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Klinikum Saarbrücken: 2500 € für jeden guten Arzt

Saarbrücken. Wer dem Klinikum Saarbrücken einen Arzt vermittelt, bekommt 2500 Euro.  Wir hakten im Klinikum nach. „Es stimmt, dass wir eine Prämie von 2500 Euro ausgelobt haben“, sagt Verwaltungschefin Susann Breßlein. Das stehe in der mit dem Betriebsrat geschlossenen Vereinbarung „Mitarbeiter werben Mitarbeiter“. Deshalb könnten Außenstehende die Prämie nicht bekommen. Und: „Wir haben nur Ausschreibungen mit dem Prämienangebot versehen, wo es besonders schwer ist, die Stellen nahtlos zu besetzen. Das betrifft Fachkräfte für die Intensivstation oder besonders qualifizierte Fachärzte in der Neurochirurgie, der Gefäßchirurgie oder der Kardiologie“, sagt Breßlein.

Personalchef Edwin Pinkawa habe schon eine Prämie ausgezahlt, weitere würden in Kürze folgen. Unterschreibt der Bewerber den Vertrag, gebe es für den Vermittler 50 Prozent der Prämie. Nach der Probezeit werde der Rest ausgezahlt. „Das ist keine Verzweiflungstat, sondern ein probates Mittel zur Personalgewinnung. In der Privatwirtschaft gibt es das auch. Indem Mitarbeiter einen Kollegen empfehlen, sind sie in die Personalentscheidung eingebunden, und die Empfehlung ist eine Referenz für den Bewerber“, sagt der Personalchef.

Fünf Stellen seien derzeit schwer zu besetzen. Im Übrigen habe das Klinikum wenig Probleme. „Wir schütten die Prämien nicht mit der Gießkanne aus“, sagt Pinkawa. Er setze sie nur ein, wo es auf Stellenanzeigen und Ausschreibungen wenig Resonanz gibt.

„Die ersten Erfahrungen mit dem neuen System sind durchaus positiv“, sagt Pinkawa. Die Beteiligung des Betriebsrats zeige außerdem, dass die Belegschaft ähnlich denkt. Hans-Joachim Backes nimmt für die Caritasklinik Stellung. Er ist Geschäftsführer des Klinikträgers, der Caritas Trägergesellschaft Saarbrücken. „In den Einrichtungen der Caritas Trägergesellschaft gibt es eine solche Werbeprämie für Mitarbeiter derzeit nicht. Bislang gelingt es uns glücklicherweise, unsere Stellen zu besetzen, indem unsere Mitarbeiter uns als Arbeitgeber weiterempfehlen.“ Dafür gebe es kein Geld. „Da der Bedarf an Mitarbeitern jedoch in allen Häusern steigt, haben wir über Alternativen zur Gewinnung von Mitarbeitern nachgedacht, und eine Prämie könnte eine sein“, fügt er hinzu. In den Saarbrücker Kliniken der Saarland Heilstätten (SHG) seien Prämien nicht konkret geplant, aber auch nicht ausgeschlossen, sagt Martin Huppert, Leiter der Personal- und Sozialabteilung: „Gott sei Dank finden wir ausreichend Personal für unsere Häuser“, sagt er. Die Prämie sei „grundsätzlich in Ordnung“, berge aber auch Risiken. Er sehe die Gefahr, dass sich eine „Prämienmentalität“ einschleiche oder Bereiche abqualifiziert würden, in denen keine Prämien vorgesehen seien. Die SHG schließe nicht aus, irgendwann dieses Mittel zu nutzen. Konkret geplant sei es nicht.

Dr. Gunter Hauptmann ist Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland. Er weiß von Chefärzten, dass es „sehr, sehr schwierig ist, Stellen in Krankenhäusern zu besetzen“. Früher hätten sich 30 bis 40 Interessenten auf eine Stelle beworben. Heute könnten sich junge Kollegen den Arbeitsplatz problemlos aussuchen.„Da kommt vieles zusammen: die Arbeitsbedingungen, die Nachtdienste, die Wochenenddienste und die Bürokratie. Viele gehen daher nach dem Studium in medizinferne Berufe – in Versicherungen, Forschung, Verwaltung oder Medien.“

Mit dramatischen Folgen: „In zehn Jahren haben wir im Saarland 40 Prozent weniger Hausärzte. Und wir haben knapp 40 Prozent weniger andere Fachärzte.“ Es sei denn, es gelinge, in dieser Zeit rund 300 Hausärzte und dieselbe Menge anderer Fachärzte zu gewinnen. Dagegen hätten in diesem Jahr im Saarland gerade mal drei Absolventen die Prüfung zum Facharzt für Allgemeinmedizin abgelegt.

Dabei sei das Interesse am Medizinstudium ungebrochen, sagt Dr. Jasmin Cirillo, Referentin für Studium und Lehre an der Uni: „Einen Schwund haben wir nicht.“ Es gebe im Sommersemester durchschnittlich 1700, im Wintersemester sogar 1900 bis 2000 Medizinstudenten, bei seit Jahren leicht steigender Tendenz. Aber: „Viele gehen halt danach wieder weg“, sagt Cirillo. So viele, dass die Agentur für Arbeit Kliniken bei der Suche nach neuen Medizinern kaum helfen kann. Agentursprecherin Monika Fuchs: „Für Ärzte waren im April 22 offene Stellen gemeldet, im April 2011 waren es 13. Nachwuchs ist so begehrt, dass er uns aus den Händen gerissen würde“.

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