L105 Fechingen Richtung Mimbach Zwischen Gersheim und Bliesdalheim Unfall, Gefahr durch Personen auf der Fahrbahn, Gefahr durch Gegenstände auf der Fahrbahn, fahren Sie bitte besonders vorsichtig (20:13)

L105

Priorität: Sehr dringend

11°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
11°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Kirche: 1640 Saarländer hatten die Nase voll



Regionalverband.
Die im vergangenen Jahr bekannt gewordenen Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche haben viele Menschen im Regionalverband dazu bewogen, aus der Kirche auszutreten. Insgesamt kehrten 1230 Katholiken im Regionalverband ihrer Kirche 2010 den Rücken.

2009 waren es nur 793, und von 2008 sind 748 aktenkundig. Im Vergleich zu 2009 stieg die Zahl der Austritte 2010 also um rund die Hälfte.

„Vertrauenskrise“

Der Grund, warum so viele Menschen die katholische Kirche verließen, seien eindeutig die Missbrauchsfälle, sagt Hans Georg Schneider, Sprecher der bischöflichen Pressestelle in Saarbrücken: „Die Verteilung der Austritte über das Jahr zeigt, dass die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche der Grund für die deutliche Zunahme sind. Die meisten Austritte gab es im März, April, Mai und Juni. Danach gehen die Zahlen zurück.“

Für den Kommunikations-Chef des Bistums Trier, Stephan Wahl, sind die vielen Austritte „erschreckend“: „Die Vertrauenskrise fordert uns zu harter aber fairer und vor allem optimistischer Selbstkritik. Jammern hilft nicht weiter.“ Wahl hofft, dass der Trierer Bischof Stephan Ackermann als Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz verlorenes Vertrauen zurückgewinnen kann. Doch anstatt eigene Positionen zu überdenken, will man kritischen Bereichen lieber erst einmal aus dem Weg gehen. „Sexueller Missbrauch ist ein Problem auch in anderen gesellschaftlichen Gruppen, aber die Kirche muss sich eben noch mehr an den eigenen Wertmaßstäben messen lassen. Es wäre gut, wenn wir als Kirche uns in Fragen der Sexualmoral in naher Zukunft etwas zurückhalten würden und lieber kräftiger unsere Stimme erheben, wenn unsere deutliche Haltung in anderen ethischen Fragen gefordert ist“, kündigt Stephan Wahl in einer Stellungnahme an.

„Mitnahmeeffekt“

Bei der evangelischen Kirche – die 2010 durch den Rücktritt der Bischöfin Margot Käßmann wegen einer Trunkenheitsfahrt in die Schlagzeilen kam – stieg die Zahl der Austritte im Regionalverband 2010 um fast ein Drittel. Der evangelische Kirchenkreis Saar-West, der sich über die Landkreise Merzig-Wadern, Saarlouis und den Regionalverband (ohne Sulzbachtal) erstreckt, verbuchte 2010 die Austritte von 410 Mitgliedern. 2009 waren es noch 321. Für den Anstieg machen die Protestanten in erster Linie die Wirtschaftskrise verantwortlich. Der evangelische Kirchenkreis Saar-West hat insgesamt rund 88 000 Mitglieder.

„Keine sehr hohe Zahl“

Für den Superintendenten des Kirchenkreises Saar-West, Christian Weyer, ist diese Zahl ein wenig überraschend: „Wir erhalten ja von den Ausgetretenen keine Rückmeldung. Die Ereignisse 2010 bei der katholischen Kirche hatten bei uns sicherlich eine Art Mitnahmeeffekt.“

Christian Weyer sieht aber in erster Linie finanzielle Gründe für die Austritte: „Wir wissen aus früheren Untersuchungen, dass finanzielle Erwägungen oft Anlass zum Austritt sind. Da das Jahr 2010 zunächst als ein Krisenjahr galt, wäre das eine mögliche Erklärung.“

Insgesamt bewertet der Superintendent die Lage als nicht dramatisch: „Bei zirka 88 000 Gemeindemitgliedern ist das keine sehr hohe Zahl“, sagt Weyer und fügt an, dass demgegenüber schließlich auch 131 Eintritte in die evangelische Kirche stehen.

Und im Gegensatz zu Städten wie Köln oder Hamburg, wo die Austrittszahlen viel höher seien, habe man es im Saarland noch relativ gut.

Hintergrund

Im Regionalverband gibt es bei der katholischen Kirche drei Dekanate mit zusammen 173 225 Mitgliedern: Saarbrücken, Sulzbach (Sulzbach, Friedrichsthal, Quierschied und Dudweiler) und Völklingen (Völklingen, Püttlingen, Großrosseln, Riegelsberg und Heusweiler).

Bei der evangelischen Kirche umfasst der Kirchenkreis Saar-West die Landkreise Merzig-Wadern, Saarlouis und den Regionalverband (ohne das Sulzbachtal, das zum Kirchenkreis Saar-Ost gehört). Im Kirchenkreis Saar-West gibt es rund 88 000 Protestanten. fab

Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein