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Kündigung nach Insolvenz: Ex-Höll-Mitarbeiter klagen

Von SZ-Redakteur Joachim Wollschläger

Saarbrücken. Vier der im Rahmen der Insolvenz entlassenen Mitarbeiter des Wurstproduzenten Höll klagen gegen ihre Entlassung. Er habe in der vergangenen Woche eine entsprechende Klage gegen Insolvenzverwalter Günter Staab eingereicht, sagte der Homburger Anwalt Frank Brück. „Ich halte die betriebsbedingten Kündigungen nicht für tragfähig“, sagt der Anwalt.

Insolvenzverwalter Günter Staab sagt, dass ihm eine entsprechende Klage noch nicht vorliegt. Entsprechend könne er sich nicht weiter dazu äußern. Die Klage betreffe aber letztlich nicht ihn persönlich, sondern die frühere Höll-Gesellschaft, die er im Rahmen der Insolvenz betreut hat. Am 1. Februar ist diese in die Neue Höll Feine Fleisch- und Wurstwaren GmbH übergegangen.

Brück allerdings bezweifelt einerseits, dass die Gründe für eine betriebsbedingte Kündigung tragfähig sind, andererseits auch, dass eine Sozialauswahl stattgefunden hat.

Die Firma Höll hatte im Rahmen ihrer Insolvenz über 100 Arbeitsplätze abgebaut. Stattdessen hat das Unternehmen über einen Dienstleister im Rahmen eines Werkvertrages rumänische Mitarbeiter in der Verpackung engagiert. Grund für diesen Schritt war nach Aussage von Insolvenzverwalter Günter Staab eine drohende Masseunzulänglichkeit. Darunter versteht man, dass im Unternehmen nicht mehr ausreichend Masse vorhanden ist, um die Verpflichtungen zu bedienen. Eine Finanzspritze bekam das Unternehmen durch das Land: Dieses hat über die Landesgesellschaft Saarland Bau und Boden Projektgesellschaft die Produktionsimmobilien von Höll für 4,5 Millionen Euro übernommen und vermietet diese über zehn Jahre an Höll zurück.

Höll ist von der Höll-Gründerfamilie Thielen übernommen worden. Teil dieser Lösung ist auch die Finanzierung einer Transfergesellschaft durch den Investor Thielen, über die die Mitarbeiter in neue Stellen vermittelt werden sollen. 80 der betroffenen Mitarbeiter sind in diese Gesellschaft gewechselt. Brück allerdings kritisiert, dass es für die Entscheidung, in die Transfergesellschaft zu wechseln, nicht ausreichend Zeit gegeben habe. Er rechnet sich gute Chancen für den Erfolg seiner Klage aus.

Jörg Habich, Mitglied der Geschäftsleitung bei Höll, sagt unabhängig von der Klage gegen die frühere Höll, dass der Erfolg der Transfergesellschaft bereits jetzt sichtbar sei. Innerhalb der ersten Woche sei ein Anschlussvertrag bereits fest unterschrieben, sieben Mitarbeiter hätten ein Praktikum begonnen, dem bei einer Eignung ein Arbeitsvertrag folgen soll. Für zehn weitere solcher Praktikumsstellen gebe es vielversprechende Verhandlungen. „Das ist nach einer Woche ein gutes Ergebnis“, sagt er.

Die Linksfraktion im saarländischen Landtag forderte die Landesregierung auf, die Klagen der Ex-Mitarbeiter zu unterstützen. Dies sei ein „Test der Glaubwürdigkeit“.


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