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Kürzere Studiendauer soll Saarbrücker Jura-Studium retten

In der Diskussion um den Fortbestand der Rechtswissenschaft an der Saar-Universität melden sich führende Juristen jetzt mit eigenen Vorschlägen zu Wort. Der Strafverteidiger und Honorarprofessor Egon Müller, der Rechtsanwalt und Lehrbeauftragte Markus Groß aus Müllers Kanzlei sowie der Dekan der rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, Professor Stephan Weth, haben ein Papier mit konkreten Ideen für ihr Fach erarbeitet („Perspektiven zur Bewältigung der finanziellen Herausforderungen“). Weth betont, er habe sich daran nicht in seiner Uni-Funktion, sondern als Privatperson beteiligt. Initiator des 27-seitigen Konzepts ist Müller, der nach eigenen Worten „aus dem politischen Raum“ um Vorschläge gebeten wurde. Weth sagt, die Gruppe habe „natürlich das Finanzielle im Hinterkopf gehabt“; es sei aber darum gegangen, ein schlüssiges Gesamtkonzept zu entwickeln. Als Gegengutachten zum Wissenschaftsrat, der die Juristen-Ausbildung infrage gestellt hatte, will das Trio sein Konzept denn auch nicht verstanden wissen.

Um Geld zu sparen, schlagen die drei Juristen vor, die Studiendauer von im Schnitt 12,4 Semester durch einen gestrafften Stundenplan und mehr Anreize zum Vorziehen von Prüfungen deutlich in Richtung Regelstudienzeit (acht Semester) zu verkürzen. Dies soll Verwaltungs- und Korrekturkosten senken. Studenten sollen nach dem Grundstudium automatisch den Bachelor-Abschluss erhalten. Das Konzept sieht auch einen stärkeren Praxisbezug vor. In einer sogenannten „Legal Clinic“ sollen Studenten unter Anleitung zugelassener Praktiker Bedürftigen kostenlosen Rechtsrat erteilen. Müller, Weth und Groß schlagen außerdem eine stärkere Kooperation mit der Uni Luxemburg sowie an der Saar-Uni mit der Wirtschaftswissenschaft, der Medizin und der Informatik vor. In einer „Data Clinic“ sollen Juristen und Informatiker gemeinsam Rechtsfragen des Internets erörtern. Das renommierte Europa-Institut, das Centre Juridique Franco-Allemand und das Institut für Rechtsinformatik sollen als „dynamische Kraftzentren“, wie es im Papier heißt, „weiterentwickelt“ werden.

Zur Verbesserung der Einnahmen wird ein Ausbau der Weiterbildungsangebote vorgeschlagen, unter anderem in der Fortbildung von Fachanwälten – ein lukrativer Markt, den derzeit private Firmen dominieren. Auch Mitarbeiter von Unternehmen sollen sich fortbilden können. Dazu soll ein „Zentrum für E-Learning und Weiterbildung“ geschaffen werden.

Die drei Juristen belassen es nicht bei Ratschlägen für die Rechtswissenschaft, sondern nehmen auch die Gesamtuniversität in den Blick. Sie kritisieren, dass die verfügbaren Daten über die Finanzströme an der Uni „keine hinreichende Transparenz“ böten. Dass die Entscheidung über den Wirtschaftsplan und die Zuweisung von Stellen und Mitteln allein beim Universitätspräsidium liege, führe zu Intransparenz und setze daher falsche Anreize, heißt es in dem Konzept. Die Fakultäten sollten künftig zumindest teilweise selbst über das ihnen zur Verfügung stehende Geld bestimmen können.

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