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Kann man mit diesen Autos um die Ecke sehen?

Saarländische Ingenieure und Informatiker arbeiten am rollenden Netzwerk.

Saarländische Ingenieure und Informatiker arbeiten am rollenden Netzwerk.

Saarbrücken. Ein Auto von heute ist ein Computer auf Rädern. Doch trotz der rund 60 Prozessoren, die in einem Mittelklassewagen für Fahrkomfort und Sicherheit sorgen, ist auch das modernste Kraftfahrzeug aus Sicht der Informatik Technik von vorgestern. In einer Zeit, da sich ein simples 200-Euro-Smartphone ruckzuck per Internet mit der Welt verbindet, bleibt ein 40 000-Euro-Auto trotz tausendmal höherer Hardware-Leistung netzwerktechnisch einsam wie Robinson auf seiner Insel.

 Mehr Sicherheit im Verkehr

Forscher des Projekts SimTD wollen das ändern, Straßennetz und Datennetz verbinden und so für mehr Sicherheit im Verkehr sorgen. Experten aus dem Saarland spielen bei diesem Projekt eine Schlüsselrolle. Im Projekt SimTD arbeiten das Deutsche Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz (DFKI) und die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) mit anderen Instituten und Unternehmen der Automobilbranche am netzwerkfähigen Auto der Zukunft. Es soll mit anderen Fahrzeugen Informationen austauschen und den Fahrer zum Beispiel warnen, wenn sich ein Unfall ereignet, Glatteis oder ein Verkehrsstau gebildet hat – oder schlicht das Parkhaus besetzt ist, das er ansteuert.

Damit ein Auto vor Gefahren warnen kann, muss das Internet-Radar des Bordcomputers weiter reichen als der Blick des Fahrers. Das ist nur möglich, wenn viele Autos zu einem Netzwerk verbunden sind und untereinander ständig Daten über die Verkehrslage austauschen. Diese Technik wird nun im großen Stil erprobt. 2012 soll SimTD an den Start gehen. 400 Autos werden dann auf einer knapp 100 Kilometer langen Teststrecke im Großraum Frankfurt ein Internet auf Rädern bilden, erklärt Dr. Christian Müller, Leiter der Automotive-Gruppe Intelligente Benutzerschnittstellen am DFKI. „Es wird eines der größten Projekte seiner Art in Deutschland.“

Gemeinsames riesiges Funknetz

Im rollenden Internet gibt es keinen Zentralrechner, alle Autos bilden gemeinsam ein riesiges Funknetz, in dem Informationen von Fahrzeug zu Fahrzeug durchgereicht werden. Das klingt technisch komplex, doch die Hardware für ein solches Ad-hoc-Netzwerk ist längst entwickelt, erklären Professor Horst Wieker und die Projektingenieure Hans-Josef Hilt und Arno Hinsberger von der HTW. Nur getestet wurde sie noch nicht in einem Versuch dieser Größe. „Wir führen das jetzt alles zusammen und werden es in der Praxis erproben.“

Die Testautos von SimTD kommunizieren untereinander und mit 100 Datenstationen entlang der Teststrecken, die von den HTW-Ingenieuren aufgebaut werden, mit einer besonderen Variante der drahtlosen Netzwerkwerktechnik (WLAN), die jedem Notebook-Besitzer geläufig ist. Die 802.11p genannte WLAN-Version ist für Höchstgeschwindigkeit konzipiert, so Wieker. Damit ist nicht die Datenübertragung gemeint, sondern die Geschwindigkeit der Fahrzeuge im Netzwerk. Das Verfahren ist getestet bis Tempo 450. Damit könnten zwei Autos, die mit 200 Kilometern pro Stunde auf der Autobahn aneinander vorbeibrausen, Informationen austauschen. Die Datenstationen, die von den HTW-Ingenieuren aufgebaut werden, sind das Langzeitgedächtnis des Netzwerks, das Informationen auch dann bewahrt, wenn die Verkehrsdichte so gering wird, dass seine Maschen reißen.

Jedes Fahrzeug sendet und empfängt im Sekundentakt Daten

Getestet, so Christian Müller, wird außer der Hardware wie einem Fahrer Daten, die seine rollende Internet-Plattform von allen anderen Fahrzeugen und den Verkehrsleitzentralen empfängt, so präsentiert werden können, dass er Wesentliches rechtzeitig erfährt, aber nicht abgelenkt wird. Jedes Fahrzeug sendet und empfängt im Sekundentakt Daten seiner elektronischen Systeme, vom Außenthermometer bis zum ABS. Von dieser Datenflut soll der Fahrer nur den winzigen Teil mitbekommen, der für ihn in seiner aktuellen Situation von Bedeutung ist. Die Programme müssen Informationen aus dem Netzwerk sortieren und bewerten, erklärt der DFKI-Experte. Ein einfaches Beispiel: Wenn auf einer Autobahn ein Fahrzeug liegen bleibt und einen Stau auslöst, ist das nur für Fahrer wichtig, die in dieselbe Richtung fahren. Eine Warnung vor Glatteis in 500 Metern Abstand muss anders behandelt werden als ein Stau in zehn Kilometern Entfernung.

Wie muss eine digitale Warnung aussehen, die auf Hindernisse auf der Strecke hinweist? Warnt der Kfz-Computer am besten optisch, mit einem Tonsignal oder durch Vibrationen des Lenkrads? Wie wird verhindert, dass die Technik den Fahrer erschreckt? Auch mit solchen Fragen befassen sich die Experten am DFKI. Übers Thema Datenschutz haben sich die Ingenieure der HTW Gedanken gemacht. „Alle Daten werden anonymisiert übertragen, ein elektronisches Knöllchen wird es mit dieser Technik nicht geben“, so Hans-Josef Hilt.

400 Testwagen werden unterwegs sein

Ein Jahr sollen die 400 Testwagen unterwegs sein, so Christian Müller. Noch vor diesen Testfahrten wird auf dem Campus der Saar-Uni eine kleinere Version starten, deren Forschungsergebnisse die Zukunft des Elektroautos beeinflussen könnten. Auf dem Campus-Parcours wollen DFKI-Informatiker testen, wie sich Elektrofahrzeuge in die Stadt der Zukunft integrieren lassen. Dabei geht es unter anderem um die intelligente Straßenbeleuchtung, die nur dort leuchtet, wo es der Verkehr verlangt, und Techniken zur drahtlosen Energieübertragung zwischen Elektroautos.

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