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Kirchensteuer und Skandale: Zahl der Kirchenaustritte steigt

Sowohl die evangelische als auch die katholische Kirche im Saarland haben im vergangenen Jahr nach SZ-Recherchen deutlich mehr Mitglieder verloren als im Jahr zuvor. Das Saarland liegt damit im bundesweiten Trend. Eine Umfrage in den größten Städten des Landes zeigt teils regionale Unterschiede. In Neunkirchen beispielsweise stieg die Zahl der Austritte aus den beiden großen Kirchen von 190 im Jahr 2013 auf 285 im Vorjahr, also um die Hälfte. Ähnlich sieht es in Völklingen aus. Hier stieg die Zahl von 169 auf 219. In Saarbrücken traten dagegen im vorigen Jahr „nur“ 172 Menschen mehr aus der Kirche aus, das entspricht einem Anstieg von 16 Prozent. Dabei verloren sowohl die katholische Kirche (776 Austritte) als auch die evangelische Kirche (437 Austritte).

Die Bistümer Trier und Speyer haben derzeit weder Austrittszahlen für 2014 noch Erhebungen zu den individuellen Austrittsgründen. Markus Herr, Sprecher des Bistums Speyer , vermutet aber, dass der direkte Einzug der Kirchensteuer auf Kapitalerträge für viele Katholiken der Anlass für den Austritt gewesen sein könnte. 2014 hatten Banken und Sparkassen ihren Kunden mitgeteilt, dass die Kirchensteuer auf Kapitalerträge künftig automatisch abgeführt wird – und verursachten damit Aufregung, obwohl die Steuer nach Abzug eines Sparerfreibetrags schon immer fällig war.

Das Bistum Speyer steuert laut Herr mit einer für kommendes Jahr geplanten Strukturreform gegen den Trend. Mit weniger Bürokratie wolle man künftig „über Gemeindegrenzen hinweg“ zusammenarbeiten.

Innerhalb der evangelischen Kirchenkreise an der Saar gab es 2014 rund 40 Prozent mehr Austritte als im Vorjahr. Auch hier habe der automatische Abzug der Kirchensteuer durch die Banken im vergangenen Jahr wohl Mitglieder zum Austritt bewogen, sagte Helmut Paulus, Sprecher der evangelischen Kirchengemeinden an der Saar. Doch hätten auch Skandale der katholischen Kirche, etwa um den früheren Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst , Auswirkungen auch auf die evangelische Kirche. Sie werde für Dinge, die in der katholischen Kirche passierten, in Mithaftung genommen, ärgert sich Paulus. Um dem Mitgliederschwund entgegenzuwirken, seien manche evangelische Gemeinden besonders rührig. Die Gemeinde in Merzig etwa ist seit eineinhalb Jahren Träger der örtlichen Tafel. Ihr Pfarrer Klaus Künhaupt organisiert zudem jeden Monat Konzerte für Nachwuchsmusiker und ist auf Facebook aktiv. Künhaupt fasst seine Strategie folgendermaßen zusammen: „Man muss heute viele Argumente liefern, warum es sich lohnt, Kirchensteuer zu zahlen.“Wenn Generalvikar Georg Bätzing und die bischöfliche Finanzchefin Kirsten Straus am morgigen Freitag über den Haushaltsplan des Bistums informieren, werden sie eine ernste Miene aufsetzen und damit signalisieren: Die finanzielle Situation war schonmal besser. Dabei sprudeln die Kirchensteuereinnahmen wie nie zuvor. Nach Informationen unserer Zeitung rechnet das Bistum in diesem Jahr mit über 295 Millionen Euro , rund sechs Millionen Euro mehr, als im Vorjahr veranschlagt waren. Bei den Zuschüssen, Vermögenserträgen und Staatsleistungen rechnen die Verwaltungsoberen von Bischof Stephan Ackermann mit Einnahmen von insgesamt rund 90 Millionen Euro . Auf der Ausgabenseite schlagen mit 151 Millionen Euro besonders die Personalkosten ins Kontor, aber auch Bau-, Sach- und Personalkostenzuschüsse.

Unterm Strich rechnet Finanzchefin Kirsten Straus im diesjährigen Haushalt mit einem Minus von 18 Millionen Euro . Damit müsste zum ersten Mal seit vier Jahren wieder die Rücklage angetastet werden, wenn es denn so kommt wie prognostiziert. Denn auch für 2012 und 2013 hatte Straus ein millionenschweres Defizit vorausgesagt – und am Ende mit einem Plus abgeschlossen.
 
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