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Kita-Träger klagt: Zu viele Kinder, zu wenig Erzieher

Ende Mai hat der Bundesverband der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Alarm geschlagen: Die Qualität der Kinderbetreuung sei bei der Umsetzung des Rechtsanspruchs auf einen Platz für unter Dreijährige ins Hintertreffen geraten. Eine Umfrage in 50 Prozent seiner bundesweit 2300 Einrichtungen habe ergeben, dass sehr häufig die Gruppengröße erhöht wurde – bei gleicher personeller Betreuung. Folgen: stark steigende Krankheitsquoten und Überlastung der Erzieherinnen.

Dieses negative Szenario treffe auf die Awo-Einrichtungen im Saarland jedoch nicht zu. „Bei uns sind alle Stellen – auch in unseren neuen Einrichtungen – besetzt. Es kommt derzeit zu keinerlei Verschlechterung in der Betreuungsqualität“, versichert Awo-Saarland-Sprecher Jürgen Nieser. Ob das in Zukunft so bleibt, könne er nicht sagen.

Bundesweit fehlen zurzeit 40.000 Erzieher in Vollzeit und 25.000 Tagesmütter und -väter, schätzt das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).Wie viele Fachkräfte derzeit im Saarland fehlen, ist nicht klar, teilt das Bildungsministerium mit. „Belastbare Zahlen zum Fachkräftebedarf liegen uns nicht vor“, teilt das Bildungsministerium mit. Die Angaben der Träger beruhten lediglich auf Schätzungen. So sei man im Jahr 2012 von einem zusätzlichen Bedarf von etwa 600 Fachkräften ausgegangen. Darin sei aber nicht berücksichtigt, dass zusätzlich 300 Fachkräfte ausgebildet würden.

Je nach Träger sei die Situation im Saarland sehr unterschiedlich, so das Ministerium weiter. In den nächsten Jahren rechne man mit einem zusätzlichen Bedarf. Das liege aber nicht nur am Krippenausbau, sondern auch daran, dass Eltern vermehrt Ganztagsbetreuung wünschten.

Schwerer hat es die katholische Kita gGmbh, mit ihren 127 Einrichtungen der größte Träger im Saarland. „Uns fehlen zur Zeit 250 Fachkräfte“, sagt Geschäftsführer Thomas Schmitz. Noch stünden 400 weitere Krippenplätze aus. Da zurzeit maximal zehn Kleinkinder in eine Gruppe dürfen, brauche man 120 neue Fachkräfte in Vollzeit. „Eher mehr, denn viele Erzieherinnen arbeiten lieber in Teilzeit“, hat er festgestellt. Etwas Erleichterung könnte hier eine veränderte Vorgabe des Bildungsministeriums bringen. Um den Bedarf an Kinderkrippenplätzen möglichst frühzeitig decken zu können, gab es vorgestern bekannt, die Gruppengröße auf regelmäßig elf Kinder zu erhöhen – mit der Möglichkeit, auch 12 Kinder aufzunehmen. Diese Zahlen seien in anderen Bundesländern Standard.

Der Fachkräftemangel mache sich in manchen Einrichtungen auch qualitativ bemerkbar, sagt Geschäftsführer Schmitz: „Wir müssen fast jeden nehmen, den wir kriegen.“ Personen, die vor drei Jahren keine Chance gehabt hätten, müssten nun gleich unbefristet angestellt werden, damit sie nicht zu anderen Trägern gingen. Extrem schwierig sei es, kurzfristige Krankheitsvertretungen oder Elternzeitvertretungen zu bekommen.„Wenn drei die Arbeit von fünf machen müssen, ist es nicht mehr möglich, alle Angebote wie einen wöchentlichen Waldtag aufrechtzuerhalten“, bedauert Schmitz.

Um den steigenden Bedarf an Fachkräften zu decken, sei die Zahl der Ausbildungsplätze erhöht worden, so das Ministerium. Besuchten im Schuljahr 2008/09 noch 680 Auszubildende die Erzieher-Fachschulen, seien es 2012/13 bereits 1371 gewesen. Zudem sei eine weitere staatliche Fachschule eingerichtet, sodass die Ausbildung zum Erzieher an drei staatlichen und zwei privaten Fachschulen möglich ist. . „Das ist eine Perspektive in vier Jahren, wenn die Ausbildung abgeschlossen ist“, sagt Schmitz. Daher werbe die Kita gGmbH intensiv auf Ausbildungsmessen und schalte Anzeigen in überregionalen Fachzeitungen. Um die Abbruchquote von Berufsanfängern zu verringern, fände er zudem ein duales Ausbildungssystem gut, in dem es schon zu Beginn viele Praxisphasen gibt.

Am Fachkräfteprinzip will er aber nicht rütteln und die Kitas nicht für jeden Quereinsteiger öffnen. Es müsse genau geprüft werden, wer lche Quereinsteiger aus anderen sozialen Berufen mit einer entsprechenden Weiterqualifizierunggeeignet sei. Das Ministerium plant vom nächsten Schuljahr an am Sozialpflegerischen Berufsbildungszentrum (SBBZ) Saarbrücken eine Klasse für Umschülerinnen einzurichten.  
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