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Krise erfasst wohl 2010 die Saar-Betriebe

Die Autoindustrie, der Maschinenbau, der gesamte Mittelstand und auch verstärkt Privatkunden sehen Banker an der Saar besonders gefährdet durch Auswirkungen der Wirtschaftskrise, die in der Region 2010 stark spürbar seien.

Von SZ-Redaktionsmitglied Johannes Kloth

Saarbrücken. Die deutschen Banken blicken sorgenvoll auf das noch junge Jahr 2010. Nach einer Umfrage des Wirtschaftsprüfungsunternehmens Ernst & Young erwarten die meisten Häuser wegen der angespannten Wirtschaftslage eine deutliche Zunahme an Kreditausfällen – vor allem bei Firmenkunden. 57 Prozent der 120 befragten Banken äußerten einen wachsenden Bedarf an Risikovorsorge.

Ähnlich kritisch beurteilten auf Nachfrage unserer Zeitung die saarländischen Kreditinstitute die Lage. „Die Rezession wird die Unternehmen in diesem Jahr mit voller Härte treffen“, sagt Kurt Reinstädtler vom Vorstand der Bank 1 Saar. Man wolle jedoch versuchen, im Dialog mit den Kunden Lösungen zu finden, die eine Insolvenz verhindern. Zu den Mitteln gehörten etwa Ratenstundungen, also die Aussetzung der Ratenzahlung für einen bestimmten Zeitraum. Mit einer Erholung der Situation rechnet Reinstädtler erst Ende 2011. Bernd Heinrichs, Pressesprecher der Sparkasse Saarbrücken, sieht die Krise auch im Mittelstand angekommen. Auch Heinrichs rechnet daher mit einer Zunahme an Kreditausfällen. Die Gefahr einer Kreditklemme, also die Verweigerung von Krediten in höherem Ausmaß, sieht er jedoch nicht. Der Vorteil einer regionalen Bank sei es, nahe am Kunden zu stehen und entsprechend Risikovorsorge treffen zu können.

Alleine schon wegen der hohen Abhängigkeit des Saarlandes von der stark krisengefährdeten Autoindustrie rechne man mit einer Zunahme an Insolvenzen, sagt Frank Jakobs vom Vorstand der Sparkasse Merzig-Wadern. Noch seien aber keine Anzeichen zu erkennen. Mit einer Erhöhung der Kreditzinsen für Unternehmen, rechnet Edgar Soester, Vorstandsprecher der Volksbank Saar-West. „Die regionalen Banken können sich nicht von den allgemeinen Entwicklungen abkapseln“, sagt er. Neben Unternehmensinsolvenzen rechnet Sascha Ahnert, Vorstandsmitglied der Sparkasse Neunkirchen, auch mit einem deutlichen Anstieg der Privatinsolvenzen. Man habe schon 2009 eine Liste gefährdeter Kunden erstellt, mit denen man frühzeitig Lösungen finden wolle.

Warum ein Anstieg der Insolvenzzahlen kein Widerspruch zu einer konjunkturellen Erholung ist, erklärt der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse St. Wendel, Josef Alles: „Häufig bauen Unternehmen während einer Krise Bestände ab, um ihre Liquidität zu erhöhen. Bei einer Konjunktur-Erholung geht ihnen dann jedoch finanziell die Luft aus.“

Auch die Privatbanken sehen die kommenden Monate kritisch. „Die fehlenden Aufträge vieler Unternehmen von 2009 werden sich erst 2010 niederschlagen“, so Karoline Würtz, Leiterin des Firmenkundengeschäfts bei der Hypo-Vereinsbank im Bereich Saar-Trier. „Wir gehen von hohen Wertberichtigungen durch Kreditausfälle aus.“ Besonders den Maschinenbau und die Autobranche seien gefährdet. Ähnlich besorgt äußert sich Herbert Huber, Direktor der Commerzbank Saarbrücken. Allerdings hält Huber der Saar-Wirtschaft zu Gute, mit Kurzarbeit und anderen Maßnahmen schnell auf erste Anzeichen der Krise reagiert zu haben.

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