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Kraftwerksbetreiber und Industrieunternehmen im Saarland befürchten hohe Kostenbelastungen

Die Stahlindustrie ist besonders davon betroffen, dass die Unternehmen für Emissionszertifikate bezahlen müssen.

Die Stahlindustrie ist besonders davon betroffen, dass die Unternehmen für Emissionszertifikate bezahlen müssen.

Saarbrücken. Wer künftig in größerem Stil Kohlendioxid (CO2) oder andere Verbrennungsgase in die Umwelt bläst, muss ab dem Jahr 2013 für diese Verschmutzungsrechte in vielen Fällen voll bezahlen. Bislang wurden diese Erlaubnisscheine den großen Emittenten kostenlos zugeteilt. Damit ist mit dem Beginn der dritten Handelsphase des Europäischen Emissionshandelssystems EU-ETS (2013 bis 2020) Schluss.

Das trifft im Saarland vor allem die Stahlindustrie und die Betreiber der Kohlekraftwerke. Wie hoch die zusätzlichen Kosten sein werden, steht noch nicht fest. Die Basis für den Bedarf orientiert sich daran, wie viele Zertifikate die einzelnen Unternehmen im Jahr 2012 benötigt haben. Hier stehen noch keine abschließenden Zahlen zur Verfügung. Sie werden im Mai erwartet. Außerdem sinken seit zwei Jahren die Preise für Emissionsrechte, die an der Leipziger Strombörse gehandelt werden. Im zweiten Quartal 2011 notierten sie noch bei weit über 16 Euro pro Tonne CO2, derzeit liegen sie bei 6,45 Euro. Um steigende Preise zu erreichen, schlägt die EU-Kommission unter anderem vor, die Zahl der Rechte zu verkleinern (siehe Hintergrund).

Für Karlheinz Blessing, Chef der Dillinger Hütte und der Saarstahl AG, ist die Verknappung der Erlaubnisscheine der falsche Weg. „Wir wissen nicht, was in diesem und den nächsten Jahren passiert“, mahnt er an. Würden Emissionsrechte vom Markt genommen, „steigen die Preise dauerhaft“, ist er überzeugt. Der derzeit niedrige Preis für die Zertifikate „ist der schwachen wirtschaftlichen Lage geschuldet“. Auch der Stahlindustrie gehe es nicht besonders. Daher sei 2012 kein gutes Referenzjahr. Zieht die Konjunktur an, „führt das zu Preissteigerungen, die umso heftiger ausfallen, je mehr das Angebot an Verschmutzungsrechten verkleinert wird“, meint der Stahlmanager. Im schlimmsten Fall „macht man damit in Europa die Räume für die Roheisen-Flussigphase dicht“. Dann sei auch der Bestand der Walzwerke gefährdet, malt er schwarz. Die Branche weiß Blessing hinter sich. „Eine Verknappung schädigt die Wettbewerbsfähigkeit der Stahlerzeuger gegenüber ihren außereuropäischen Konkurrenten, die keinen Emissionshandel haben“, verdeutlicht die Wirtschaftsvereinigung Stahl. Blessing appelliert, 2013 „als Leer- und Lehrjahr zu nutzen“, also einmal Erfahrungen zu sammeln.

Fernwärme wird teurer

Die Betreiber der Kraftwerke sehen ebenfalls mit Sorge, dass sie ab diesem Jahr die Verschmutzungsrechte in Gänze bezahlen müssen. Die Summen sind auch dort noch nicht bekannt, daher hält man sich mit Aussagen noch im Vagen. Der Strom- und Fernwärme-Produzent Steag, der im Saarland die Kraftwerke in Völklingen-Fenne, Göttelborn (Weiher III) und Bexbach sowie die Fernwärme-Schiene Saar betreibt, rechnet mit einer „erheblichen Belastung“, so eine Sprecherin. Dies müsse auf den Strompreis umgelegt werden. Doch nicht nur die Emissionsrechte für die Kraftwerke müssten in Gänze gekauft werden. Auch bei der Fernwärme seien zu wenige kostenlose Zertifikate zugeteilt worden, sodass man auch hier welche erwerben müsse. Bei der Fernwärme wird die kostenlose Zuteilung bis 2027 auf Null abgeschmolzen. Außerdem geht Steag davon aus, dass der Preis für CO2-Zertifikate „signifikant steigt“, was Strom und Fernwärme zusätzlich verteuern würde.

„Auch wir stochern noch im Nebel und wissen noch nicht, welche Mehrkosten durch den Emissionshandel auf uns zukommen“, sagt Michael Dewald, der beim Versorger VSE für die Verschmutzungsrechte zuständig ist. Er schätzt, dass sich die Stromerzeugung bei älteren Kohlekraftwerken um acht bis zehn Euro pro Megawattstunde (MWh) verteuert.

Der Saarbrücker Versorgungskonzern VVS leidet ebenfalls unter dieser neuen Belastung. Selbst für die modernen Gaskraftwerke, wie sie die VVS gebaut habe, müsste man CO2-Gutscheine kaufen, obwohl diese wegen der Energiewende von der Politik gefördert werden müssten, heißt es in einer Mitteilung. „In Verbindung mit niedrigen Strompreisen am Großhandelsmarkt und hohen Gaspreisen, wodurch die wirtschaftliche Situation solcher Gaskraftwerke sehr angespannt ist, stellt der Emissionshandel eine zusätzliche Belastung dar“, so die VVS. Allein aus dem normalen Betrieb erwartet die VVS bei ihren Gaskraftwerken einen Verlust zwischen zwei und drei Millionen Euro.

Doch nicht nur die Stahlindustrie und die Kraftwerksbetreiber müssen – zumindest teilweise – Emissionsrechte zukaufen, sondern auch andere Industrieunternehmen. Dazu zählen unter anderem der Keramik-Konzern Villeroy?& Boch, das Michelin-Reifenwerk in Homburg, das Dialysefilter-Werk von Fresenius Medical Care (FMC) in St. Wendel, der Getriebe-Hersteller ZF in Saarbrücken oder die Holzverarbeiter Homanit (Losheim) und Laminatepark (Heuweiler). Alle diese Firmen betreiben eigene Dampfkessel-Anlagen oder Heizkraftwerke.
Auch Karlsberg betroffen

Zu dieser Gruppe gehört ebenfalls die Homburger Karlsberg-Brauerei. Das Unternehmen muss ab diesem Jahr für den Betrieb ihrer Dampfkessel-Anlage 15.000 Zertifikate kaufen, sagt Bernd Franzmann, Energiemanager der Brauerei. Derzeit kosten sie knapp 100.000 Euro pro Jahr. „Wenn die Zertifikats-Preise drastisch steigen, können daraus auch 300.000 Euro werden“, meint Franzmann.
 
Hintergrund
Derzeit wird in der EU darüber diskutiert, Handelsrechte vom Markt zu nehmen, damit die Preise für Verschmutzungs-Gutscheine wieder steigen. Innerhalb der Bundesregierung ist diese Maßnahme umstritten. Während das Umweltministerium unter Minister Peter Altmaier (CDU) diesen Weg favorisiert, sperrt sich das Wirtschaftsministerium von Philipp Rösler (FDP) kategorisch dagegen. „Gerade die Preisbewegungen sind ein Ausdruck dafür, dass der Emissionshandel funktioniert“, heißt es in einem Brief von Rösler an Altmaier. Zuständig und verhandlungsberechtigt in Brüssel ist allerdings der Umweltminister. low




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