A8 Luxemburg - Saarlouis AS Perl in beiden Richtungen Anschlussstelle gesperrt, Baustelle bis 20.11.2017 06:00 Uhr (09.10.2017, 05:53)

A8

Priorität: Sehr dringend

4°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
4°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Keiner will's: E10 bleibt Ladenhüter

Berlin/Saarbrücken. Auch der „Benzin-Gipfel“ vom März konnte das Blatt nicht wenden: Trotz der damals verabredeten Informationsoffensive ist E10 ein Ladenhüter geblieben. Nach jüngsten Angaben des Mineralölwirtschaftsverbandes fahren täglich drei Millionen Autos mit dem Biosprit. Das ist nur jeder zehnte Benziner. Um das politisch vorgegebene Quotenziel zu erreichen, müssten jedoch 90 Prozent der Fahrzeuge E10 im Tank haben. Nach dem Gesetz drohen der Spritbranche Strafzahlungen, wenn der Anteil von 6,25 Prozent Biokraftstoff am Gesamtbenzinverkauf nicht erreicht wird.



Preise für andere Benzinsorten angehoben

In Erwartung der absehbaren Bußgelder hat die Branche deshalb schon die Preise für andere Benzinsorten angehoben. Die Rede ist von etwa zwei Cent pro Liter – zum Ärger der Autofahrer. Das bringt nun offenbar die Politik auf Trab. Nachdem bereits FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle E10 in Frage gestellt hatte, legte gestern sein Stellvertreter Patrick Döring nach: „Wir müssen wieder stärker auf reinen Biodiesel setzen, um die Biokraftstoffquote zu erfüllen.“

Tatsächlich könnten die 6,25 Prozent auch durch den vermehrten Absatz von Super E5 oder eben reinem Biodiesel zusammenkommen. Doch gerade der ist durch steuerliche Mehrbelastungen unattraktiv geworden. Entgegen der Koalitionsvereinbarung hätten Union und FDP nichts unternommen, um den reinen Biokraftstoffmarkt wieder zu beleben, kritisierte der Energie-Experte der Grünen, Hans-Josef Fell. „Zuallererst muss das Damoklesschwert weg, reine Biokraftstoffe ab 2013 voll zu besteuern“, sagte er unserer Zeitung.


„Wir brauchen eine Lösung im Sinne der Autofahrer.“

Fell wandte sich allerdings dagegen, die Strafzahlungen der Mineralölunternehmen abzuschaffen. „Die sollen zahlen, aber aus ihren Gewinnen und nicht zu Lasten des Verbrauchers.“ In der Union ist man noch uneins über das weitere Vorgehen. Der Vorsitzende der Mittelstandsunion, Hans Michelbach (CSU), kündigte gegenüber der SZ an, das Thema auf der heute beginnenden Vorstandsklausur der Unionsfraktion zur Sprache zu bringen. „Wir brauchen eine Lösung im Sinne der Autofahrer.“ Dagegen riet Fraktionsvize Michael Fuchs (CDU) zum Abwarten: Die Einführung von E10 verlaufe schleppend, sei aber nicht gescheitert. Schließlich sei E10 noch gar nicht flächendeckend eingeführt, so Fuchs.

Auch das Bundesumweltministerium setzt weiter auf das Prinzip Hoffnung. Erst 2012 wisse man, ob die Quote erfüllt sei oder nicht, hieß es gestern. „Völlig daneben“ sei aber, jetzt schon mögliche Strafzahlungen auf die Kunden abzuwälzen. Derweil ist man sich in der Mineralölbranche sicher, dass vom Kunden kein Umdenken mehr zu erwarten ist. Die Zurückhaltung bei E10 sei „eine bewusste Entscheidung des informierten Verbrauchers“, erklärte eine Verbandssprecherin auf Anfrage. Für die Zurückhaltung nannte sie drei Gründe: Zum einen stört die Autofahrer der Mehrverbrauch. Denn E10 hat weniger Energie als herkömmlicher Sprit. Zum anderen befürchten viele langfristige Motorenprobleme, auf deren Kosten sie dann sitzen bleiben könnten. Und zum Dritten herrscht die Überzeugung vor, dass Nahrungsmittel nicht in den Tank gehören.

Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein