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Kamera-Brille für Saarlands Unfall- Strecken

Unübersichtliche Kreuzungen, fehlende Fahrbahn-Markierungen, zu viele Schilder oder keine: Ein österreichisches Institut hat neun Streckenabschnitte im Saarland mit modernster Technik auf Gefahren geprüft.

Saarbrücken. Wie erleben Auto- und Motorradfahrer Gefahrenstellen auf saarländischen Straßen? Auf diese Frage hat das Saar-Wirtschaftsministerium gestern mit den Ergebnissen eines vom Land mit 32.000 Euro finanzierten Pilotprojektes Antworten erhalten.

Das Wiener Institut für ganzheitliche Unfall- und Sicherheitsforschung Epigus untersuchte dazu neun Strecken im Saarland, auf denen sich Unfälle häufen. Die dabei angewandte Technik gehört laut Wirtschaftsminister Joachim Rippel zu den modernsten in Europa und soll künftig dazu beitragen, „die Verkehrssicherheit im Saarland zu optimieren“: Nicht ortskundige Probanden fuhren bei Tag und Nacht mit einer Spezialbrille die Strecken ab.

Die Brille ist mit zwei Kameras ausgestattet. Diese erlauben es, die Wahrnehmungen des Fahrers bis hin zu einer möglicherweise erhöhten Lidschlag-Frequenz zu analysieren: Wo bleibt sein Blick wie lange und vielleicht unnötig haften? Wo hat er keinen Einblick? Wie liegt der Fokus seiner Blickrichtung? Wo überfordern ihn Schilder, andere Verkehrsteilnehmer, fehlende oder zu viele Fahrbahnmarkierungen? Die Testbrille ermöglicht es also erstmals die subjektive Wahrnehmung einer Verkehrssituation auszuwerten.

Was diese Auswertung zeigt und was sich daraus ableiten lässt, erläuterte Diplom-Ingenieur Ernst Pfleger an drei der neun untersuchten Strecken. Dazu zählten Teilbereiche der B 405 – L 142 Saarlouis-Fraulautern, Saarwellingen (30 Verkehrsunfälle mit 13 leicht Verletzten in 2008), der B 268 Riegelsberg (13 Verkehrsunfälle mit drei schwer und vier leicht Verletzten in 2008) und der B 406 Perl-Borg – Nennig (17 Verkehrsunfälle mit drei leicht Verletzten in 2008).

Bei der B 405, erklärte Pfleger, existierten Gefahrenstellen an den Kreuzungen mit Autobahn-Abfahrten, an einer dunklen Unterführung sowie an einem Kreisverkehr. Bei der B 268 in Riegelsberg bestehe Schleudergefahr bei Nässe durch die Spurführung direkt auf den Saarbahn-Schienen. Pfleger: „Wenn Sie da bei Nässe einlenken, ist das wie auf einer vereisten Fahrbahn.“ Zudem irritierten parkende Autos am Straßenrand sowie fehlende Randlinien. Des Weiteren störte es die Probanden, dass die Straße teilweise anders verläuft als die Gleisführung.

Auf der B 406 kritisierte Pfleger die schlechte optische Führung in der Nacht, Kreuzungen in Kurvenbereichen mit Gefälle und die nicht gut platzierten und auch zu kleinen Tafeln der Geschwindigkeitsbegrenzung.

Für alle drei Streckenabschnitte in Saarlouis, Riegelsberg und bei Sinz riet der Sicherheitsexperte zu kurz- und längerfristigen Maßnahmen: Etwa Geschwindigkeitsbegrenzungen oder -überwachungen vorzunehmen, Verkehrsschilder zu versetzen, Kreisverkehre anzulegen, Reflektoren anzubringen oder Leitpfosten in einem dichteren Abstand zu setzen.

Über diese Vorschläge sollen nun die Unfallkommissionen im Land beraten. Diese sind auf Kreisebene angesiedelt und setzen sich zusammen aus Vertretern von Polizei, Straßenverkehrs- und Baubehörde. Ihre Aufgabe ist es in erster Linie, die Konfliktsituationen zu analysieren, die auf bestimmten Streckenabschnitten immer wieder zu den gleichen Unfällen führen. Wirtschaftsminister Rippel: „Diesen Kommissionen obliegt es nun, zu entscheiden, inwiefern sie die Ergebnisse des Epigus-Instituts umsetzen.“

Auf einen Blick
Diese neun Strecken hat das Wiener Institut Epigus im Saarland mit je einem nicht ortskundigen Probanden bei Tag und bei Nacht untersucht: B 405 – L 142 Saarlouis-Fraulautern, Saarwellingen; B 268 Riegelsberg (Ortsdurchfahrt); L 213 Homburg; B 41 St. Wendel; L 152 Wadern-Nunkirchen, Weiskirchen-Thailen; L 157 Weiskirchen, Losheim; L 157 Losheim am See, Losheim; B 406 Potsdamer Platz – Verkehrskreis Nennig; A 1 Eppelborn, Lebach, Tholey. ko






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