Saarland, L 295 zwischen Wemmetsweiler und Heiligenwald, Unfallaufnahme, Vollsperrung (06:07)

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Kinderschänder-Skandal: Eifeler Kleinstadt unter Schock

„Ich kann es nicht glauben. Es ist grausam“, sagt Kellnerin Ute Müller aus einem Bistro in der Innenstadt. Wenn sie sich vorstelle, das „so jemand“ aus der 20000-Einwohner-Stadt stamme, bekomme sie „richtig Gänsehaut“. Und ein Tabakladen-Inhaber meint: „Es ist traurig, dass Mayen mit dieser Sache jetzt in aller Munde ist.“

Wie vor den Kopf gestoßen sind aber auch Menschen, die den 37-jährigen Mayener persönlich kannten. So der Vorsitzende des Sportvereins TUS Kaisersesch, Dietmar Larm, bei dem der Festgenommene gut vier Jahre lang Übungsleiter war. Mit leiser, schwerer Stimme sagt er: „Wir haben nichts gemerkt. Er war bei Müttern und Kinder im Verein sehr beliebt.“

Von März 2004 bis September 2008 hatte der Mann, der in seinen perversen Videos „Christoph“ oder „Christof“ genannt wurde, beim TUS Kaisersesch Mädchen und Jungen zwischen 7 und 14 Jahren im Turnen trainiert. „Er ist gut angekommen“, sagt Larm. Als er wegen seiner Arbeit ein paar Mal keinen Unterricht geben konnte, seien „die Mütter sogar Sturm“ gelaufen. Nie habe sich jemand beschwert. Und nie sei etwas von körperlichen Übergriffen bekanntgeworden, sagt er.

Der 37-jährige mutmaßliche Kinderschänder, der sich nach massiver öffentlicher Fahndung am Donnerstag im bayerischen Sonthofen stellte, hatte nach Kenntnis von Larm immer wieder unterschiedliche Jobs: Mal war er bei der Stadt Cochem beim kommunalen Vollzugsdienst, mal hat er als Kellner gearbeitet. Als freundlich, pünktlich und nett wird er beschrieben. Beim Sportverein hatte er irgendwann aufgehört, weil er zu viel andere Arbeit hatte, sagt Larm. Der geschiedene, kinderlose Mann wohnte in einer idyllischen Wohngegend in einem unauffälligen Einfamilienhaus mit Gartenlaube. „Er lebte sehr zurückgezogen“, sagte ein Nachbar.

Doch der nach außen scheinbar harmlose und umgängliche Mann hatte eine dunkle Seite. In verschiedenen Zimmern missbrauchte er die Jungen und stellte die Sex-Videos dann ins Internet. Vor allem 2006 sollen die Filme gedreht worden sein - die Opfer müssten also heute zwischen acht und zehn Jahren alt sein. Sportvereinsvorsitzender Larm befürchtet, dass nun auch Jungen aus seinem Verein Befragungen ausgesetzt sein werden.

2006 hatte es nach Angaben der Trierer Staatsanwaltschaft bereits ein Ermittlungsverfahren wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern gegen den 37-Jährigen gegeben. Da die Geschädigten aber keine Angaben machen wollten, sei es nicht zur Anklage gekommen, hieß es.

Im Mayener Rathaus hält man sich bedeckt. „Wir sind selber überrascht“, sagte eine Mitarbeiterin des Hauses. Äußern wolle man sich noch nicht zu der Sache, schließlich sei es ja noch ein schwebendes Verfahren.

Nüchtern dagegen reagierte die Mayener Polizei auf die Nachricht. „Für mich ist das nichts Schockierendes“, sagte ein Sprecher. „Ob die heute in Thailand oder hier sitzen macht keinen Unterschied.“

Für Norbert Steffens, Laden-Inhaber in Mayen, ist der Skandal aber auch aus einem anderen Grund noch ganz furchtbar. „Das Schlimmste ist, dass der Täter nach ein paar Jahren wieder aus dem Gefängnis kommt.“ Die Kinder aber litten ein Leben lang. 
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