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Job: Wenn Streit um Urlaub vor Gericht endet

Saarbrücken. Klaus Weber ist ein Schnäppchenjäger: Bereits im Januar durchforstet er die Frühbucherrabatte der Reisebüros: Im August soll es mit der ganzen Familie nach nach Ägypten gehen. Er stellt einen Urlaubsantrag – sein Chef vertröstet ihn immer wieder. Dann ist Juli. Die Angebote sind längst weg. Weber ist verärgert. Der Fall Weber ist zwar erfunden – das Problem jedoch real. Urlaubsanträge finden häufiger wenig Beachtung. Mehrere Anfragen pro Tag beantwortet die Arbeitskammer, des Saarlands zum Thema Urlaub. Im vergangenen Jahr waren es insgesamt fast 1000 Anfragen.

Anke Marx, Juristin der Arbeitskammer warnt Arbeitnehmer, deren Antrag liegen bleibt, davor, sich selbst zu beurlauben: „Man darf unter keinen Umständen einfach zu Hause bleiben.“ Folgen können eine Abmahnung, im schlimmsten Fall die Kündigung sein. Aber wie lange muss sich der Arbeitnehmer hinhalten lassen? „Es ist gesetzlich nicht geregelt, bis wann der Chef Urlaub genehmigen muss“, sagt Marx. Wie das Arbeitsgericht Frankfurt vor fünf Jahren beschlossen hat, ist eine Wartezeit von drei Monaten unzumutbar. Der Arbeitgeber sei angehalten, „über Urlaubsanträge zügig zu entscheiden“.

Grundsätzlich bestehe die Möglichkeit einzuklagen, dass der Vorgesetzte über den Urlaubsantrag entscheidet, sagt die Juristin. „Das macht aber kaum jemand.“ Schließlich laufe man dem Chef auch nach dem Urlaub regelmäßig über den Weg. Meistens sitze dieser doch am längeren Hebel. Zudem muss der Antrag nicht mit den gewünschten Terminen bewilligt werden: „Wegen dringender betrieblicher Belange kann er dem Mitarbeiter die Urlaubswünsche abschlagen“, sagt Marx. Dringende betriebliche Belange können die Auftragslage oder saisonale Engpässe sein.

Andere Begriffe im Urlaubsrecht sind weniger deutlich formuliert: der Notfall zum Beispiel, der es rechtfertigt, einem Arbeitnehmer einen bereits genehmigten Urlaub kurzfristig abzusagen oder ihn gar aus dem Urlaub zurückrufen: Das seien „zwingende Notwendigkeiten, welche einen anderen Ausweg nicht zulassen“. Falls eine Reise wegen der Arbeit kurzfristig storniert werden muss, kann Marx beruhigen: „Die Stornokosten muss der Arbeitgeber übernehmen.“

HINTERGRUND

Streit um den Urlaub landet nicht selten vor Gericht. „Wenn ein Arbeitsverhältnis endet, gibt es häufig Meinungsverschiedenheiten darüber, wie viel Urlaub schon genommen wurde und wie viel Resturlaub noch bleibt“, sagt Kerstin Herrmann, Sprecherin der saarländischen Arbeitsgerichte: Im Juni klagte etwa in Saarlouis eine Firma, weil ein Mitarbeiter wiederholt und trotz Abmahnung nicht pünktlich aus dem Urlaub zurückkehrte: „Ihm wurde gekündigt“, so Herrmann. nkl

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