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Königin statt Richterin: Syrische Christin Ninorta Bahno wird Weinmajestät an der Mosel

Symbolfoto

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Mit wachsamem Blick beobachtet Ninorta Bahno die Handbewegungen von Renate Kreber. An einem verregneten Nachmittag im Trierer Stadtteil Ruwer ist die 25-jährige Syrerin eine wissbegierige Schülerin. Von der 79-jährigen Winzerin lässt sie sich zeigen, wie man die Weinreben so festbindet, dass sie gerade nach oben wachsen. Eigentlich hat Bahno jetzt Feierabend, doch das spielt für sie keine Rolle: Sie will mehr über die Winzerhandwerkskunst erfahren.

 

Dass sie sich einmal in einem deutschen Weinberg auf ein Ehrenamt vorbereiten würde, hätte die aramäische Christin vor vier Jahren nicht gedacht. Damals studierte sie Jura in ihrem Heimatland Syrien. „Ich wollte Richterin werden“, erzählt sie. Doch der verheerende Bürgerkrieg machte das Leben immer gefährlicher in Kamischli, einer Stadt direkt an der türkischen Grenze. So flohen Ninorta und ihre Schwester Fadia, heute 29, im Jahr 2012 aus ihrer Heimat. Sie wurden zu Flüchtlingen. Nur dreieinhalb Jahre später soll die jüngere Schwester nun Weinkönigin in Trier werden.

 

Seit dies Anfang Juni bekannt wurde, hat sich für die junge Syrerin viel verändert. Interview-Anfragen, Termine, Kleideranproben, Fotoshootings, Lehrstunden im Weinberg – bevor sie am 3. August beim Trierer Weinfest im Winzerstadtteil Olewig zur 68. Trierer Weinkönigin gekrönt wird, muss sie ein strammes Programm bewältigen – und sich nebenbei eine neue berufliche Perspektive aufbauen.

 

Denn die juristische Laufbahn hat Bahno abgehakt. In Deutschland dürfte sie zwar studieren; „ich habe die Sprachtests bestanden, meine Zeugnisse wurden anerkannt“, sagt Bahno, doch „die Gesetze sind ganz anders, ich müsste mein Studium ganz von vorne beginnen“. Die Syrerin entschied sich stattdessen für ein Praktikum bei der Agentur für Arbeit, im September beginnt sie dort eine Ausbildung. „Das macht mir Freude, der Umgang mit Menschen“, sagt sie.

 

Anfangs sei es schwer gewesen, sich in Deutschland zu integrieren, erzählt Ninorta; doch die beiden Schwestern lernten schnell die Sprache und begannen, sich in Flüchtlingsprojekten zu engagieren. Sie dolmetschte für arabischsprachige Flüchtlinge – unter anderem auch beim Trierer Weinfest 2015, wo die Organisatoren auf Bahno aufmerksam wurden. Der Wein, vor allem lieblicher Riesling, ist Ninortas Lieblingsgetränk; der Weinbau hat schließlich nicht nur an der Mosel eine Jahrtausende alte Tradition, sondern auch in Syrien.

 

Vor dem Krieg sei das Leben dort gut gewesen, erzählt die junge Frau. Die Christen seien als Minderheit zwar Einschränkungen unterworfen gewesen, hätten ihren Glauben aber leben und ihre Sprache sprechen können. Ninorta und ihre Schwester unterrichteten an einer Schule nebenher das Aramäische, die Sprache Jesu.

 

„Wir möchten nur in Frieden leben, wie wir es von der Bibel gelernt haben“, sagt Bahno. Ihr Glaube sei ihr wichtig, betont sie. Ihre Eltern durften vor einem Jahr nach Deutschland nachkommen und leben nun in Gießen, wo es eine größere aramäische Gemeinschaft gibt. Die Schwestern fahren so oft es geht dort hin. Heimweh habe sie dennoch oft. Ihr größter Wunsch ist, dass der Frieden zurückkehrt nach Syrien.

 

Ihre ganze Familie und Hunderte Fans in sozialen Netzwerken fiebern der Krönung zur Trierer Weinkönigin am 3. August entgegen – es ist deutschlandweit erstmalig, dass ein Flüchtling zu einer Weinhoheit wird. Das sei „ein schönes Zeichen der Toleranz und Integration seitens der Trierer Winzer“, freut sich der Geschäftsführer von Moselwein e.V., Ansgar Schmitz, der das Anbaugebiet vermarktet. „Gerne kann sich Frau Bahno nächstes Jahr auch für das Amt der Mosel-Weinkönigin bewerben“, sagt er.

 

Das sei eine große Ehre, entgegnet die Syrerin, die jedoch Schritt für Schritt machen möchte. Als anerkannte Asylbewerberin stünde ihr auch das Ehrenamt der Deutschen Weinkönigin offen – dafür ist keine deutsche Staatsbürgerschaft notwendig. Wobei sich Ninorta Bahno auch gut vorstellen kann, einmal den deutschen Pass zu beantragen. Denn hier baut sie sich nicht nur eine berufliche Existenz auf. Hier hat sie auch ihren Verlobten kennengelernt, er ist ebenfalls aramäischer Christ.
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