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Kommt man mit Migrationshintergrund in Saarbrücker Discos?

Um in die Disco hinein zu kommen, sollten junge Männer nicht nur den Eintritt bezahlen, sondern auch den „richtigen“ Ausweis haben. Das zeigt das Ergebnis des Projekts „DisNo!“ des Antidiskriminierungsforum Saar über die Ausgrenzung von jungen Männern mit Migrationshintergrund in Diskotheken. Am Dienstag erzählte Projektleiterin Adiam Engeda im Café Exodus, wie die Einlass- Tests ausgegangen waren. An zwei Freitagabenden wurden jeweils zwei Saarbrücker Discos von zwei Gruppen junger Männer angepeilt. Morteza, Ali und Zabih bildeten die Testgruppe; in der Vergleichsgruppe waren drei deutsche Männer. Alle sechs sind um die 20, waren ähnlich gekleidet und nicht alkoholisiert. In zwei der vier getesteten Clubs kamen sie alle problemlos hinein.

Vor der dritten Diskothek wurde die Testgruppe nach einer Clubkarte gefragt. Ohne diese – kein Eintritt. Ein paar Minuten später wurde von den drei Deutschen aber keine Clubkarte verlangt, da reichte ein Blick auf den Ausweis, bevor sie herein durften.

Im vierten Lokal fand eine Schülerparty statt, doch obwohl Zabih, Morteza und Ali einen Schulausweis vorzeigen konnten, blieben sie draußen. Zabih fragt sich seitdem immer wieder: „Warum darf ich als Ausländer nicht wie die Deutschen am Wochenende ausgehen und Spaß haben? Ich wohne und gehe doch auch hier zur Schule.“ Morteza erging es zwar ähnlich, doch allein schaffte er es schon öfter in die Clubs.

„Mit einer Gruppe ist es aber schwierig“, teilt er mit. Die Namen der getesteten Discos verrieten die Veranstalter nicht. Diese erste Phase der Arbeit war eine Bestandsaufnahme. 2014 soll dann eine Auseinandersetzung mit den Betreibern folgen, erklärt Karin Meißner von der Fachstelle Antidiskriminierung und Diversity. Auch junge Männer aus dem Publikum berichteten von ihren Erfahrungen: Oft habe ihr Aufenthaltstitel eine abschreckende Wirkung auf das Sicherheits-Personal. Diese Kritik weist Torsten Federkeil, Betriebsleiter der Saarbrücker Diskothek Nachtwerk, entschieden zurück. Eine grundsätzliche Ausweiskontrolle finde statt, aber nur um das Alter der Besucher zu prüfen, nicht ihre Staatsangehörigkeit.

Was die Gruppen- Problematik betrifft, erklärt er: „Menschen möchten in der Disco auch Bekanntschaften machen. Wenn an einem Abend schon viele Männer und wenige Frauen da sind, kann es durchaus sein, dass eine größere Männergruppe draußen bleibt – egal ob Deutsche oder Ausländer.“

Heike Fritzsche vom Antidiskriminierungsbüro Sachsen ist ihren saarländischen Kollegen einen Schritt voraus. Nach ähnlichen Tests in Leipzig ging ihr Büro auf die Betreiber zu. Wenige Clubs ließen sich auf eine Kooperation ein und entwickelten Deeskalationsstrategien. In einigen Fällen klagten die Abgewiesenen. Doch auch wenn ein Sportstudent aus Syrien 500 Euro Entschädigung bekam, „sind damit gerade die Prozesskosten beglichen“, bedauert Fritzsche. Das sei als Abschreckung zu wenig.
 
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