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Kann „Flächenbörse“ Bauern und Naturlandstiftung versöhnen?

Naturschutz oder Landwirtschaft, was hat Vorrang? Um diese Grundsatzfrage drehte sich dieser Tage ein Gespräch im Umweltministerium. Nach Protesten von saarländischen Landwirten gegen die Naturlandstiftung Saar in den vergangenen Wochen hatte Minister Reinhold Jost ( SPD ), qua Amt auch Vorsitzender der Stiftung, zwei Vertreter der Landwirte und Hans Lauer, Geschäftsführer des saarländischen Bauernverbandes, zum Meinungsaustausch eingeladen.

Einig sei man sich immerhin darüber, dass einem weiteren Verlust landwirtschaftlich nutzbarer Flächen entgegengetreten werden muss, teilte das Ministerium mit. Auftrag der Naturlandstiftung (NLS) und ihrer Tochterfirma Ökoflächenmanagement (ÖFM) sei zwar der Ankauf von Flächen, um sie als Ausgleich für Baumaßnahmen ökologisch aufzuwerten. Bei diesen gesetzlich vorgeschriebenen Kompensationsmaßnahmen bemühe man sich aber seit Jahren, Agrarflächen möglichst zu schonen, betonte Eberhard Veith, Geschäftsführer der NLS. Die Stiftung hätte sogar mehrere Hundert Hektar „landwirtschaftliche Flächen“ neu geschaffen. Allerdings dehnt er diesen Begriff sehr weit: Denn dazu zählen etwa gerodete Hänge, auf denen zwar die Schafherde der Stiftung weiden, aber kein Bauer etwas anpflanzen kann.

Die Landwirte werfen der Stiftung vor, zu viel landwirtschaftliche Fläche aufzukaufen. Lauer nennt es das „Problem der Flächenkonkurrenz“. Jost und Veith boten als Lösung die Einrichtung einer „Flächenbörse“ an. Demnach sollen künftig Kaufangebote an die Naturlandstiftung dem Bauernverband weitergereicht werden. Nur wenn kein Landwirt Interesse bekundet, will die Stiftung kaufen. Zudem bot Jost an, sich in regelmäßigen Abständen mit den Bauern auszutauschen. Landwirt Erhard Ecker aus Niedaltdorf zeigte sich nicht zufrieden mit dem Ergebnis des Gesprächs. Zwar sei die Einrichtung einer „Flächenbörse“ erreicht worden; aber es sei auch deutlich geworden, dass Naturschutz über den Interessen der Landwirte stehe: „Das ist kein Landwirtschaftsministerium, sondern ein Umweltschutzministerium.“

Bauernverbandschef Hans Lauer erklärte, man habe eine „Einigung auf einem bestimmten Niveau“ erzielt. „Unsere Forderung, dass die Stiftung keine landwirtschaftliche Fläche mehr kauft, ist nicht erfüllt worden“, räumte er ein. In dieser Frage gebe es kein Entgegenkommen. „Wir sind nicht zufrieden“, meinte der Bauernverbandschef , „aber wir können damit leben“. Mit dem Konsens sei auch ein Waffenstillstand vereinbart worden. Die Landwirte wollen zunächst auf weitere Protestaktionen verzichten.



MEINUNG

Fauler Kompromiss

Von SZ-Redakteurin Nicole Bastong

Das ist ein fauler Kompromiss, mit dem die Bauern abgespeist werden sollen. Was nutzt ihnen eine Art Vorkaufsrecht? Kein Bauer hat das Geld, in dem Umfang Grundstücke zu kaufen, wie die Naturlandstiftung das kann. Denn deren Käufe werden bis zu 90 Prozent vom Umweltministerium bezuschusst. Zudem geht es nur um Land, das der Stiftung angeboten wird. Wenn sie von sich aus ein Kaufangebot macht, muss sie das nicht kundtun.

Die Stiftung betreibt die zweifellos wichtige Aufgabe des Naturschutzes. Aber Landwirtschaft und Naturschutz sind keine Gegensätze. Hier ein Gleichgewicht auszuloten, hat der Umweltminister allerdings bislang versäumt. Und wie kann er auch gerecht sein, wenn ihm der Naturschutz als Vorsitzender der Stiftung naturgemäß näher am Herzen liegt?


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