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Kriminologin erklärt, was Videoüberwachung leisten kann - und was nicht

Videoüberwachung kann die Kriminalitätsbelastung senken, aber längst nicht überall. Das zeigten Studien, wie die Kriminologin Rita Haverkamp im SZ-Interview erläutert. Foto: Grimm/dpa</p>

Videoüberwachung kann die Kriminalitätsbelastung senken, aber längst nicht überall. Das zeigten Studien, wie die Kriminologin Rita Haverkamp im SZ-Interview erläutert. Foto: Grimm/dpa

Frau Professor Haverkamp, verhindern Überwachungskameras wirklich Straftaten?

Haverkamp: 2003/04 haben Wissenschaftler 22 Evaluationsstudien systematisch analysiert. Bei den meisten dieser Studien gab es auch Kontrollgebiete ohne Videoüberwachung, so dass man überprüfen konnte, inwiefern sich das Kriminalitätsniveau verändert hat. Man kann grob sagen, dass sich die Kriminalität durch Videoüberwachung durchschnittlich um 21 Prozent verringert hat. Das hört sich erst einmal ziemlich gut an, man muss aber differenzieren.

Wo ist Videoüberwachung besonders wirksam?

Haverkamp: In Parkhäusern, insbesondere wenn sie mit verbesserter Beleuchtung und deutlichen Hinweisen auf die Videoüberwachung kombiniert wird. Die Zahl der Diebstähle von und aus Fahrzeugen sank so um gut 40 Prozent. In Stadtzentren, Wohngebieten oder im öffentlichen Nahverkehr hatte die Videoüberwachung aber nur einen geringen oder keinen signifikanten Effekt auf die Kriminalität. Man darf die Möglichkeiten der Videoüberwachung nicht überschätzen. Sie ist kein Allheilmittel.

Aber Sie erhöht das Entdeckungsrisiko für potenzielle Täter.

Haverkamp: Das ist der Gedanke an den vernünftig handelnden Täter. Das hat grundsätzlich auch etwas für sich. Aber Gewalttäter handeln häufig spontan, sind alkoholisiert und enthemmt und achten nicht auf Videokameras. Und ein Terrorist, der darauf spekuliert, bei seiner Tat getötet zu werden, der will doch gerade entdeckt werden!

Unstrittig dürfte sein, dass Videoüberwachung helfen kann, den Täter zu ermitteln.

Haverkamp: Wenn es entsprechende Aufnahmen gibt, können Tatverdächtige identifiziert und verfolgt haben. Das funktioniert bei Massengeschehen aber nicht so gut, wie man in der Kölner Silvesternacht gesehen hat. Man muss sich über die Grenzen von Technologien bewusst sein.

Wie sieht es denn mit der Überwachung von Plätzen aus, auf denen sich zum Beispiel Drogendealer und Kriminelle tummeln?

Haverkamp: Da können Verlagerungseffekte eintreten. Wenn Sie einen Platz mit Videoüberwachung ausstatten, kann es vorkommen, dass sich die Drogenszene zu einem anderen Punkt verlagert, der nicht videoüberwacht ist.

Es heißt, Überwachungskameras erhöhen das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger. Stimmt das?

Haverkamp: Vor kurzem wurden dazu Ergebnisse aus der Schweiz veröffentlicht. Es wurde festgestellt, dass es keinen objektiv messbaren Effekt auf die Kriminalität gab, aber dass sich die Bevölkerung durch die Videokameras sicherer fühlte. Das war der Grund dafür, dass man gesagt hat, wir lassen die Kameras stehen.

Ist das aus Ihrer Sicht eine legitime Überlegung, obwohl die Kriminalität objektiv durch die Kameras nicht gesunken ist?

Haverkamp: Man muss sich natürlich überlegen, wohin solche Begründungen führen können. Zumal ja auch Gewöhnungseffekte eintreten. In fünf oder zehn Jahren erhöhen die Kameras vermutlich nicht mehr das subjektive Sicherheitsgefühl. Dann stellt sich die Frage nach einer weiteren Aufrüstung. Videoüberwachung kann aber auch den gegenteiligen Effekt haben.

Dass sich Bürger durch die Kameras unsicherer fühlen?

Haverkamp: Wenn ich mich an einem öffentlichen Platz befinde und dort sind Hinweisschilder auf Videokameras aufgestellt, bin ich besonders wachsam, weil ich denke, dass ich an einem Brennpunkt bin. Das kann zu noch mehr Unsicherheit führen.

 
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