B51 Grenzübergang Hanweiler - Saarbrücken Zwischen Grenzübergang Kleinblittersdorf und Parkplatz Pferderennbahn in beiden Richtungen Gefahr durch Personen auf der Fahrbahn (03:15)

B51

Priorität: Sehr dringend

11°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
11°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Kammer: Architekten für Fehlkalkulationen bei Großprojekten nicht verantwortlich

Saarbrücken. Sackt die einst als Top-Projekt geplante Saarbrücker Kulturmeile ins Drittklassige ab? Fakt ist: Die Kulturbibliothek wird gar nicht erst gebaut, die Galerie der Gegenwart (Vierter Pavillon) entsteht nach den Plänen des fünften Preisträgers und auch beim Anbau der Musikhochschule kommt der erste Preisträger Paul Gard aus St. Wendel nicht zum Zug.

Dies kommt bei zweiphasigen Wettbewerben schon mal vor, weil der Bauherr nach der Juryentscheidung beim Vergabe-Verfahren weitere Kriterien (Betriebskosten, Erfahrung des Büros mit ähnlichen Projekten) als ausschlaggebend definieren kann. Der Präsident der Architektenkammer Saar (AKS), Heribert Kiefer, zugleich Mitglied der Jury, ist darüber nicht glücklich: „So macht der Bauherr das tagelange Ringen des Preisgerichtes um die beste Lösung zunichte und stellt das Wettbewerbsverfahren auf den Kopf.“ Auch sei der Entscheidungs-Weg intransparent. Dies bestätigt Paul Gard. Ihm wurde schriftlich mitgeteilt, dass ihm das Bewertungsgremium des Bauherrn schließlich nur noch den zweiten Rang (65,6 Punkte) zugeteilt habe – ohne weitere Details. „So laufen die Wettbewerbe ins Leere“, sagt er und bezweifelt, ob er sich hierzulande noch einmal bewirbt. Wettbewerbe erforderten eine immense Investition an Zeit und Geld – für kleine Büros kaum leistbar.  Groß-Büros unterhielten Wettbewerbs-Abteilungen.



Trotzdem hält die AKS das Qualitäts-Instrument Wettbewerb hoch und korrigiert die durch den Landesrechnungshof (900?000 Euro) und die Landesregierung (1,3 Millionen Euro) in Bezug auf den Museumsneubau-Wettbewerb genannten Zahlen. Laut AKS-Geschäftsführer Rainer Christ werden dabei Bau-Vorbereitungs-Kosten mit eingerechnet, die auch ohne Wettbewerb angefallen wären: bauphysikalische Prüfungen oder Grundstücks-Klärung. Die reinen Wettbewerbskosten beliefen sich auf maximal 200 000 Euro: das Preisgeld (100 000 Euro) plus die Aufwandsentschädigung für die Preisrichter, die Vorprüfung aller Arbeiten und die Ausstellung der Entwürfe. Der Gegenwert: 345 schöpferische Problem-Lösungen. Das Honorar für eine einzige Vorentwurfs-Studie: 64?000 Euro.
Nur 15 Prozent aller Architekten-Aufträge im Saarland sind öffentliche Aufträge. Nicht selten begleiten sie Kosten-Debatten. „Wir Architekten sind keineswegs unfähig, korrekte Baukosten zu errechnen“, sagt Kiefer. Hinter den vermeintlichen Kostensteigerungs-Skandalen stecke meist die „schwammige“ Handhabung des Baukostenbegriffes seitens der Politik. „Oft wird nicht definiert, was da drin steckt“, sagt Christ.  Genannt würden zunächst oft nur „reine“ Baukosten-Schätzungen ohne Mehrwertsteuer (19 Prozent) und ohne Bau-Nebenkosten (20 Prozent). Bei Millionen-Projekten klafften dann schnell auch Millionen-Lücken.



So wurde beispielsweise die Lerchesflur-Justizvollzugsanstalt um fünf Millionen Euro teurer (plus 23 Prozent), der Schaumbergturm kostet statt 800?000 Euro annähernd eine Million, beim Vierten Pavillon schossen die Kosten von neun auf mehr als 22 Millionen Euro hoch, beim Schengen-Lyzeum von zwölf auf 20 Millionen Euro. Christ schließt aus, dass Architekten für diese Fehlkalkulationen verantwortlich sind. Zumal auch Bauämter mit Hilfe von Baukosten-Informationsdiensten vorab prüfen könnten, ob Angaben realistisch seien.

Warum werden dann zusätzlich zu Architekten immer öfter Projektsteuerer engagiert? „Die Politik sichert sich nach allen Seiten ab“, sagt Kiefer. Großprojekte seien hoch komplex: rechtlich, stadtplanerisch, finanztechnisch. Oft verfügten die Kommunen sogar in der eigenen Verwaltung über die nötige Fachkompetenz, doch die Kapazitäten reichten nicht aus. „Bevor man Fehler macht, kauft man sich lieber alles doppelt ein“, meint Kiefer. Für die Kammer ein Ärgernis: „Dass man den Architekten nichts mehr zutraut.“


Meinung

Kleinreden rächt sich

Von Cathrin Elss-Seringhaus

Es ist politisch unklug, nach Wettbewerben den Sieger-Entwurf zu verwerfen. Man sieht’s am Vierten Pavillon. Von Beginn an rieben sich Bürger am „klotzigen“ Museums-Zuwachs. Dass der „nur“ einen fünften Preis Wert war, liefert den Gegnern unnötig scharfe Munition. Auch in Sachen Baukosten-Explosion ist der Vierte Pavillon ein Top-Beispiel. Um das umstrittene Vorhaben aufzuhübschen, flog es die damalige CDU-Landesregierung als Neun-Millionen-Schnäppchen ein. Und obwohl spätestens der Wettbewerb ergab, dass diese Summe unhaltbar war, „vergaß“ man die Kommunikation mit den Bürgern eben darüber. Bis zur heutigen bitteren Pleite. Wann lernt die Politik, dass nicht Millionenprojekte allein die Bürger aufbringen, sondern Hauruck-Verfahren und Verschleierungs-Taktiken? Die Verantwortung dafür lässt sich wahrlich nicht bei Projektsteuerern oder Architekten abladen.
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein