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Jung und ohne Dach über dem Kopf

Immer mehr Menschen und vor allem immer jüngere Menschen im Saarland wenden sich an Einrichtungen, die Obdach- und Wohnungslosen ein Dach über dem Kopf oder eine Mahlzeit bieten.

Saarbrücken. Wolfgang Edlinger, Leiter der SOS-Jugendhilfen in Saarbrücken, ist besorgt: „Die Zahl jugendlicher Obdachloser ist in letzter Zeit drastisch angestiegen.“ Junge Erwachsene können in schwierigen Situationen ihren Wohnsitz bei der SOS-Jugendhilfe anmelden, damit sie überhaupt in Kontakt mit der Arbeitsagentur bleiben - und so einen Job finden können. In diesem Jahr haben das schon 66 junge Menschen getan, sagt Edlinger. Vergangenes Jahr seien es noch fünfzehn gewesen. Grund sei die Gesetzesänderung im Juli 2006.

Demnach wird Hartz IV-Empfängern unter 25 Jahren keine Wohnung vermittelt, da diese im Normalfall noch bei den Eltern untergebracht werden könnten. Deswegen würden gerade junge Menschen häufig in besonders schwierigen Wohnsituationen leben und immer nur vorrübergehend beispielsweise bei Freunden unterkommen.

Gerhard Himbert, der Leiter der Wärmestube Wurzellos in Saarbrücken, bestätigt den Anstieg der Obdachlosenzahl. Er berichtet von 80 Besuchern pro Tag, 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Immer häufiger begegneten ihm Menschen, die durch erfolglose Job- und Wohnungssuchen ausgebrannt seien, was dazu führe, dass sich die Menschen den Ämtern gegenüber völlig verweigern.

Daher würden die Obdachlosen in der Wärmestube mit „freundlicher Aufmerksamkeit“ aufgenommen: Hilfe bei der Kontaktaufnahme mit dem Arbeitsamt werde angeboten. Den Obdachlosen werde aber die Hilfe nicht aufgezwungen, so Himbert. Auch der Leiter des Bruder-Konrad-Hauses in Saarbrücken Wolfgang Höfner, stellt fest, dass in diesem Jahr von seinen 45 Schlafplätzen im Monat durchschnittlich sechs bis sieben Betten mehr belegt sind als im Jahr 2008.

Besonders auffällig sei dabei, dass immer öfter junge Leute, die sich zu Hause nicht mehr wohl fühlen oder „rausgeschmissen“ wurden, ins Bruder-Konrad-Haus, welches wie die Wärmestube Wurzellos von den Kirchen, dem Diakonischen Werk und dem Caritasverband für Saarbrücken und Umgebung getragen wird, kämen, um aufgenommen zu werden.

Tatsächlich „auf der Straße“ leben in Saarbrücken etwa 20 Menschen, so Guido Freidinger, Leiter des städtischen Amtes für soziale Angelegenheiten. In diesen Fällen sei es jedoch der Wunsch der Obdachlosen, denn es gebe genug Schlafplätze in karitativen Häusern. Eine genaue Zahl der Obdach- oder Wohnungslosen im Saarland existiert nicht, kann aber anhand der Besuche in Saarbrücker Einrichtungen für Wohnungslose abgeschätzt werden. Generell zentriert sich das Problem in Saarbrücken, da dort die entsprechenden Einrichtungen zu finden sind.

Eine ansteigende Zahl derjenigen, die nicht „freiwillig“ obdachlos sind, wird auch in der Awo-Notschlafstelle in Saarbrücken registriert. Oliver-Marc Bungert berichtet von 501 Übernachtungen im Jahr 2008 gegenüber 458 Übernachtungen im Jahr 2007.

Der Trend sei weiterhin steigend und die Gründe für die Obdachlosigkeit würden sich auch hier verändern. Während früher vor allem „Plattemacher“, also Menschen ganz ohne Dach über dem Kopf zur Übernachtung kamen, seien es heute mehr Menschen aus schwierigen sozialen Verhältnissen, die zwar eine Wohnung hätten, aber von dort Zuflucht suchten. Junge Menschen, die beispielsweise vor einem Streit zu Hause geflohen sind, suchen in der Notschlafstelle einen Unterschlupf, so Bungert.



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