernimmt den Fall und bestätigt Grimms Verdacht. „Das Auto wurde kriminaltechnisch untersucht, die Beschädigung stammt eindeutig von einem Projektil“, sagt ein Sprecher der Landespolizeidirektion in Saarbrücken auf SZ-Anfrage. Aus welcher Entfernung der Schuss fiel und welche Waffe der Schütze verwendete, könne noch nicht gesagt werden. „Genau lässt sich das nicht sagen, da bei dem glatten Durchschuss das Projektil nun irgendwo auf dem Gelände liegt“, sagt Grimm.
Die Ermittlungen der Kriminalpolizei dauern an, Grimm und Kade würden noch verhört. „Wir gehen derzeit nicht von einem versuchten Tötungsdelikt, sondern von Sachbeschädigung aus. Es gibt keinen Anhaltspunkt, dass gezielt auf den Mann geschossen wurde“, sagt der Sprecher weiter.



Ralf Grimm fühlt sich allerdings bedroht: „Das war ein gezielter Schuss auf uns. Das ist für mich ein Anschlag.  Zum Glück war es offensichtlich kein guter Schütze.“
Seit viereinhalb Jahren ist er Jagdaufseher. Nächtliche Wilderer bereiten ihm und seinen Kollegen regelmäßig Probleme. Nicht selten finden sie bei ihren Kontrollen angeschossene Tiere oder durchlöcherte Verkehrsschilder. „Wir hören verstärkt Schüsse, die wir nicht zuordnen können“, sagt der Nunkircher. Deswegen haben sich die Jagdaufseher in dem Gebiet nun darauf verständigt, sich bei Schüssen nun gegenseitig zu verständigen. „So wissen wir, dass keiner von uns unterwegs ist.“

Auch bei der Polizeiinspektion in Wadern sind die Jagdwildereien aktenkundig geworden. „Gerade im nördlichen Saarland, wo es im Vergleich zu anderen Regionen noch reichlich Rotwild, also Hirsche gibt, kommt das häufiger vor. Aber auch bei uns ist das keine Alltagsgeschichte“, erklärt der Leiter der Polizeiinspektion Wadern, Rainer Spanier. „Jagdaufseher und Spaziergänger, die Tierreste im Wald entdecken, melden ihre Funde bei der Polizei, die dann Anzeige gegen Unbekannt stellt. Manchmal erhalten wir konkrete, anonyme Ermittlungshinweise, die uns helfen, den Täter zu finden“, sagt Spanier.

Jagdaufseher Ralf Grimm hofft unterdessen, dass nach seinem Erlebnis die Leute wachsamer werden und Merkwürdiges sofort melden. „Die Täter muss man in flagranti erwischen, sonst hat man kaum eine Chance.“
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein