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„Jesus würde kotzen“

„Jesus würde kotzen.“ Es ist einer der Sätze, die im Gedächtnis bleiben. Der evangelische Pfarrer Jörg Metzinger hat ihn am Montag zu Beginn der „Bunt statt Braun“-Kundgebung auf dem St. Johanner Markt gesagt. Er zitierte damit DDR-Bürgerrechtler, die ihm in Bezug auf die Pegida-Bewegung erklärt hatten: „Jesus würde kotzen, wenn er sehen und hören würde, was in den letzten Wochen alles unter dem Deckmantel Verteidigung des christlichen Abendlandes auf den Plätzen unseres Landes abgelassen wurde.“ „Recht haben sie“, sagt Metzinger.

Um so wichtiger sei es gewesen, dass 9000 Menschen nun gezeigt haben, dass „die wirkliche Mehrheit im Saarland, in Deutschland, in Europa, im Abendland für die Vielfalt der Menschen, ihre schillernde Buntheit“ steht. Er findet: „Wenn die CDU neben dem Banner von Muslimen steht und das ganze Kabinett da ist – mehr kann man im Saarland nicht erreichen.“

Aber Metzinger warnt auch davor, über 300 Saargida-Demonstranten zu lächeln und die Sache damit für erledigt zu halten. „Wir haben nicht den Krieg gewonnen, sondern nur eine Schlacht – allerdings eine wichtige Schlacht“, sagt er. Bisher habe Saargida keine weitere Demonstration angemeldet. Dennoch müsse sich das seit 2009 bestehende „Bunt statt Braun“-Bündnis nun überlegen, wie es weitergeht.

„Dranbleiben“, will auch der katholische Pastoralreferent Heiner Buchen. Es gehe nicht nur darum, Saargida und Pegida in die Schranken zu weisen. Es gehe darum, ein Klima zu schaffen, in dem man im „ Einwanderer nicht nur den Einwanderer , im Moslem nicht nur den Moslem“ sehe, sondern die Menschen, die sie sind – mit all ihren Sehnsüchten, Ideen, Talenten und auch Fehlern.

„Interessant“ sei nun, „was die Politik aus dem, was am Montag passiert ist, macht“. Wer Flüchtlinge als Menschen sehe, der müsse die Bedingungen für sie in Deutschland verbessern, sagt Buchen. Man dürfe diese Menschen nicht in „irgendeinen Zwischenstatus zwängen, um sie dann einfach abschieben zu können“.

Die Bedingungen für Flüchtlinge zu verschärfen, „um den Sorgen von Menschen entgegenzuwirken“, dürfe jedenfalls nicht der Weg sein.

Die Politik wisse seit Montagabend, dass sie einer „Zivilgesellschaft, wie sie sich auf dem St. Johanner Markt gezeigt hat, mehr zumuten kann“, als sie vielleicht vermutet hat.

Die Menschen seien nicht so ängstlich, nicht so fremdenfeindlich, wie die Politik womöglich vermute. Er kenne viele Menschen, die sich ehrenamtlich für Flüchtlinge einsetzen, helfen, wo sie helfen können. Dieses Engagement müsse man fördern.

Und den Schulterschluss mit den französischen Nachbarn will Buchen organisieren. Die nächste große Demo für Menschlichkeit könne auf der Goldenen Bremm stattfinden. Das wäre ein gutes Signal.


 
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