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Kinderarbeit? Stadt soll prüfen, wo neuer Belag für die Bahnhofstraße herkommt

Fair-Trade-Initiativen warnen davor, dass auf der Bahnhofstraße Steine verlegt werden, die unter „ausbeuterischen Arbeitsbedingungen“, etwa Kinderarbeit, gefördert wurden.

Fair-Trade-Initiativen warnen davor, dass auf der Bahnhofstraße Steine verlegt werden, die unter „ausbeuterischen Arbeitsbedingungen“, etwa Kinderarbeit, gefördert wurden.

Naturstein. Klingt gut. Kann aber ziemlich übel sein – zumindest für diejenigen, die ihn aus den Felsen hämmern. „Ein beträchtlicher Teil des in Deutschland verwendeten Natursteins kommt aus nichteuropäischen Ländern“, in denen er unter „ausbeuterischen Arbeitsbedingungen “ abgebaut wird, sagt Tamara Enhuber. Sie ist Expertin für fairen Handel und Teil eines Bündnisses, das die Stadtverwaltung und die Kommunalpolitik auffordert, bei der Auswahl des neuen Belags für die Fußgängerzone Bahnhofstraße genau hinzuschauen.

 

Das Netzwerk Entwicklungspolitik im Saarland, das „Bündnis Sklavenlos“ und die Fairtrade-Initiative Saarbrücken haben die Stadt aufgefordert, bei der Ausschreibung des Auftrags darauf zu achten, dass der Auftrag an keine Firma geht, die gegen die „Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) der Vereinten Nationen“ verstößt. Zwangsarbeit, Kinderarbeit , Diskriminierung sowie die Verhinderung gewerkschaftlicher Arbeit seien „in vielen Fällen an der Tagesordnung“.

 

Es werde inzwischen von vielen Städten und Gemeinden hingeschaut, aber eben nicht gut genug. So werde zwar in Verträgen zur Aufstellung von Grabsteinen darauf geachtet, dass die Steine nicht von Kindern hergestellt worden sind, sagt Enhuber. „Aber Kinderarbeit ist eben nur ein Aspekt von vielen“, sagt sie. Vor allem in Indien, aber auch in den Steinbrüchen „der anderen außereuropäischen Hauptlieferanten China, Brasilien und Ägypten“ seien die „ Arbeitsbedingungen problematisch“. Dort zu arbeiten sei oft „extrem gesundheitsgefährdend und manchmal tödlich“, sagt Enhuber.

 

Der Stadtverwaltung rät sie, „sich ein Zertifikat von einer glaubwürdigen Standardorganisation vorlegen zu lassen, das sicherstellt, dass der Naturstein ohne Verstoß gegen die ILO-Kernarbeitsnormen hergestellt wurde oder sich der Steinbruch in einem Prozess der Verbesserung der Arbeitsbedingungen befindet“.

 

Die Initiativen bieten der Stadt an, sie in dieser komplizierten Sache zu beraten.

 

Auf Anfrage der SZ teilte die Stadtverwaltung gestern mit, dass „alle infrage kommenden Materialien zertifiziert sein müssen“. Konkrete Angaben zur Art der Zertifizierung und zu den ILO-Kernarbeitsnormen machte die Stadtverwaltung nicht. Versichert aber: „Die zu erfüllenden Kriterien werden dabei in den Ausschreibungsunterlagen festgelegt. Die Bieter müssen die Nachweise hinsichtlich der Zertifizierung der verwendeten Materialen erbringen.“ Die Verwaltung stelle dem Bezirksrat Mitte, dem Bauausschuss und dem Stadtrat bald eine „Entwurfsplanung“ vor. Bei der Wahl der Materialien erfolge „zudem eine enge Abstimmung mit dem Zentralen Kommunalen Entsorgungsbetrieb, der die Reinigungsleistungen für die Beläge durchführt“.

 

Die Initiativen machen sich weniger Sorgen um die Verschmutzung des Belags, sie befürchten, dass das gute Image der Stadt Saarbrücken , die mehrfach als deutsche Fair-Trade-Hauptstadt ausgezeichnet wurde, üble Flecken bekommen könnte.  
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