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Klaus Borger sorgt für politischen Eklat im Saarland - SPD fordert seinen Rücktritt

Klaus Borger

Klaus Borger

Saarbrücken. Für einen politischen Eklat hat der saarländische Umwelt-Staatssekretär Paul Borger gesorgt. In einer Zeitung der Holzwirtschaft hatte er die Einschätzung unterstützt, dass es "im Prinzip keinen Unterschied zwischen einer im Krieg gefallenen Nation und einem gefallenen Wald" gebe. Die Piloten von Bombern sowie von Erntemaschinen führten "die Befehle zum Massenmord" aus, soll Borger in einem Leserbrief im vergangenen Mai behauptet haben. Umweltministerin Simone Peter wies gestern darauf hin, dass Borger sich inzwischen von diesen Äußerungen distanziert habe. Dennoch verlangte die saarländische SPD gestern die Entlassung des Statssekretärs.


SPD fordert Borgers Rücktritt



Saarbrücken. Für ein kleines politisches Erdbeben hat gestern ein Bericht der Berliner Tageszeitung "taz" gesorgt. Danach hat sich der saarländische Staatssekretär im Umweltministerium, Klaus Borger (Grüne), im Mai 2009 zu den abstrusen Ansichten von Dusan Mlinsek, dem früheren Präsidenten des internationalen Verbandes forstlicher Forschungsanstalten (IUFRO), in einem Leserbrief an das "Holz-Zentralblatt" bekannt.

In der von ihm verfassten Zuschrift unter dem Titel "Holzernte mit Harvestern - Harte Technik, sanfte Sprüche" soll er dabei der Ansicht von Dusan Mlinsek zugestimmt haben. Dieser hatte in dem Buch "Waldwende" geschrieben: "Im Prinzip gibt es keinen Unterschied zwischen einer während des Krieges gefallenen Nation und einem gefallenen Wald. . . Dabei führen der Pilot des Bombers und der Pilot des Vernichtungsprozessors im Wald kaum bewusst, gefühllos, die Befehle zum Massenmord aus." Ferner äußerte Borger die Einschätzung, die Verwendung von Harvestern im Wald bedeute Energieverschwendung, ferner lauteten die Einsatzziele der Erntemaschinen "Beute machen und Zerstörung".

Diese Einschätzung des saarländischen Staatssekretärs wurde nun von führenden Vertretern der deutschen Forst- und Holzwirtschaft in einem offenen Brief an die Zeitschrift "Forst und Technik" zurückgewiesen. Sie meinten, Borger verhöhne mit seinem "absurden und unerträglichen Vergleich" die Kriegsopfer und beschuldige zugleich die Forstbranche des "Massenmordes".

Damit nahmen die Vertreter der Forstwirtschaft den saarländischen Staatssekretär aufs Korn, der mit seiner kritischen Haltung zu den Erntemaschinen offenbar auch die saarländischen Koalitionsverhandlungen im Herbst entscheidend beeinflusst hatte. Denn darin heißt es auf Seite 42: "Die Hochmechanisierung der Waldarbeit widerspricht dem Ziel, gerade dort mit Energie sparsam umzugehen, wo die Verschwendung von Energie zu den bekannten Schäden in den Wäldern und zur laufenden Klimaveränderung führt."

Inzwischen entschuldigte sich Borger mit den Worten: "Durch die aufgeführten Zitate sollten jedoch zu keinem Zeitpunkt Berufs- oder Personengruppen beschimpft oder beleidigt werden. Sollte dies fälschlicherweise so aufgefasst worden sein, so bedauere ich dies."

Nach Darstellung der "taz" soll Umweltministerin Simone Peter (Grüne) über diesen Vorgang höchst verärgert gewesen sein, besonders deshalb, weil der Staatssekretär ihr diese "unappetitliche Geschichte" bislang verschwiegen habe. Für einen Wiederholungsfall drohte sie die "sofortige Entlassung" an. Im Gespräch mit unserer Zeitung wies die Ministerin darauf hin, dass sie sich mit Borger, der "sich entschuldigte und distanzierte", über den Sachverhalt unterhalten habe.

SPD-Generalsekretär Reinhold Jost forderte gestern die Entlassung von Borger. Der von ihm angestellte Vergleich zwischen Waldrodung und Krieg sei "geschmacklos, unerhört und inakzeptabel", so Jost.

Meinung

Gelb für den Staatssekretär

Von SZ-Redakteur Gerhard Franz

Der Grüne Klaus Borger, der im Saarland als neuer Staatssekretär im Umweltministerium die Strippen zieht, ist ins Visier von vielen Jägern und Forstwirten geraten.

Mit seinen ökologischen Ansätzen für Jagd und Waldwirtschaft wird er zum unbequemen Kontrahenten an einer politischen Schaltstelle, die die Entscheidungen darüber trifft, wie die Uhr im Wald künftig ticken soll. Deshalb wird in dem aktuellen Streit auch auf den saarländischen Koalitionsvertrag mit seinen Ausführungen zu einer umweltverträglichen Forstwirtschaft verwiesen.

Dies alles enthebt den Staatssekretär aber nicht der Pflicht, sich umsichtig und angemessen zu Problemen zu äußern. Dazu gehört es aber keinesfalls, die Tötung von Menschen im Krieg mit dem Fällen von Bäumen im Wald zu vergleichen. So was zählt im Fußball als grobes Foul und das wird mit Gelb geahndet.


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