L125 Neunkirchen Richtung Saarbrücken-Johannisbrücke Kreuzung Neunkirchen-Sinnerthal Vollsperrung, Bauarbeiten bis 01.05.2018, eine Umleitung ist eingerichtet Die Sperrung erfolgt aufgrund von Sanierungsarbeiten am Brückenbauwerk und der Fahrbahn im Bereich "Plättches Dohle" (18.04.2017, 10:58)

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Kampf gegen den tödlichen Virus: 25 Jahre Aidshilfe Saar

Saarbrücken. Am Anfang war Panik und Hysterie. Als der Immunschwäche-Virus HIV zu Beginn der 80er Jahre entdeckt wurde und vielen, oft schwulen Männern in Europa und den USA das Leben kostete, herrschte große Unsicherheit. Begriffe wie „Schwulenpest“ oder „Gottes Strafe für unmoralisches Verhalten“ zeugten von Angst und Unwissenheit.

Gründung eines Hospizes

„Die Aidshilfe Saar wurde als Reaktion auf die Panik in der Bevölkerung aus der schwulen Selbsthilfe heraus gegründet. Es gab einen politischen Anspruch, etwas gegen diese Hysterie zu unternehmen und die Gesellschaft aufzuklären“, erklärt Frank Kreutzer, Geschäftsführer der Aidshilfe Saar. Außerdem musste etwas für die Infizierten getan werden, die unter Diskriminierung litten. Im Dezember 1988 zog die Aidshilfe von der Alten Feuerwache in den Werkhof in der Nauwieser Straße um, wo man sie noch heute findet. Kurz darauf wurde eine Begegnungsstätte eröffnet. Da es viele Schwerkranke gab, die gepflegt werden mussten, regte die Aidshilfe zudem die Gründung eines Hospizes an, das 1996 im Evangelischen Krankenhaus in Saarbrücken eingerichtet wurde. Es war das gleiche Jahr, das in der Aids-Therapie die Wende brachte – mit neuen Medikamenten, die eine längere Lebenserwartung und bessere Lebensqualität versprachen. „Früher litten die Infizierten an den Auswirkungen von Aids. Heute leiden sie eher an den Nebenwirkungen der Medikamente, die das Virus lange in Schach halten“, sagt Kreutzer. Die Sterberate sei um 80 Prozent zurückgegangen. Da immer weniger Menschen starben, betreute die Aidshilfe immer mehr Menschen – heute sind es über 300.

Auch die Zielgruppe hat sich verändert. Waren es zuerst vor allem schwule Männer, kamen bald Drogenabhängige hinzu, die sich über unreine Spritzen angesteckt hatten. Ende der 90er Jahre suchten Migranten, darunter viele Frauen aus afrikanischen Ländern, Hilfe.

Hysterie hat sich zu Desinteresse gewandelt

Die Aidshilfe steht heute vor anderen Herausforderungen als vor 25 Jahren. „Die Hysterie hat sich zu Desinteresse der Bevölkerung gewandelt. Die Leute sind schwer zu erreichen“, sagt Kreutzer. Auf Grund der besseren Therapie-Möglichkeiten würde Aids nicht mehr als so bedrohlich wahrgenommen. Die Krankheit werde auf das Medizinische reduziert und das Soziale ausgeblendet. „Die HIV-Infektion betrifft jedoch alle Lebensbereiche. Sie wirft alles aus der Bahn, bringt den ganzen Lebensplan durcheinander.“ Zwar sei die Lebenserwartung heute um Jahrzehnte länger als früher, trotzdem bleibe Aids ein Tabu-Thema. „Infizierte sind gezwungen, versteckt zu leben. Wer sich outet, muss mit negativen Reaktionen rechnen.“

Hauptaufgaben: Prävention und Aufklärung

Neben der Betreuung der Infizierten zählen Prävention und Aufklärung nach wie vor zu den Hauptaufgaben der Aidshilfe. Kreutzer, der seit 1989 bei der Aidshilfe ist, zieht Bilanz: „Wir sind froh über den medizinischen Fortschritt. Im gesellschaftlichen Bereich jedoch muss sich noch einiges ändern, damit HIV-Infizierte ohne Angst vor Diskriminierung leben können.“

Auf einen Blick

Die Aidshilfe Saar wurde am 15. Dezember 1985 von 47 Frauen und Männern, darunter Schwule, Ärzte und Politiker, gegründet. Sie hat bis Ende 2009 rund 350 Klienten betreut. Im Saarland leben laut Robert-Koch-Institut rund 700 Menschen mit HIV, ein Fünftel davon sind Frauen. Pro Jahr infizieren sich etwa 25 Menschen mit HIV, bundesweit sind es um die 3000. Seit den 80ern sind im Land 350 Menschen an Aids gestorben, 2009 waren es zehn. mwi

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