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Kostenfreie Nachmittagsbetreuung passé

Wer sein Schulkind bis 17 Uhr in der Nachmittagsbetreuung lässt, soll nach den Sommerferien bis zu 60 Euro dafür bezahlen.

Wer sein Schulkind bis 17 Uhr in der Nachmittagsbetreuung lässt, soll nach den Sommerferien bis zu 60 Euro dafür bezahlen.

Saarbrücken. Nachdem die Betreuungsangebote an Freiwilligen Ganztagsschulen (FGTS) im Saarland ein Jahr lang kostenlos waren, wird es im kommenden Schuljahr wohl wieder eine teilweise kostenpflichtige Lösung geben. Dies teilte das saarländische Bildungsministerium auf  Anfrage mit. Das Ministerium hat das bisherige Förderprogramm zur Freiwilligen Ganztagsschule überarbeitet und einen ersten Entwurf zur Anhörung an alle Träger der Nachmittagsbetreuung, Schulträger, Lehrer- und Elternverbände gesandt.

Zukünftig soll es ein „differenzierteres Angebot“ geben, teilte ein Sprecher des Bildungsministeriums mit. Geplant sind demnach eine kürzere und eine längere Nachmittagsbetreuung.

Das kürzere Angebot soll eine Mittagspause, ungebundene Freizeit sowie die Hausaufgabenbetreuung beinhalten und in der Regel bis 15 Uhr oder 15.30 Uhr dauern. Dieses Angebot soll auch weiterhin kostenfrei bleiben. Eine Betreuung in der Ferienzeit soll jedoch voraussichtlich 30 Euro pro Woche kosten.

Zahlen sollen Eltern hingegen für das längere Angebot bis 17 Uhr, das außer Mittagspause und Hausaufgabenbetreuung auch noch ein pädagogisches Freizeitangebot und Projekte mit Arbeitsgemeinschaften enthält. „Vorgesehen sind monatliche Elternbeiträge in Höhe von voraussichtlich 40 Euro für lange Gruppen im Standardmodell sowie 60 Euro für lange Gruppen im Kooperationsmodell Schule-Jugendhilfe“, sagte ein Sprecher des Bildungsministeriums. In diesen Beiträgen sei die Ferienbetreuung enthalten. Sozialleistungsempfänger sollen nach den Plänen keine Elternbeiträge zahlen.

Der Entwurf liegt auch dem Dachverband der Träger der Nachmittagsbetreuung vor. Pfarrer Udo Blank, Vorsitzender der Liga der freien Wohlfahrtspflege im Saarland, sieht bei einigen Punkten noch Verbesserungsbedarf. Blank hält die voraussichtliche Einführung eines Elternbeitrags für bedauerlich. „Kinder aus bildungsfernen Familien werden wohl zukünftig eher am kostenlosen, kurzen Angebot teilnehmen, obwohl ihr Förderbedarf höher ist“. Außerdem würden durch den Elternbeitrag die Verwaltungskosten der Träger erheblich steigen. Ein nach Zeiten gestaffeltes Angebot hält Blank grundsätzlich für sinnvoll, der Gestaltungsspielraum der Eltern würde so größer. „Jedoch wird durch das geplante kurze Angebot die pädagogische Qualität der Nachmittagsbetreuung gefährdet“, erklärt Blank. Da das Fachpersonal bei einer Betreuung bis 15 Uhr teilweise nur drei Stunden arbeite, erhalte es auch nur Lohn für drei Stunden. Dies sei unrentabel, er erwarte folglich eine Abwanderung der Fachkräfte.

Auch von Seiten der Elternvertreter kommt Kritik am Entwurf des Bildungsministeriums. Frank Billert, Landeselternvertreter für die saarländischen Grundschulen, hält den geplanten Elternbeitrag zur Nachmittagsbetreuung für nicht angemessen. „Für Alleinerziehende mit mehreren Kindern können 40 oder 60 Euro im Monat sehr viel Geld sein“, sagt Billert. Des Weiteren stört ihn die kostenpflichtige Ferienbetreuung im kurzen Angebot.

Eine Betreuung über 17 Uhr hinaus hält der Elternsprecher für erstrebenswert. Berufstätige im Nachteil? Kritik äußert auch der Verein Landeselterninitiative für Bildung.

Er sieht in den Plänen „einen Beleg für die Zweifelhaftigkeit politischer Bekundungen auch wenn es um die Bildung von Kindern geht“, wie es in einer Mitteilung heißt. Das vorgesehene Modell benachteilige berufstätige Eltern, die auf eine Betreuung über 15 Uhr hinaus angewiesen seien.

Das vorläufige Programm des Bildungsministeriums soll nach einer Anhörung erneut geprüft und dann vom Ministerrat verabschiedet werden. Mit einer endgültigen Fassung ist Anfang März zu rechnen. Die Anmeldefrist zu den Freiwilligen Ganztagsschulen endet am 15. April.

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