Saarland: In Homburg-Jägersburg ist die Saar-Pfalz-Straße in Höhe der Hausnummer 45 voll gesperrt auf Grund eines Verkehrsunfalls. (19:14)

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Keine Zeit für die Revolution

  Saarbrücken. In Deutschland werden derzeit Hochschulen von einer Welle des Protests überrollt. Lautstark kritisieren die Studenten eine aus ihrer Sicht verfehlte Bologna-Reform, Studiengebühren und das G8-Schulsystem. Auch im Saarland machen Studenten für eine Verbesserung der Studienbedingungen mobil. Doch während bundesweit oft Tausende Studierende einer Hochschule aktiv sind, sind es im Saarland nur wenige. Seit zwei Wochen besetzen zum Beispiel Studenten den Musiksaal der Saar-Uni. Doch mehr als 50 Teilnehmer kommen dort kaum zusammen. Die Uni des Saarlandes hat jedoch rund 17 000 Studenten. Zusammen mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft, der Hochschule der Bildenden Künste und der Hochschule für Musik hat das Saarland insgesamt mehr als 21 000 Studierende. Bei den Protesten bleiben die meisten jedoch zu Hause.
 
Sind die Saar-Studenten eher ängstlich oder warum machen sie bei den Protesten nicht mit? „Das würde ich so nicht sagen. Vielmehr ist ihnen nicht klar, dass sie etwas bewegen könnten, wenn sie sich bewegen würden“, kritisiert Daniel Werner, einer der beiden Vorsitzenden des Allgemeinen Studierendenausschuss (Asta), seine Kommilitonen.

Der Asta unterstützt die Musiksaal- Gruppe, diskutiert mit ihnen unter anderem über Verbesserungen der Saarbrücker Bachelor-Studiengänge und macht über die Asta-Email- Kontakte vergeblich Werbung für die Gruppe.

Keine Zeit wegen Bachelor

Über den geringen Zulauf, ist Werner enttäuscht. Die Saarbrücker Studenten seien seiner Ansicht nach „wenig politisch“. „Sie interessieren sich wohl mehr für ihr universitäres Weiterkommen.“ Heißt das, sie interessieren sich nur für sich selbst? „Im neuen Hochschulsystem ist das doch zwangsläufig so. Wenn man den Bachelor in sechs Semestern durchziehen will, bleibt einem nichts anderes übrig“, nimmt Werner die Studenten in Schutz.
 
Doch die geringe Beteiligung bei den Treffen im Musiksaal zeichnete sich schon bei einer Demonstration vor genau zwei Wochen in der Saarbrücker Innenstadt, dem Start des saarländischen Bildungsstreiks, ab. Dort zählte die Polizei 350 Studenten und Schüler. Demnach machte weniger als jeder 60. Student mit. Im Gegensatz dazu schlossen sich bei einer Demo in Leipzig vergangene Woche mehr als 4000 Teilnehmer dem Protest an. Und in Berlin, der Hochburg des Bildungsstreiks, machten teilweise bis zu 20 000 der rund 135 000 Studenten der Hauptstadt mit. Eine geringe Teilnahme bei Demos im Saarland ist ein gewohntes Bild. Bei einer Demonstration gegen die Einführung der Studiengebühren im Jahr 2006, noch vor der saarländischen Bachelor-/Masterreform zogen nur wenige Saar- Studenten auf die Straße, erklärt Werner kopfschüttelnd: „Die haben den Hintern einfach nicht hoch gekriegt. Das war frustrierend.“

Anschließend habe er viele Studenten auf dem Campus gefragt, warum sie nicht gekommen sind. „Keine Zeit“, hätten ihm die meisten Studenten geantwortet. „Ich habe keine Zeit“ hört er auch jetzt wieder von seinen Kommilitonen. Das sei oft nur die halbe Wahrheit, weiß Werner. Bei Nachfragen entgegnen ihm Studenten: „Was sollen ich da, die Politiker und das Uni-Präsidium hören mir sowieso nicht zu. Ich kann eh nichts ändern.“ An dieser Einstellung treffe auch den Asta eine Schuld, findet der Asta- Vorsitzende. „Wir müssen unsere Außenkommunikation verbessern. Die Leute wissen doch gar nicht, was wir alles auf dem Campus verändern können, in welchen Gremien überall Studentenvertreter sitzen.“

Geringe Wahlbeteiligung

Das zeigt auch die jährlich stattfindende Wahl des Studierendenparlaments. Meist wählen nur rund 15 Prozent der Studenten die Mitglieder des Parlaments. Wie die Saar-Studenten für offenen Protest zu motivieren sind, weiß Werner nicht. Mit Plakaten, offenen Dialog und E-Mail-Anschriften klappt es nicht. „Es fehlt einfach irgendetwas, damit es klick macht.“

AUF EINEN BLICK

Die Besetzer des Uni- Musiksaals arbeiten bis Freitag in kleinen Gruppen Konzepte zu Themen wie Bachelor/Master und die soziale Öffnung der Hochschulen aus. Studierende, Lehrende, Eltern sind eingeladen, bei den Runden, die täglich von 12 bis 20 Uhr stattfinden, mitzumachen. pbe 
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