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Krankenkassen: Wurden Krankengeld-Empfänger im Saarland schikaniert?

Der Vorwurf wiegt schwer: Krankenkassen im Saarland übten vielfach unangemessenen Druck auf Empfänger von Krankengeld aus, um den Zahlungszeitraum so kurz wie möglich zu halten. Nach Schätzungen der Saarbrücker Beratungsstelle der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD) kommt es in rund einem Viertel dieser Fälle gar zu „schikanösen Grenzüberschreitungen“.

Genaue Fallzahlen konnte die UPD nicht nennen. Bundesweit gab es bei 1,8 Millionen Krankengeldzahlungen rund 1400 entsprechende Patientenbeschwerden. Dass die Kassen eine attestierte Arbeitsunfähigkeit überprüften, sei nachvollziehbar und nicht zu beanstanden. Die Methoden seien in einigen Fällen jedoch nicht hinnehmbar, hieß es gestern bei der Vorstellung der Jahresbilanz der UPD in Saarland. Am Dienstag hatte bereits der Patientenbeauftragte Karl-Josef Laumann (CDU) in Berlin kritisiert, dass Mitarbeiter der Krankenkassen gelegentlich selbst zum Telefon griffen und sich mit teils bohrenden Fragen nach dem Gesundheitszustand des Krankengeld-Empfängers erkundigten.

Normalerweise überprüft dies der Medizinische Dienst der Krankenkassen. „Wir nehmen diese Kritik sehr ernst“, sagte Axel Mittelbach vom Verband der Ersatzkassen (Vdek) im Saarland gestern auf SZ-Anfrage. Der Vdek ist für rund 40 Prozent der hiesigen Versicherten zuständig. Nach Angaben Mittelbachs lehne es der Verband ab, Druck auf Versicherte auszuüben. Er räumte ein, dass es in Einzelfällen dennoch dazu gekommen sein könnte. Gleichwohl hätten die Kassen aber „das Recht zu überprüfen, ob alles mit rechten Dingen zugeht“. Ähnlich äußerte sich gestern die AOK, die rund ein Fünftel der saarländischen Versicherten betreut. „Die Mitarbeiter der AOK sind dazu sensibilisiert, mit der schwierigen Situation der Versicherten behutsam umzugehen. Sollte es in Einzelfällen trotzdem zu Beschwerden kommen, gehen wir diesen Beschwerden sorgsam nach“, hieß es.

Dass die UPD Kritik an der Vorgehensweise der Kassen übt, ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil die bundesweite unabhängige Beratungsorganisation von eben diesen Kassen mit rund 5,6 Millionen Euro pro Jahr finanziert wird. Ab 2016 sollen sogar 9 Millionen Euro an die UPD fließen, wie der Gesetzgeber kürzlich verfügt hat. Noch ist unklar, wie das zusätzliche Geld verwandt werden soll. Saar-Verbraucherzentrale und Sozialverband VdK, beide Träger der Saarbrücker UPD-Beratungsstelle, hoffen auf mehr Personal. Denn im landesweit einzigen UPD-Büro in der Dudweilerstraße in Saarbrücken stehen die Telefone fast nie still. Insgesamt knapp 3000 Anrufe haben die drei dort beschäftigten Mitarbeiter im zurückliegenden Jahr entgegengenommen. „Es könnten deutlich mehr sein, wenn wir alle Vollzeitstellen hätten“, sagt Patientenberater Martin Nicolay. Rund 40 Prozent der Anrufer kämen deshalb nicht durch. Das heißt: Das Interesse an der Patientenberatung ist groß. Seit Jahren schon, denn die Zahl der Anrufer sei nahezu gleichbleibend hoch, heißt es.

Beantworten müssen der Jurist Nicolay und seine Kollegen Dr. Andrea Gholami (Ärztin) und Hermann J. Neumann (Sozialarbeiter) vor allem Fragen zu Patientenrechten. Gefolgt von Fragen zu gesundheitlichen und psychosozialen Themen. Neben Beschwerden beim Krankengeld seien angebliche Behandlungsfehler ein weiteres „Topthema“. „Wir zeigen den Patienten dann Handlungsmöglichkeiten auf“, so Nicolay. Die UPD könne so oft einen langen Rechtsstreit verhindern. Zu verdanken sei dies auch der „guten Zusammenarbeit mit den Kassen im Saarland“.

UPD-Beratungsstelle Saarbrücken, Dudweilerstraße 24, Tel. (06 81) 9 27 36 79. Telefonische Sprechstunde: Mo. und Fr. 9-12 Uhr, Di. und Do. 14-17 Uhr. Sprechstunde zum persönlichen Gespräch: Di. 16 bis 18 Uhr, Do. 10 bis 12 Uhr. Die Beratung ist kostenfrei.

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