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Kramp-Karrenbauer und BA-Chef Weise wollen Sprachkurse für Flüchtlinge stärker verzahnen

Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer und Frank-Jürgen Weise studieren Sprachkurs-Unterlagen. Foto: ruppenthal

Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer und Frank-Jürgen Weise studieren Sprachkurs-Unterlagen. Foto: ruppenthal

Ahmad Haidar hat in Syrien als Zollbeamter gearbeitet. Dem 35-Jährigen ist klar, dass er diesen Beruf in Deutschland nicht ausüben kann. Er möchte Elektriker werden. Haidar hat bereits eine wichtige Voraussetzung erfüllt. Seine Deutschkenntnisse sind hervorragend, obwohl er erst seit September in Deutschland ist. „Seit 2008 habe ich bereits am Goethe-Institut in Damaskus Deutsch-Kurse belegt“, verrät er. „Hoffentlich zahlt sich das in meiner neuen Heimat Deutschland aus.“

Auch Yaser Al Asmi, der nach eigenen Angaben einen Ingenieur-Abschluss hat, findet sich in seiner neuen Sprache gut zurecht. Frank-Jürgen Weise hört ihm aufmerksam zu. „Herr Asmi kann relativ schnell einen Arbeitsplatz finden – wenn nicht direkt als Ingenieur, dann doch zumindest als Techniker“, sagt er. Weise muss es wissen. Er ist nicht nur Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), sondern auch Leiter des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf).
 

Erfahrene Pädagogen

Gestern besuchte Weise zusammen mit Saar-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer ( CDU ) in Püttlingen einen Sprachkurs der Volkshochschule (VHS). „Das schnelle Erlernen der deutschen Sprache ist für die berufliche Integration der Flüchtlinge unerlässlich“, sagte Kramp-Karrenbauer. „Wir wollen Wege finden, wie die Unterrichts-Angebote der BA und der Volkshochschulen besser miteinander verzahnt werden können, um Reibungsverluste zu vermeiden.“ Dabei kommt ihr zugute, dass sie als Präsidentin des Deutschen Volkshochschul-Verbandes (DVV) einen gewissen Einfluss hat.

Die VHS bietet in Püttlingen zwei Deutsch-Einstiegskurse für Flüchtlinge an. Sie dauern jeweils 320 Stunden, haben im November begonnen und enden im Mai. 16 Männer besuchen den Kurs, den gestern Kramp-Karrenbauer und Weise besuchten. Dieser wird geleitet von Rudolf Hahn und Hans-Joachim Schmidt. Beide sind erfahrene Pädagogen und inzwischen in Rente. Hahn war zuletzt Chef der VHS Trier. Den zweiten Kurs betreut Angelika Feld, frühere Leiterin der Lothar-Kahn-Gemeinschaftsschule Rehlingen. In ihrem Kurs sind 26 Flüchtlinge , acht davon sind Frauen. „Am Ende sollten die Teilnehmer in der Lage sein, Alltagsgespräche zu führen und bei Behördengängen zurecht zu kommen“, meint Feld. Beim Sprachfortschritt der einzelnen Kursteilnehmer „ist es wie im richtigen Schulleben“, sagt sie. „Die einen lernen schnell und die anderen haben ihre Probleme.“
 

Jobchancen für 100 000

Auch Bamf-Chef Weise ist realistisch. Er wiederholte seine Einschätzung, dass von den rund 1,1 Millionen Flüchtlinge des vergangenen Jahres rund 100 000 relativ gute Chancen auf einen Job in Deutschland haben. Wichtig sei jetzt, „dass die Asylanträge schneller bearbeitet werden und die Qualifikation der Menschen, die zu uns kommen, rasch und verlässlich erfasst wird“.

Abdul Maruf Ghiasee aus Afghanistan hat zehn Monate warten müssen. Seit einer Woche ist er als Asylant offiziell anerkannt. Deutsch büffelt er auch in seiner Freizeit. Das merkt man, die Sprache liegt ihm. Kommunikation ist sein Metier, in Kabul arbeitete er als Journalist. In Deutschland will er Elektroniker werden. Ein Schnupperpraktikum beim Energieversorger VSE hat er schon absolviert. 2800 zusätzliche Mitarbeiter sollen sich in den Jobcentern künftig um die Flüchtlingsbetreuung kümmern. Zu wenig, kritisieren die Grünen. Mit dem Vorhaben bleibe die Bundesregierung weit hinter den Empfehlungen des staatlichen Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zurück. Das IAB hatte einen Betreuungsschlüssel von etwa 70 Asylbewerbern pro Vermittlungsfachkraft empfohlen. Nach Angaben der arbeitsmarktpolitischen Sprecherin der Grünen, Brigitte Pothmer , will sich das Bundesarbeitsministerium nicht an diese Empfehlung halten. Pothmer hat einen Betreuungsschlüssel von 1 zu 154 ausgerechnet, wenn die 2800 zusätzlichen Jobcenter-Mitarbeiter für 216 000 arbeitslose Flüchtlinge zuständig wären. Diese Zahl schätzt die Bundesagentur für Arbeit (BA). Für Pothmer ist das eine völlig unbefriedigende Perspektive. In der Praxis sei nur etwa die Hälfte des Personals direkt mit der Arbeitsmarkt-Integration betraut. Die andere Hälfte kümmere sich um die Berechnung der Hartz-IV-Leistungen.
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