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Kohl steigt bei Elektroauto-Firma aus

Im Herbst 2010 war Edwin Kohl (rechts) noch optimistisch.

Im Herbst 2010 war Edwin Kohl (rechts) noch optimistisch.

Das Elektroauto Mia fährt jetzt ohne Edwin Kohl. Der Merziger Pharma-Unternehmer ist bei Mia Electric ausgestiegen. Er hat alle seine Anteile an dem Elektroauto-Hersteller verkauft, wie ein Sprecher von Kohlpharma gestern mitteilte. Zuletzt hielt Kohl 88 Prozent an dem im westfranzösischen Cerizay ansässigen Unternehmen. Diese Anteile hat die Darmstädter Beteiligungsgesellschaft Focus Asia GmbH übernommen, hinter der internationale Inbvestoren stehen sollen. Die übrigen Anteile bleiben im Besitz der Region Poitou-Charentes. Gründe für den Verkauf nennt Kohl nur indirekt. Er spricht von einem „schwierigen Marktumfeld“ und deutet in der Presseerklärung an, dass ein globaler Vertrieb fehle.

Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden, heißt es in der Mitteilung. Kohl dürfte aber nur einen Bruchteil der Summe bekommen haben, die er selbst beim Einstieg in das Unternehmen gezahlt hatte. Vor drei Jahren hatte er die Mehrheit an der Elektroauto-Sparte des insolventen französischen Karosserieherstellers Heuliez erworben: 73 Prozent zunächst – für rund zehn Millionen Euro, wie es damals hieß.

Kohl war mit großen Ambitionen gestartet. Er wollte seine Unternehmensgruppe ökologisch ausrichten, und Elektromobilität sollte zu einem neuen wichtigen Standbein der Gruppe werden. Kohl wollte bei dem damals von vielen erwarteten Boom der Elektroautos ganz vorne dabeisein. Doch die Hoffnungen bewahrheiteten sich nicht. Elektroautos finden bis heute nur wenige Käufer. Die hohen Anschaffungspreise und eine im Vergleich zu Autos mit Verbrennungsmotor geringe Reichweite schrecken ab. „Es ist schade, dass sich der Markt so entwickelt hat“, sagt der Kohlpharma-Sprecher und fügt hinzu: „Es ist schade, dass die Elektromobilität so ausgebremst wurde.“ Gerade die großen deutschen Autohersteller hätten weiter auf konventionelle Antriebe gesetzt und gleichzeitig den Verbrauchern Elektromobilität madig gemacht.

Welche Gründe auch immer ausschlaggebend waren, die Absatzzahlen des Mia blieben weit hinter den Zielmarken zurück. Auch deshalb, weil die Serienproduktion des dreisitzigen Kleinwagens erst im Dezember 2011, ein halbes Jahr später als geplant, in Gang kam. Kurz nach dem Einstieg bei Mia Electric hatte der Merziger Unternehmer Kohl noch angekündigt, im Jahr 2012 insgesamt 10.000 Mia verkaufen zu wollen. Im Frühjahr 2012 sprach er nur noch von mindestens 5000 Autos. Schließlich war auch dieses Ziel viel zu hoch gegriffen. Nach Unternehmensangaben verkaufte Mia Electric bis Februar dieses Jahres insgesamt nur 842 Autos. Seitdem seien nicht viel mehr hinzugekommen, sagt der Kohlpharma-Sprecher. Zuletzt seien um die 15 Autos im Monat abgesetzt worden.

Es fehlte ein umfassendes Vertriebsnetz, wie es die etablierten Autokonzerne seit Jahrzehnten haben. „Wir können ja nicht überall Autohäuser bauen“, sagte der Sprecher vor Monaten. Doch ohne Autohäuser kommt der Absatz offenbar nicht in Gang. Bundesweit hat Mia nicht einmal 20 Händler, bei denen Kunden das Auto anschauen und Probe fahren können. Zudem beschränkt sich der Verkauf bislang auf wenige europäische Länder. Und angesichts eines Listenpreises von 24.500 Euro für die Basisversion fällt das Verkaufen nicht leicht.

Der neue Haupteigner will nun die Wende einleiten und Mia Electric zu einem führenden Elektro-Hersteller machen – in Frankreich und weltweit, wie es in einer Mitteilung von Mia Electric heißt. Ähnlich äußert sich Edwin Kohl: „Mit Focus Asia wurde ein neuer Partner für Mia Electric gefunden, der die nötige Internationalisierung umsetzen will.“
 
Meinung
Doch zu klein
Von SZ-Redakteur Volker Meyer zu Tittingdorf


Edwin Kohl hat viel riskiert. Es gehörte schon Mut dazu, es als Mittelständler mit den Autokonzernen aufzunehmen. Im Nachhinein muss man vielleicht auch sagen, dass er sich Illusionen gemacht hat. Er wollte schneller sein als die Großen und ihnen auf dem jungen Markt der Elektroautos ein Schnippchen schlagen. Doch dem kleinen Unternehmen Mia Electric fehlte die Finanzkraft, um einen schlagkräftigen Vertrieb aufzubauen und die Marke bekannt zu machen. Und nachdem die allgemeine Elektro-Auto-Begeisterung breiter Skepsis gewichen war, schwanden die Chancen auf unternehmerischen Erfolg. Dann ist es besser auszusteigen.
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