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Kein Blaulicht bei Facebook: Warum die Saar-Polizei soziale Netzwerke nicht nutzt

„In Saarwellingen wollte eben jemand ein Mädchen ins Auto ziehen. Bitte Hinweise an die Polizei .“ Diese Meldung machte kürzlich in dem sozialen Netzwerk Facebook die Runde und sorgte dafür, dass viele Facebook-Nutzer in Sorge gerieten. Über 150 Mal wurde die Meldung geteilt, tausendfach gelesen und dementsprechend oft kommentiert. Da der Informationsgehalt recht mager war, bot sich viel Raum für Spekulationen. In der Nähe einer Schule sollte es passiert sein, meinten einige, andere sprachen von einer Bushaltestelle, schnell war die Rede von einem Wiederholungstäter. Je mehr kommentiert wurde, desto größer wurden Panik und die Sorge von Eltern. Zwar forderte der Verfasser der Nachricht – eine Privatperson – dazu auf, die Polizei zu kontaktieren, diese reagierte allerdings nicht darauf. Dabei hätte sie, wie sich auf Nachfrage der SZ herausstellte, schnell für Beruhigung sorgen können. Zwar habe ein Fremder ein zwölfjähriges Mädchen an einer Bushaltestelle angesprochen, erklärte die Polizei , dem Mädchen gehe es aber gut und es handele sich um einen Einzelfall.

Den Facebook-Nutzern konnte sie dies allerdings nicht mitteilen, denn: „Die saarländische Polizei ist derzeit nicht mit einem eigenen Auftritt in sozialen Netzwerken präsent“, teilt Sarah Sersch von der Pressestelle des Landespolizeipräsidiums Saarland mit. Also nicht nur auf Facebook , sondern auch bei Twitter , Google+, Instagram und Co. sucht man vergeblich nach der saarländischen Polizei .

In anderen Bundesländern ist man diesbezüglich ein gutes Stück weiter. Knapp 30 000 Personen verfolgen beispielsweise, was die Polizei von Mecklenburg/Vorpommern auf Facebook veröffentlicht. Sei es die Suche nach Vermissten, der Hinweis auf Tankbetrüger oder die Suche nach Zeugen eines Einbruchs. Dort versteht man es, sich auf Facebook darzustellen und das Netzwerk zu nutzen.

Auch der saarländischen Polizei sei die Bedeutung „neuer Medien für den gesellschaftlichen Kommunikationsprozess bewusst“, sagt Sarah Sersch, weshalb derzeit auch die Möglichkeiten, Risiken und Voraussetzungen einer eigenen Präsenz in sozialen Netzwerken geprüft würden. „Neben organisatorischen und strategischen Erwägungen spielen hierbei auch bundeseinheitliche Gesetze und individuelle landesrechtliche Vorgaben eine entscheidende Rolle“, heißt es weiter.

Ob und wann die saarländische Polizei in diesen „neuen Medien“, die so neu nun auch nicht mehr sind, vertreten sein wird, steht noch in den Sternen.

„Bis zum Abschluss dieses Prüf- und Entscheidungsprozesses wird die saarländische Polizei keinen eigenen Facebook- oder Twitter-Account einrichten und kann folglich bis auf Weiteres nicht auf Posts und Kommentare innerhalb dieser Netzwerke reagieren“, erklärt Sersch.

Von Meldungen, wie der in Saarwellingen, werde man daher auch „erst verspätet, beispielsweise durch Anrufe besorgter Bürger, in Kenntnis gesetzt“. „In diesen Fällen prüfen wir, ob für die Polizei ein Handlungsbedarf besteht und ergreifen entsprechende Maßnahmen“, heißt es. Dann werde beispielsweise ein Strafverfahren eingeleitet.

Zu glauben, die Saar-Polizei habe gar kein Auge auf soziale Netzwerke, wäre allerdings ein Trugschluss. Schließlich sind dort reichlich Kriminelle am Werk. „Im Zusammenhang mit Ermittlungsverfahren oder aus Gründen der Gefahrenabwehr findet bereits heute aus konkretem Anlass im Einzelfall eine polizeiliche Beobachtung und Auswertung der sozialen Netzwerke statt“, teilt Sarah Sersch mit.

Mehr als 1800 Personen verfolgen auf Facebook die Lokalredaktion Saarlouis /Dillingen/Lebach der Saarbrücker Zeitung. Dort werden lokale Nachrichten und Artikel veröffentlicht, die von allen gelesen, kommentiert und mit anderen diskutiert werden können. Auch Tipps und Anregungen zu spannenden Themen können der Redaktion auf diesem Weg mitgeteilt werden. Wer auf Facebook über Neuigkeiten aus der Region auf dem Laufenden gehalten werden möchte, muss einfach nur auf unsere Seite gehen und den „Gefällt mir“-Button drücken.

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Meinung:
 

Bürokratie im Schneckentempo

Von SZ-Redakteur Marc Prams

Papst Franziskus I. erfreut sich auf Twitter großer Beliebtheit, Angela Merkel bedankte sich dieser Tage bei einer Million Facebook-Fans, die Bundesregierung nutzt soziale Netzwerke als Kommunikationsplattform, und die Bundeswehr tut dies auch. Die halbe Welt tummelt sich auf Twitter , Facebook und Co., deren Nutzung schon zum Widerstand gegen Diktaturen beigetragen hat, aber die saarländische Polizei prüft noch, ob und wie eine Präsenz in diesem „neuen Medium“, aussehen könnte. Dass Facebook , als Teil dieses „neuen Mediums“ mittlerweile schon elf Jahre auf dem Buckel hat, spricht Bände, was die Schnelligkeit saarländischer Bürokratie betrifft. Wann es zum Abschluss dieses „Prüfprozesses“ kommt, ist fraglich. Bei dem derzeitigen Tempo ist es allerdings gut möglich, dass wir dann bereits wissen, wer in Katar Weltmeister geworden ist.
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