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Kinder in der Grundschule missbraucht – Sahen alle über Jahre weg?

Ein Grundschullehrer aus dem Saarpfalz-Kreis hat offenbar seit Jahrzehnten Mädchen während des Unterrichts unsittlich berührt. Das soll auch bekannt gewesen sein. Aber der Mann blieb im Dienst.

Saarbrücken. Auch am zweiten Tag im Strafprozess gegen einen 61 Jahre alten Lehrer aus dem Saarpfalz-Kreis mussten gestern mutmaßliche Opfer des Mannes als Zeuginnen aussagen. Dabei bestätigte eine heute 24 Jahre alte Studentin, dass sie im Jahr 1992 von ihrem damaligen Klassenlehrer im Unterricht unsittlich berührt worden war. Ihre Mutter (50) sagte zudem aus, dass sie den damaligen Schulleiter und den Schulrat – beide leben nicht mehr – über diese Übergriffe informiert habe. Auch andere Eltern hätten hinter vorgehaltener Hand von solchen Übergriffen berichtet. Aber unternommen habe niemand etwas.

Warum nicht? Antwort der Mutter: Der Lehrer habe immer sehr gute Noten gegeben, sei bei Schülern und Eltern beliebt gewesen. Also hätten fast alle geschwiegen und der Lehrer sei an der Schule geblieben. Begründung: Nun wisse ja jeder Bescheid – und man habe ihn im Auge. Der Schulrat soll auf Beschwerden hin zudem den Schwarzen Peter in Richtung der Eltern geschoben haben. Motto: „Ja, was tun sie denn, wenn der Lehrer sich jetzt aufhängt?“ Fazit der Mutter im Zeugenstand: Irgendwann hätten sie und die anderen paar Leute aufgehört zu kämpfen. Auch um ihren Kindern zu helfen und die Verarbeitung des Ganzen zu ermöglichen.
Die Folge: „Es ist alles unter den Teppich gekehrt worden.“ In einem schriftlichen Vermerk des Schulleiters vom November 1992 steht bis heute die Stellungnahme des Beschuldigten zu diesen Altvorwürfen: So, wie die Kinder sagen, sei es nicht gewesen. Sondern umgekehrt. Er habe sich der Kinder erwehren müssen. Und der Angeklagte machte offenbar weiter.
So listet die Anklage gegen ihn außer dem Mädchen von 1992 fünf weitere Kinder auf, an denen sich der Mann zwischen 1990 und 2008 in unterschiedlicher Intensität in insgesamt 55 Fällen vergangen haben soll. Die Mädchen im Alter von acht/neun Jahren mussten sich angeblich meist auf den Schoß des Pädagogen setzen und wurden von dem Mann dann an eindeutigen Stellen über und in der Kleidung angefasst. Auch von Übergriffen während des Sportunterrichts ist die Rede. Zuletzt soll es dabei im Nebenraum der Schulturnhalle fast zum Geschlechtsverkehr mit einem neun Jahre alten Mädchen gekommen sein. Der Angeklagte bestreitet oder verharmlost diese Übergriffe. Er war im September 2008 binnen Stunden vom Dienst suspendiert worden, nachdem sich sein jüngstes mutmaßliches Opfer offenbart hatte. Später kam er zudem in Untersuchungshaft. Und als über den Fall in der Zeitung berichtet wurde, meldeten sich auch frühere Opfer. Darunter das Mädchen von 1992 und dessen Mutter. Sie und andere haben ausgesagt. Wie viele noch schweigen, das ist offen. Der Prozess wird heute fortgesetzt.

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