A8 Neunkirchen Richtung Saarlouis Zwischen AS Schwalbach/Schwarzenholz und AS Schwalbach Dauerbaustelle, Arbeiten am Mittelstreifen, linker Fahrstreifen gesperrt bis 28.10.2017 16:00 Uhr Zweiter Fahrstreifen auf Standspur eingerichtet. (26.05.2017, 13:53)

A8

Priorität: Normal

9°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
9°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Kritik an Brustkrebs-Umfrage von Püttlinger Versicherer

  Gudrun Röder aus Saarbrücken war reichlich überrascht, als ihr der Versicherungsmitarbeiter am Telefon sagte: „Sie gehören ja nicht zu den Frauen, die Krebs haben.“ Denn eigentlich sollte es in dem Telefonat zunächst nur um eine Umfrage zum Thema Brustkrebs gehen. Und dann drehte es sich auch um eine Versicherung für den Erkrankungsfall, die ihr angeboten wurde. Nun fragt sich Gudrun Röder, wie auch zahlreiche weitere SZ-Leserinnen, die solche Anrufe erhalten haben, woher die Firma diese Informationen hat. Zumal bei rund 80 Prozent der von der Telefon-Werbung Betroffenen kürzlich ein Brustkrebs-Screening durchgeführt wurde.



Zu einer solchen Vorsorge-Untersuchung lädt das Gesundheitsministerium alle Frauen ab 50 Jahren ein. Viele Leserinnen vermuten deshalb einen Zusammenhang zwischen ihrem Besuch bei der Krebsvorsorge und den Anrufen. Sie befürchten, dass es ein Daten-Panne beim Brustkrebs-Screening geben könnte.

„Wir haben kein Daten-Leck“, betont Annette Reichmann, Sprecherin des Gesundheitsministeriums. Und Judith Thieser, Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit im Saarland, erklärt: „Wir gehen davon aus, dass es im Grunde genommen ein Adresskauf war.“ Die Wahrscheinlichkeit, dass viele Frauen in dieser Altersgruppe bei der Vorsorge waren, sei eben hoch. Anzeichen dafür, dass es im Gesundheitsministerium ein Datenleck gebe, seien nicht erkennbar. Zumal der Behörde keine Telefonnummern der Frauen, die an der Mammografie teilnehmen, vorliegen würden.

Jörg Malburg, Geschäftsführer der Versicherungs-Gruppe Malburg aus Püttlingen, von der das Angebot stammt, erklärt, dass das bundesweit tätige Unternehmen die Telefonnummern bei dem Adressanbieter Schober Group „ganz normal und offiziell erworben“ habe. Für die 5000 Datensätze habe man lediglich die Kriterien „Geschlecht: weiblich, Alter: 30 bis 60 Jahre, Wohnort: Saarland“ vorgegeben. Dass bei vielen kürzlich ein Brustkrebs-Screening durchgeführt wurde, sei Zufall und hänge mit dem „Gesetz der großen Zahlen“ zusammen: Denn in dieser Altersgruppe würde ja fast jede zur Vorsorge gehen, so Malburg.

Mit den Adressen habe ein externes, von dem Unternehmen beauftragtes Call-Center zunächst eine Marktforschungs-Umfrage durchgeführt. Mit deren Hilfe sollte herausgefunden werden, ob es sich für die Firma lohne, eine eigene Abteilung für das Versicherungs-Produkt aufzubauen. „Nur diejenigen, die gesagt haben, dass sie darüber informiert werden möchten, wurden dann von unseren Mitarbeitern angerufen“, betont Malburg. Eine Aufzeichnung der Gespräche liege ihm vor. „Wir haben nichts zu verbergen“, sagt der Geschäftsführer.

Der so genannte „Diagnose Krebs Schutzbrief“ sei ein Angebot, dass die Makler vor etwa einem halben Jahr selbst auf den Markt gebracht hätten. Kunden, die an einer der versicherten frauenspezifischen Erkrankungen leiden, würden ein „einmaliges Diagnosegeld in Höhe von 25 000 Euro“ erhalten. Dies könne für die medizinische Versorgung, für Operationskosten wie auch für kosmetische Eingriffe nach der Behandlung oder der Absicherung der Familie genutzt werden. Bei der Entwicklung des Produktes hätten nicht wirtschaftliche Interessen im Vordergrund gestanden, erklärt Malburg. Stattdessen solle es für das Unternehmen „als Türöffner für Neukunden“ dienen.
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein