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Kampf den Einbrechern - So will Saarlands Polizei künftig gegen Gauner vorgehen

Symbolfoto.

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„Kristal“ heißt das Programm, das die Saar-Polizei jetzt im Kampf gegen Einbrecherbanden intensiv nutzt. Dahinter verbirgt sich keinesfalls eine Glaskugel, sondern das „Kriminalpolizeiliche System zur Tat- und täterorientierten Analyse und Lagebewertung“. Tagesaktuell werden alle gemeldeten Einbruchdelikte mit den Informationen zu Tatorten und Besonderheiten registriert und unmittelbar in regionale Lagebilder für die Polizeiinspektionen und die regionalen Kriminaldienste aufgenommen, erklärt Kripo-Chef Harald Schnur. So soll innerhalb kürzester Zeit erkennbar sein, in welchem Bereich und zu welchen Schwerpunktzeiten Einbrecherbanden am Werk sind. Die einzelnen Dienststellen sind seit Wochenbeginn per Einsatzbefehl angewiesen, sich mit gezielten Kontrollen in ihren Revieren an den Erkenntnissen aus den jeweiligen Lagebildern zu orientieren.

Das könnte bedeuten, dass etwa zur Wochenmitte landesweit eher wenig Fälle bekannt werden, sich – um ein fiktives Beispiel zu nennen – im Bereich Saarlouis/Merzig zum Wochenbeginn die Wohnungseinbrüche häufen, während im Kreis Neunkirchen oder im Saarpfalz-Kreis der Schwerpunkt am Wochenende liegt.

Genau zu den „tatkritischen Zeiten“ werden die Fahnder in den Regionen den Kontrolldruck verstärken, verdächtige Personen und Fahrzeuge überprüfen. Detailangaben, nach welchen Personen und Kfz-Zeichen die Augen offengehalten werden sollen, liefert das regionale Lagebild. Am Montag wurde das neue Konzept gestartet. Es sieht eine sogenannte Besondere Aufbauorganisation (BAO) vor, die vergleichbar mit einer großen Sonderkommission ist. Aus dem Landespolizeipräsidium werden die Maßnahmen der „BAO WE 2014 -2“ koordiniert, die Inspektionen sind für ihre Einsätze verantwortlich und erhalten bei Bedarf personelle Verstärkung. Kripo-Chef Schnur: „Die Inspektionen spielen die zentrale Rolle im System.“ Zudem sind mehrere landesweite Großkontrolltage geplant. Nach Schnurs Angaben basiert das neue Fahndungskonzept auf kriminologischen Untersuchungen im angelsächsischen Raum, wonach ein Täter innerhalb kürzester Zeit in den Bereich zurückkehrt, in dem er bereits erfolgreich war.

Mit Beginn der dunklen Jahreszeit werden die Fallzahlen voraussichtlich weiter steigen. Die Zahlen für 2014 sind alarmierend: Von Januar bis September wurden 1780 Einbrüche und Versuche registriert. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bedeutet dies einen Anstieg um mehr als 33 Prozent. 2013 wurden insgesamt 2065 Delikte (davon 40 Prozent Versuche) erfasst.

Bei einem Großteil der Täter handelt es sich um Mitglieder osteuropäischer Banden, die auch grenzüberschreitend aktiv sind. Die in Dillingen stationierte zehnköpfige „Ermittlungsgruppe Wohnungseinbruch“ unter Leitung von Hauptkommissar Carsten Molitor hat seit Ende 2012 bereits 81 Haftbefehle vollstreckt, 24 davon seit Jahresbeginn. Bei 77 Durchsuchungen wurden mehr als 8000 Schmuckstücke sichergestellt.

 

Meinung:
 

Grenznähe ist ein Risiko

Von SZ-RedakteurMichael Jungmann

Wohnungseinbrüche gehören zu den Straftaten, die das subjektive Sicherheitsgefühl der Bevölkerung mit am stärksten tangieren. Wenn Fremde sich mit Gewalt Zutritt ins private Allerheiligste, die eigene Wohnung, verschaffen, werden Ängste und Verunsicherung geschürt. Absolut zu Recht zieht die Polizei an der Saar deshalb gegen international agierende Banden – viele davon aus Osteuropa – alle zur Verfügung stehenden Register. Weil der Sicherheitsapparat personell auf dem Zahnfleisch geht, bedeutet jede Schwerpunktaktion gegen einen Deliktsbereich zwangsläufig, dass in anderen Aufgabenfeldern kürzer getreten wird.

Die weiter dramatisch ansteigenden Einbruchzahlen – trotz respektabler Fahndungserfolge – rechtfertigen auf jeden Fall die personalintensiven Konzepte. Neben den regionalen und lokalen Einsätzen muss zudem der länderübergreifende Erfahrungs- und Informationsaustausch intensiviert werden. Dies gilt insbesondere für die Zusammenarbeit mit Frankreich. Eine ganz besondere Frankreich-Strategie ist gefragt, denn das Risiko wächst mit der Grenznähe. Ein großer Teil der Taten geschieht in grenznahen Gemeinden.  
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