B423 Stadtgebiet Blieskastel, Zweibrücker Straße bis Saar-Pfalz-Straße Zwischen Blieskastel und Aßweiler Vollsperrung, Baustelle bis 28.10.2017 06:00 Uhr Zwischen Ortsausgang Blieskastel und Ortseingang Biesingen (09.10.2017, 06:27)

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Jetzt auch Pfusch am Bau bei Homburger Uniklinik?

Der Rohbau der Klinik für Innere Medizin in Homburg. Wegen diverser Zwischenfälle unter anderem an dieser Baustelle steht ein Völklinger Bauunternehmer nun vor Gericht.

Der Rohbau der Klinik für Innere Medizin in Homburg. Wegen diverser Zwischenfälle unter anderem an dieser Baustelle steht ein Völklinger Bauunternehmer nun vor Gericht.

An der derzeit größten und teuersten Baustelle des Saarlandes, dem insgesamt auf mehr als 100 Millionen Euro kalkulierten Neubau der Inneren Medizin des Homburger Universitätsklinikums, sind gravierende Probleme aufgetreten. Die Staatsanwaltschaft hatte bereits vor Monaten ausdrücklich auf mögliche Mängel am Bau hingewiesen. Der Chef der zwischenzeitlich insolventen Völklinger Baufirma sitzt seit Juni in Untersuchungshaft. Gegen ihn wurden drei Anklagen wegen Korruption – er soll Kontrolleure geschmiert haben – und gewerbsmäßigem Bandendiebstahl erhoben. Nach dem Stand der Ermittlungen wurden nicht die vom Bauherrn bezahlten und von Statikern geforderten 60 Tonnen Abstandhalter aus Stahl in die Bewehrung von Decken und Wänden eingebaut, sondern nur die Hälfte davon. Ein Experte aus Karlsbad, der beauftragt wurde, die Wände mit einer speziellen Technik (Ferro-Scan) zu überprüfen, teilte nach SZ-Informationen bereits am 13. August 2013 dem kaufmännischen Direktor des Universitätsklinikums Ulrich Kerle mit: „Im Bereich der Wände sind deutliche Verformungen der Bewehrungen zu beobachten. Es wurden Abweichungen im Bereich mehrerer Zentimeter zum Sollmaß festgestellt.“ Ein Prüfstatiker soll dann aber Entwarnung gegeben haben. Die Uniklinik beauftragte am 28. August die Materialprüfstelle des Saarlandes bei der Marx GmbH in Spiesen-Elversberg mit der Prüfung der Qualität der Stahlbetondecke der dritten Ebene des Rohbaus. Neun Kernbohrungen (25 Zentimeter tief) wurden untersucht. In ihrem Bericht, der unserer Zeitung vorliegt, kommen die Gutachter zu dem Ergebnis, die „Gebrauchstauglichkeit“ der Betondecke „ist im derzeitigen Zustand nicht gegeben“. Es seien viele unzulässige Trennrisse in der Decke vorhanden. Weiter heißt es: „Im vorliegenden Fall sind erhebliche, das Bauteil Decke vollständig durchtrennende Frühschwindrisse vorhanden.“ Der dringende Rat der Materialprüfer: „Eine Sanierung ist erforderlich.“ Zudem fordern sie: „Eine aktuelle Bewertung der Standsicherheit ist durchzuführen“.

In einer Sondersitzung am 17. September wurde der Aufsichtsrat des Uniklinikums, der von Staatssekretär Jürgen Lennartz (CDU) geführt wird, über dieses Votum informiert. Das Gremium beschloss, dass ein unabhängiger Prüfstatiker, quasi als Obergutachter, die Standsicherheit des Gebäudes untersuchen soll. Diese Expertise wurde ausgeschrieben, ist aber bislang noch nicht vergeben. mju
 
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