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Kirkeler Hüftprothesen werden zurückgerufen

Kirkel/Püttlingen. Die Kirkeler Firma „DePuy Othopaedics“, die unter dem Dach des US-Konzerns „Johnson & Johnson“ Medizintechnik vertreibt, hat eine Rückrufaktion für Hüftprothesen gestartet. Demnach wird das „DePuy ASR-Hüftoberflächenersatzsystem“ vom Markt genommen. Anlass für diese, nach Angaben eines Unternehmenssprechers „freiwillige Aktion“ sind bislang unveröffentlichte Daten aus dem Endoprothesenregister für England und Wales. Daraus ergebe sich, so heißt es in einem Schreiben an deutsche Ärzte und Kliniken, das unserer Zeitung vorliegt, dass etwa zwölf Prozent der Patienten, die mit dieser Prothese versorgt wurden, innerhalb von fünf Jahren erneut operiert werden mussten. Die Firma fordert ihre Kunden deshalb auf, das Produkt nicht mehr zu implantieren.

Bei diesem Gelenkersatz handelt es sich – vereinfacht dargestellt – um eine Kappe aus einer speziellen Stahllegierung, die auf den Hüftkopf aufgesetzt wird, und eine Gelenkpfanne. Das Gelenk wird demnach quasi nur überkront.

DePuy machte auf Anfrage unserer Zeitung keine Angaben über die Zahl der Patienten, die deutschlandweit und konkret im Saarland betroffen sind. Eine Sprecher sagte nur, es sei bislang noch kein Fall in Deutschland bekannt, in dem ein Patient erneut habe operiert werden müssen.



Die Firma hat Kliniken und Ärzten schriftliche Handlungsvorschläge bis hin zum Entwurf eines Briefes an Patienten an die Hand gegeben. Alle Patienten, denen das System implantiert wurde, sollen zur Nachuntersuchung eingeladen werden. Das Unternehmen beabsichtige, die „zumutbaren und üblichen Kosten“ einschließlich möglicher Revisionseingriffe, zu übernehmen. Bei der Kontrolle soll überprüft werden, ob es zu Metallabrieb gekommen ist, dieser im Blut nachweisbar ist oder zu Gewebereaktionen geführt hat.

Nach Informationen aus dem Saar-Gesundheitsministerium sind deutschlandweit über 6000 Exemplare dieser Prothesen implantiert worden. Die von Chefarzt Dr. Thomas Siebel geleitete Orthopädie-Abteilung an der Püttlinger Knappschaftsklinik war in früheren Jahren als einzige deutsche Klinik an einer weltweiten Studie mit diesem Gelenkersatz eingebunden. In einer Broschüre stellt die Firma den Chefarzt als Mitglied ihres „Design-Teams“ vor. Siebel sagte gestern gegenüber unserer Zeitung, in sieben Jahren seien unter seiner Regie 1223 Patienten aus dem gesamten Bundesgebiet, aber auch aus Israel und Nicaragua mit der Prothese versorgt worden. Auch andere saarländische Kliniken hätten DePuy-Technik implantiert. Seit zwei Jahren arbeite er nicht mehr mit dem Oberflächenersatzsystem, sondern schwerpunktmäßig mit Kurzschaftprothesen eines anderen Herstellers. Chefarzt Siebel betonte, die betroffenen Patienten seiner Klinik würden nach und nach zur Kontrolluntersuchung eingeladen. Bislang seien keine Auffälligkeiten, die zu einer Nachoperation führen müssten, entdeckt worden. In Püttlingen liege die Komplikationsrate bei „deutlich unter drei Prozent“. 
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