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Karlsberg will Tradition wieder aufleben lassen

Karlsberg-Bierflaschen auf einem Förderband.

Karlsberg-Bierflaschen auf einem Förderband.

Richard Weber, der an diesem Donnerstag 70 Jahre alt wird, nimmt dezent in einer der hinteren Reihen Platz. Es ist die erste regionale Pressekonferenz der Brauerei seit Jahren. Eine Tradition, die wieder aufleben soll in einem Umfeld, in dem sich inzwischen viel verändert hat: personell, strategisch und vom Auftritt her.

Christian Weber (35), Generalbevollmächtigter der Brauerei, präsentiert die Unternehmenszahlen, die Produkt-Neuheiten und die Strategie. Vater Richard wird später in kleinem Kreis seine Bewunderung darüber äußern, wie professionell und gleichzeitig auch lässig Sohn Christian die Pressekonferenz meisterte. An einem Platz, der für die Familie Weber eine große Rolle spielt: dem Karlsberger Hof, den die Großeltern von Christian erworben haben, einst das Forsthaus von Schloss Karlsberg. „Hier habe ich Fahrrad fahren gelernt“, sagt Christian Weber gleich zu Beginn. Und lächelt, als er hinzufügt: „Bilanz-Pressekonferenzen habe ich nur als kleines Kind erlebt.“ Nun steht er selbst in der ersten Reihe.

Die weitere Strategie der Brauerei sieht er in einer konsequenten Stärkung von Karlsberg in der Region mit einem Ausbau der Kernmarken Karlsberg, Gründel’s alkoholfrei und Mixery. Damit verbunden ist eine noch intensivere Betreuung von Vereinen und Gaststätten. Viele bräuchten etwa modernere Technik und Kühlanlagen. Gleichzeitig arbeitet Weber mit seinem Führungs-Team an einer Verjüngung der Marke. Neues Publikum soll erreicht werden in sozialen Netzwerken. Frischer, frecher und dynamischer sollen die Produkt-Neuheiten daherkommen. Generell gestärkt werden soll auch der bundesweite und internationale Auftritt. Zu den Produkt-Neuheiten gehören unter anderen ein Weizen-Radler mit 2,5 Prozent Alkohol. Zudem bringt Karlsberg „Mixery Beer Cocktails“ in den Geschmacksrichtungen „Mojito“, „Caipirinha“ und „Raw Bomb“ auf den Markt. Diese sind in 0,33 Liter-Dosen erhältlich. Angesprochen werden soll ein Publikum, das auch Clubs besucht.

Die Ausgabe der auf fünf Jahre angelegten mittelständischen Anleihe im Jahr 2012 zu einem Zinssatz von 7,375 Prozent habe sich schon als Erfolg erwiesen. Karlsberg wollte damit 30 Millionen Euro unter Anlegern mobilisieren, um die Finanzkraft und Investitionen zu stärken. Der Wert der Anleihe sei seit der Ausgabe um zwölf Prozent gestiegen. Die Kombination aus Bankvermögen und Anleihe erleichtere Verhandlungen mit interessierten Investoren sowie Investitionen. Von 2014 bis 2017 sind in Homburg 45 Millionen Euro Investitionen geplant, davon 32 Millionen für modernere Technik. 2013 wurden neun Millionen Euro investiert.

Im vergangenen Jahr gelang der Brauerei eine Ergebnisverbesserung. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg auf 6,46 Millionen Euro nach 5,33 Millionen im Vorjahr. Unterm Strich blieben 2,85 Millionen Euro – 37,5 Prozent mehr als 2012. Die Umsatzerlöse dagegen sanken um 7,1 Prozent auf 148,4 Millionen Euro. Gründe seien schlechtes Wetter und eine stark gestiegene Biersteuer in Frankreich, erläuterte Christian Weber. Dort kassierte der Staat vom Unternehmen 2012 rund 27,9 Millionen Euro, 2013 dann 60 Millionen Euro.
  Meinung Regionale Strategie macht Sinn
 
Von SZ-Redakteur
Thomas Sponticcia

 

Viele Menschen besinnen sich zurück auf das, was ihnen nah und vertraut ist. Regionalität wird zum neuen Wert in einer Zeit der Globalisierung, die bei so manchem Ängste weckt. Die Sehnsucht nach dem Vertrauten wirkt sich bis ins Einkaufsverhalten aus. Viele bevorzugen daher regionale Produkte: ob Fleisch, Obst, Milch oder eben auch Bier. Den Saarländern ist Karlsberg bestens vertraut. Hier ist das Unternehmen groß geworden, hier hat es seine Verankerung und nach wie vor große Erfolge. Deshalb macht nach Jahren der Experimente die Rückbesinnung auf seine regionalen Stärken Sinn. Christian Weber, ein Manager mit internationalen Erfahrungen, scheint das Ohr eng am Markt zu haben. Er muss neue Absatzquellen in der Region finden und behutsam Produkte an den Start bringen, die regional wie überregional Marktnischen füllen. Solche, die auch junges Publikum ansprechen.
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