Saarland: L 244 zw. Schnappach und St. Ingbert, Vollsperrung aufgrund von liegen gebliebenen Fahrzeugen (15:29)

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Junge (14) wegen Seriendiebstahls in Haft

OTTWEILER. Dort ist Vladimir K. (Name geändert) aus Dillingen der jüngste von 103 Häftlingen. Der Deutsch-Russe, dessen Eltern getrennt leben, ist ein besonderer. Der Saarlouiser Amtsrichter Olaf Papesch: „Er ist der jüngste Beschuldigte, den ich bisher in meinen 17 Jahren als Richter und Staatsanwalt habe einsperren müssen.“

Schon als Kind im Alter von zwölf und 13 Jahren wurde der Name Vladimir K. im Zusammenhang mit 65 Straftaten notiert. Kaum 14 gerät er ins Visier der Ermittler wegen 67 Eigentumsdelikten, unter anderem Diebstählen von Motorrollern und Einbrüchen in Geschäfte, Büros und Praxen. Der Haftbefehl gegen ihn wurde im November 2008 vollstreckt, um die Allgemeinheit zu schützen und um zu verhindern, dass er flüchtet. Im Knast, so berichtet sein Verteidiger Konstantin Reszow, sei er angesehen und selbst von den Ältern akzeptiert: „Er genießt diese Rolle.“

Vladimir und seine Kumpels beschäftigten bei der Polizeiinspektion Dillingen über Wochen die Ermittlungsgruppe (EG) Junge Intensivtäter. Klaus Ney, Polizeichef in Dillingen: „Seit Oktober 2008 registrierten wir eine deutliche Zunahme von Rollerdiebstählen und Einbrüchen. Auf Grund von ersten Hinweisen kamen mehrere Kinder und Jugendliche als mögliche Täter in Betracht.“ Die Ermittler waren letztlich selbst vom Ausmaß des Falles überrascht: In der Dillinger Innenstadt hatten die jungen Straftäter fast jedes zweite Geschäft aufgebrochen. Das Motiv der Bande war wohl keineswegs, bei Einbrüchen große Beute zu machen. Die Ermittler sagen vielmehr: „Hier ging es um den Adrenalinschub, den besonderen Kick beim Einbruch.“ Die Straftaten wurden aus Langeweile, zur Freizeitgestaltung, begangen.

Hauptkommissar Martin Hoffmann: „Den Jugendlichen fehlt es oftmals an geregelten Tagesabläufen und vor allem an Perspektiven.“ Dafür, dass der eigentliche Diebstahl nicht unbedingt im Vordergrund stand, spricht beispielsweise, dass viele der geklauten Motorroller nur ein oder zwei Tage gefahren und dann abgestellt wurden. Bekannt ist, dass ein Junge immer dann einen Roller gestohlen hat, wenn er den Bus für die Heimfahrt verpasst hatte. Anwalt Reszow spricht von fehlgeschlagener Sozialisation. Er sieht Chancen, dem „intelligenten Jungen“ wieder auf die richtige Bahn zu helfen. szn /aw
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