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Klinikum Saarbrücken gibt eigene Wäscherei auf

Symbolfoto.

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Susann Breßlein ringt um Fassung. Die Entscheidung, die die Geschäftsführerin und Verwaltungsdirektorin des Klinikums Saarbrücken an diesem Tag zunächst ihrem Aufsichtsrat nahegelegt, dann den Mitarbeitern erklärt hat, macht ihr zu schaffen. Es geht um Arbeitsplätze , und es geht um den Standort Winterberg.

Dort werden jeden Tag elf Tonnen Wäsche gewaschen und gemangelt – vier Tonnen fürs Klinikum selbst, fünf Tonnen für die Westpfalzklinik in Kaiserslautern, zwei Tonnen fürs dem Klinikum gehörende Altersheim und kleinere Auftraggeber. Nun sieht es so aus, als werde ab Mitte kommenden Jahres auf dem Winterberg überhaupt keine Wäsche mehr gewaschen.

Auslöser dafür, erklärt Breßlein, ist eine turnusgemäße und europaweit vorgeschriebene Ausschreibung des Wäschereiauftrags durch das Klinikum in Kaiserslautern. Ergebnis: Eine privatwirtschaftliche Wäscherei aus dem Hunsrück hat die städtische Wäscherei des Saarbrücker Klinikums unterboten. Ab 2017 fällt also knapp die Hälfte des Wäschevolumens auf dem Winterberg weg.

„Es macht keinen Sinn, die Wäscherei ohne den Großkunden aus Kaiserslautern zu betreiben“, hat Breßlein ausrechnen lassen. Nur die eigene Wäsche zu waschen, lastet den Betrieb nicht aus. 390 000 Euro Verlust würde der Klinik-Service Saarbrücken , ein Tochterunternehmen des Krankenhauses, jedes Jahr machen. Dadurch sei die komplette Tochterfirma, in der sich 372 Beschäftigte unter anderem auch um die Küche, die Verwaltung, das Qualitätsmanagement, technische Dienstleistungen und die Computer kümmern, in Insolvenzgefahr. Nicht zur Tochtergesellschaft gehören die rund 1440 Ärzte und Stations-Mitarbeiter.

Wenn die Wäscherei geschlossen wird, sind 46 Mitarbeiter ohne Arbeit. Davon haben zwar zehn eh nur befristete Verträge, sagt Breßlein, aber zusammen mit der Stadtverwaltung arbeite man daran, dass alle irgendwo „im Konzern Stadt“ unterkommen. Freiwerdende Stellen in anderen städtischen Betrieben, etwa beim Ordnungsdienst oder der Stadtreinigung, sollen mit Menschen besetzt werden, deren Arbeitsplätze in der Wäscherei wegfallen.

Dass die städtische Wäscherei nicht konkurrenzfähig ist, liege daran, dass der Mindestlohn von 8,50 Euro in privatwirtschaftlichen Wäschereien gleichzeitig der Höchstlohn sei, sagt Breßlein. In der Saarbrücker Wäscherei werden dagegen nicht nur 10,50 Euro pro Stunde, sondern auch noch drei Pozent zusätzliche Altersversorgung und sechs Prozent Weihnachtsgeld gezahlt.

Am 9. Dezember beschäftigt sich der Klinik-Aufsichtsrat noch mal mit der Wäscherei. Bis dahin soll unter anderem klar sein, was der Verkauf von Maschinen und Lastern bringt oder ob ein anderes Unternehmen womöglich die Wäscherei auf dem Winterberg unternimmt – und unter privatwirtschaftlichen Bedingungen weiterführt.

 

Meinung:

 

Doppelte Niederlage

Von SZ-Redakteur Martin Rolshausen

 

Es sind ja bloß 46 von rund 1800 Menschen, die auf dem Winterberg ihren Job verlieren, so ist das eben in der durch Konkurrenz geprägten Wirtschaft, wird womöglich der ein oder andere denken. Und überhaupt: Wenn das Krankenhaus einer Stadt, die eh pleite ist, es sich leistet, Löhne zu zahlen, die nicht konkurrenzfähig sind, ist sie selbst schuld.

Ich finde solche Gedanken zynisch. Zum einen, weil jeder einzelne Mensch, der sich Sorgen um seine Arbeit, also seine Lebensgrundlage und die seiner Familie, machen muss, einer zu viel ist. Zum anderen, weil die 10,50 Euro, die das Klinikum zahlt, kein Luxus sind. Die Menschen, um die es hier geht, leisten etwas. Sie verrichten körperlich schwere Arbeit. Dass andernorts Menschen eine solche Arbeit für 8,50 Euro in der Stunde erledigen müssen, weil die Unternehmen von der Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt profitieren, ist beschämend.

Mal ganz abgesehen davon, dass man sich die Frage stellen kann, wie sinnvoll es ist, schmutzige Wäsche weite Wege durch die Landschaft zu fahren: Die Entscheidung, die Winterberg-Wäscherei aufzugeben, ist eine Niederlage im doppelten Sinn. Es verlieren nicht nur Menschen ihren Job. Verloren haben auch die Klinik-Chefin und diejenigen in der Saarbrücker Kommunalpolitik, die seit Jahren versuchen, zumindest ansatzweise fair bezahlte Arbeitsplätze zu sichern. Denn auch wenn die Menschen, die bis jetzt in der Wäscherei gearbeitet haben, wohl in anderen städtischen Betrieben eine Zukunft haben, fallen unterm Strich gute Arbeitsplätze weg.

 
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