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Kommen Amazon-Päckchen künftig per Mini-Drohne ins Haus?

Acht Motoren, 16 Kilometer Reichweite, bis zu 2,5 Kilogramm Traglast: Wird damit in Zukunft die Konsumgesellschaft beliefert?

Acht Motoren, 16 Kilometer Reichweite, bis zu 2,5 Kilogramm Traglast: Wird damit in Zukunft die Konsumgesellschaft beliefert?

Amazon- Chef Jeff Bezos hat bewiesen, dass er ganze Branchen auf den Kopf stellen kann. Zunächst lehrte er den Buchhandel das Fürchten, dann weitete er den Online-Handel auf alle denkbaren Waren aus. Mit dem Lesegerät Kindle beschleunigte er die Verdrängung von gedruckten Büchern durch E-Books. Nun will er Mini-Drohnen auf die Konsumgesellschaft loslassen.

Im US-Fernsehen kündigte Bezos an, er habe bei der Flugaufsicht FAA beantragt, dass selbstfliegende „Octocopter“ bestellte Waren zu den Kunden bringen dürfen. Zustellzeit: 30 Minuten. Bis zu 2,5 Kilogramm Gewicht könnten so ausgeliefert werden. „Bei 86 Prozent der Bestellungen liegt das Gewicht unter diesem Limit“, betont Bezos. „Ein Kajak können wir damit natürlich nicht ausliefern.“ Bezos weiß, dass noch viel zu tun bleibt: „Eine Drohne darf nicht auf dem Kopf eines Fußgängers landen und kann auch nicht in der Nachbarschaft herumlaufen, um eine Adresse zu finden.“ Viel Forschungsarbeit müsse den Dienst erst noch „robust und verlässlich“ machen.

„Es klingt wie Science Fiction, ist es aber nicht. Es wird funktionieren. Und es wird Spaß machen. Das ist eine grüne Alternative und sehr viel besser als Lieferwagen“, preist Bezos die Drohnen-Zukunft an. Nicht ganz uneigennützig. Amazon gab im letzten Quartal 1,53 Milliarden US-Dollar für Lieferkosten aus. Da ist die Verlockung groß, nach Wegen zu suchen, bei Post, UPS und Co. zu sparen. Technisch könnte der Service in zwei Jahren an den Start geben. Bezos selbst geht von fünf Jahren aus, weil noch viele Regeln für private Drohnen ausstehen.

Trotz seiner optimistischen Einschätzung steht Bezos mit dem Plan vor gewaltigen Herausforderungen. Bei dem Online- Händler gehen in Spitzenzeiten allein in den USA pro Sekunde rund 300 Bestellungen ein. Sollte nur ein Bruchteil dieser Waren per Drohne ausgeliefert werden, müssten in Großstädten tausende von Flugobjekten unterwegs sein. Mit einer Reichweite von nur 16 Kilometern müssten in Städten wie New York oder Los Angeles etliche Verteilzentren errichtet werden, um das Logistik- Netzwerk engmaschig genug zu knüpfen. Außerdem wohnt das Gros der Amazon-Kunden nicht in einem Einfamilienhaus mit einem Landeplatz für „Octocopter“ vor der Haustür, wie es in einem Werbefilm vorgeführt wurde. Daher konnten sich viele Beobachter des Eindrucks nicht erwehren, Bezos habe einen Marketing- Coup steigen lassen.

Auch Professor Joachim Rudolph vom Lehrstuhl für Systemtheorie und Regelungstechnik an der Saar-Uni, wo eine spezielle Drohne für Film- und Fotoaufnahmen entwickelt wurde, glaubt eher an „eine gute und preiswerte Werbung. Vielleicht verkauft das Unternehmen ja so sogar den ein oder anderen funkferngesteuerten Multikopter mehr zu Weihnachten“. Rudolph geht davon aus, dass er es wahrscheinlich nicht mehr erleben wird, dass Drohnen in Deutschland Päckchen ausliefern: „Es gibt sehr viele Probleme damit, die wohl am wenigsten noch flugtechnischer Natur sind. Aber selbst in dieser Hinsicht gibt es genügend Schwierigkeiten“, sagte Rudolph.

Bezos räumte immerhin ein, dass es schwer sei, neue Versand- Methoden einzuführen. Seit fünf Jahren experimentiert Amazon mit dem Verkauf frischer Lebensmittel. Allerdings wird der Dienst namens „Amazon Fresh“ bisher nur in Los Angeles und Seattle angeboten.

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