Saarland: Im Bereich Nordsaarland: Gefahr durch Schnee- und Eisglätte. (09:50)

Priorität: Dringend

4°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
4°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Kramp-Karrenbauer eher Ausnahme: Kaum Frauen in Saar-Politik

Annegret Kramp-Karrenbauer ist als Frau in der Saar-Politik eher eine Ausnahme.

Annegret Kramp-Karrenbauer ist als Frau in der Saar-Politik eher eine Ausnahme.

An der Spitze der deutschen Politik steht eine Frau, an der Spitze der saarländischen Politik ebenfalls – nur in den Kommunen, da sieht es ganz anders aus. Gerade einmal 20 Prozent der Ratsmitglieder in den saarländischen Kommunalparlamenten sind Frauen. Im Zuge der Kommunalwahl 2009 ist dieser Anteil sogar um vier Prozentpunkte zurückgegangen. Bundesweit landet das Saarland damit auf dem viertletzten Platz. Dabei gibt es Unterschiede zwischen den einzelnen Kommunen, wie Petra Messinger, Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) der kommunalen Frauenbeauftragten, erklärt: „Die Anzahl der Frauen in den Räten hängt davon ab, welche Parteien mehrheitlich vertreten sind.“

Sind es SPD, Grüne und Linke, die innerparteiliche Quoten haben, ist der Frauenanteil höher. Außerdem gilt: Je größer die Stadt oder der Ort, desto mehr Frauen sind vertreten. So sind etwa in Saarbrücken 35 Prozent der Ratsmitglieder Frauen. Auf dem Land liegt der Anteil deutlich darunter. Warum nur wenige Frauen den Weg in die Politik finden und wie sich das ändern lässt, debattierten Politikerinnen bei einer Podiumsdiskussion der LAG. So sah Esther Woll (Grüne), Kreisbeigeordnete im Kreis Saarlouis, die Ursachen in der Sozialisation: „Viele Frauen trauen sich wenig zu, und das wird ihnen schon früh eingeimpft.“

Deshalb müsse man in der Bildung ansetzen und Mädchen stärker fördern. Auch dass viele Sitzungen in der Kommunalpolitik am Abend stattfinden, schrecke Frauen ab, erklärte Dagmar Heib, Landtagsabgeordnete der CDU: „Das ist nicht besonders familienfreundlich.“ Denn noch immer seien es meist die Frauen, die sich um Familie und Haushalt kümmern müssten. „Frauen müssen sich Netzwerke schaffen, um sich gegenseitig zu helfen“, so Heib. Doch die Politikerinnen sahen die Gründe auch bei den Frauen selbst. Birgit Müller- Closset (SPD), Bürgermeisterin von Eppelborn, drückte es mit einem Zitat der Philosophin Simone de Beauvoir aus: „Frauen, die nichts fordern, werden beim Wort genommen – sie bekommen nichts.“

Wer in der Politik zu zaghaft sei, dem nütze selbst die beste Qualifikation nichts. Einig waren sich alle darin, dass Frauen zwar engagiert seien, nur eben nicht in der Politik. So sagte Bärbel Riedinger, Linken- Abgeordnete im Kreistag des Saarpfalz-Kreises, das soziale Leben in den Gemeinden werde oft von Frauen bestimmt, die sich ehrenamtlich engagierten. „Parteien sollten gezielt auf solche Frauen zugehen und sie für die Politik gewinnen“, meinte sie. Dass es dringend notwendig sei, mehr Frauen in die Politik zu bringen, auch darin war man sich einig. Nicht nur, weil die Politik als „Gestalterin der Gesellschaft“ diese auch repräsentieren soll, wie die Merziger Landrätin Daniela Schlegel- Friedrich (CDU) meinte. Sondern auch, weil sich so der Umgang innerhalb der Politik ändern würde.

Jasmin Maurer, Landtagsabgeordnete der Piraten, berichtete von einer oftmals „abwertenden und diskriminierenden“ Redekultur. Und Müller-Closset erklärte, seit sie Bürgermeisterin in Eppelborn sei, sei der Umgang dort respektvoller geworden. Doch an der Frage, wie Frauen stärker eingebunden werden können, schieden sich die Geister. So schloss sich Riedinger einer Forderung an, die der Frauenrat, der Juristinnenbund und die kommunalen Frauenbeauftragten seit langem stellen: Sie plädierte für ein Paritätsgesetz. Es würde die Parteien verpflichten, auf ihren Wahllisten abwechselnd Frauen und Männer aufzustellen. Die CDU-Vertreterinnen lehnten das ab. „Eine Quote ist immer etwas Starres“, erklärte Heib. Nicht immer stünden geeignete Kandidatinnen bereit, um Ämter oder Listenplätze zu besetzen.




MEINUNG

Eine Frage der Gerechtigkeit

Von SZ-Redakteurin Nora Ernst

Seit 1918 dürfen Frauen wählen und gewählt werden. Knapp ein Jahrhundert später ist gerade einmal jedes fünfte Ratsmitglied in Kommunalparlamenten eine Frau. Das muss sich ändern. Nicht weil Frauen eine bessere Politik machen oder einen respektvolleren Umgang miteinander pflegen. Ob jemand in einer Debatte laut wird oder nicht, ist eine Frage des Charakters, nicht des Geschlechts. Doch mit welcher logischen Begründung sollte die Hälfte der Menschheit hier benachteiligt werden? Es gibt keine. Deshalb müssen mehr Frauen in die Politik – notfalls eben mit Hilfe eines Paritätsgesetzes. Das Argument, es gebe nicht genügend fähige Frauen, ist haltlos, wie ein Blick nach Frankreich zeigt. Dort gelang es seit Einführung des Paritätsgesetzes selbst in den kleinsten Kommunen, genügend Kandidatinnen zu finden.
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein