B423 Stadtgebiet Blieskastel, Zweibrücker Straße bis Saar-Pfalz-Straße Zwischen Blieskastel und Aßweiler Vollsperrung, Baustelle bis 28.10.2017 06:00 Uhr Zwischen Ortsausgang Blieskastel und Ortseingang Biesingen (09.10.2017, 06:27)

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Kein Heimspiel für Patricia Kaas?

Saarbrücken. Der Marktplatz von Stiring-Wendel wirkt, als hätte er sich in der Stadt geirrt. Geht man die schmale Rue Sainte Francoise herunter, öffnet sich nach links und rechts plötzlich eine riesige plattierte Fläche. Hypermodern, von Flutlichtlaternen umgeben, die eines Fußballstadions würdig wären. Ein Platz, mit dem man in Metz oder Saarbrücken rechnen würde, aber nicht in einer 12 000-Einwohner-Kommune. Wüsste man es nicht besser, man könnte meinen, die Verwaltung hätte den Platz eigens für das bevorstehende Ereignis so angelegt: Das erste Konzert von Patricia Kaas, der Stiring-Wendeler Bergmannstochter, die zum Weltstar avancierte, in ihrem Heimatort. Mit 6000 Besuchern rechnet der Bürgermeister, wenn die Kaas, 42, hier am Samstagabend um 21.30 Uhr mit ihrem Programm „Kabarett“, einer Hommage an die 30er Jahre, unter freiem Himmel gastiert.
 
Zehn Jahre hat Bürgermeister Jean-Claude Holtz bei der Kaas dafür gebaggert, bevor sie ihm 2007, als Stiring-Wendel sein 150-jähriges Bestehen feierte und die Chanson-Diva dabei zur Ehrenbürgerin kürte, endlich das Versprechen gab. Und nun ist der ganze Ort im Kaas-Fieber. Oder etwa nicht?

Etwas verloren hängt das Kaas-Plakat am Stiring-Wendler Rathaus, auch die Menschen verlieren sich an diesem Schlechtwettertag kurz vor Mittag in den Straßen. Die beiden älteren Damen, Mutter und Tochter, die am Fritten-Wagen noch einen kleinen Kaffee zum Aufwärmen schlürfen winken ab. Naja, singen könne sie ja schon, aber nicht gut reden, was ein Star doch können müsse. „Und dann steht se da so strack, bei der Eurovision – das war null, null“, sagt die Mutter. Außerdem gebe es keine Sitzplätze, zwei Stunden stehen sei für Ältere einfach abschreckend. „Also, ich will se gar nicht sehen, wenn ich sie aus meinem Fenster singen hör, das langt mir gerad“. Der Fritten-Verkäufer pflichtet ihr bei: „Es gibt Sänger wie die Kaas oder Johnny Halliday, die höre ich gern, aber es reizt mich nicht, sie live zu sehen“. Auch mit den beiden Mitdreißigerinnen ein paar Schritte weiter auf der Rue Sainte Francoise, kann die Kaas nicht rechnen: „Variéte francaise ist einfach nicht unser Geschmack.“ Je nach Wetterlage will sich die Verkäuferin entscheiden, die vor „Anna Décoration“ Zigarettenpause macht. Ihr Bruder sei mit der Kaas zur Schule gegangen, erzählt sie. „Mein Mann auch“, fügt ihre Bekannte hinzu: „Viele von hier mögen sie nicht, weil sie vergessen hat, dass sie Tochter eines Bergmanns ist.“ Hochnäsig sei sie schon immer gewesen. „Fragen Sie doch mal im Altenheim, wo ihr Vater war, dort mochte sie auch keiner.“ Ja, auch viele ihrer Kunden reden so, sagt die Frau des Konditors neben der Kirche Ste. Marthe. „Bei der Eurovision hat sie einfach das falsche Lied gehabt, viel zu langsam“, meint die Konditorsfrau.

1500 Karten habe man bisher verkauft, war gestern von Alain Mohr, Beigeordneter für Kommunikation, zu hören. Darunter seien auch viele Bestellungen aus dem Ausland, aus Deutschland vor allem. 4000 Besucher braucht die Kommune, um bei einem Karten-Freundschaftspreis von 25 Euro die Kosten zu decken. Doch noch spricht niemand von einem Debakel. Mohr setzt auf das Wetter. Ab 14 Uhr könne man am Samstag noch Karten kaufen. Er gibt sich zuversichtlich, dass die meisten dann die richtige Entscheidung treffen. Silvia Buss  
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