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Kultur: Am Mittwoch wird Centre Pompidou in Metz eröffnet

Nach dreijähriger Bauzeit öffnet am 12. Mai das Metzer Centre Pompidou als einzige Dependance des Pariser Mutterhauses seine Pforten. Einen Steinwurf vom TGV-Bahnhof entfernt, dürfte sich das Museum schnell zum kulturellen Fixpunkt der Großregion entwickeln.

Für Frankreich ist es – neben dem im Bau befindlichen Louvre-Ableger in Lens – der erste große kulturelle Ausbruch aus dem Zentralismus: Das Metzer Centre Pompidou, das kommenden Mittwoch nach dreieinhalb Jahren Bauzeit seine Pforten öffnet, ist der erste große Ableger einer nationalen Kultureinrichtung. Weshalb, das Pompidou (et La France) verlangt diesen Pomp, Staatspräsident Sarkozy nebst Gemahlin anreisen wird.

Für Metz ist das neue Museum eine gewaltige Chance, seine Randlage im äußersten Nordosten vergessen zu machen und sich überdies als neue Kunstmetropole im elf Millionen Europäer beheimatenden Vierländereck der Großregion zu positionieren. Auch wenn der Bau den bereits beschworenen Bilbao-Effekt schuldig bleibt: also den in der nordspanischen Stadt von Frank Gehrys Museumsbau seit 1997 ausgelösten Touristen-Boom.

Überquert man vom Bahnhof her in ein paar Minuten die neue Fußgängerbrücke über die Passage de L’Amphithéâtre, sieht man den von den Pariser Architekten Jean de Gastines und Shigeru Ban entworfenen Museumsbau vor sich liegen, den man von jeher spektakulär nannte – als sei dies nun die allgemeine Sprachregelung. Tatsächlich wirkt er viel kleiner als erwartet. Gastines und Ban, bislang vorwiegend im Wohnungsbau aktiv, haben für das Metzer Pompidou eine skulpturale Bauform entworfen, die von Ferne an einer Zirkuszelt erinnert und mit einer filigran geschwungenen, organischen Dachkonstruktion glänzt.

Ihr fast schwebendes dichtes Holzgeflecht aus laminierter Fichte, das lediglich auf vier Stützen ruht, ist mit einer wasserdichten, weißen Membranhaut auf Glasfaser- und Teflonbasis bespannt, die das nachts illuminierte Gebäude durchleuchtet und dann seine Netzstruktur wie unter einer Röntgenaufnahme ausbreitet.

Das Dach legt sich nach dem Vorbild eines chinesischen Hutes luftig über den sechseckigen Gebäudegrundriss. Einem Evergreen gleich zitiert die Bauhistorie des Museums die Anekdote, wonach der Japaner Shigeru Ban auf einem Flohmarkt in Berlin einen solchen Strohhut gefunden und dann mit Gastines zur Keimzelle ihres Entwurfs gemacht habe. Konstruktiver Kniff im Inneren sind drei, um einen Erschließungsturm sternförmig übereinandergestapelte, röhrenartige Galerien (84 Meter lang, 14 Meter breit, 5 Meter hoch), an deren Ende riesige Panoramafenster beneidenswerte Blicke auf den Stadtkörper (nicht zuletzt auf die gotische Kathedrale) freigeben.

Ästhetische Kompromisse
Als Entrée dient ein 20 Meter hohes gigantisches Foyer, dessen gläserne Rolltorwände sich im Sommer komplett öffnen lassen, um Innen und Außen ineinander diffundieren zu lassen. Das Ideal eines nach allen Seiten offenen Bauwerks erforderte jedoch schmerzhafte ästhetische Kompromisse: Die Rolltore erinnern eher an Großmarktverladestationen. Auch der geriffelte Plexiglasschirm darüber wirkt fast billig. Dafür sorgt ein breiter, offener Spalt zwischen Glasfront und Dach im wahrsten Sinn des Wortes für Luftigkeit, so dass im Foyer im Winter das Tragen eines Mantels anzuraten sein wird.

Von außen trübt den Blick insbesondere ein als Notausgang dienender, plumper Treppenkäfigturm neben dem Haupteingang – Tribut an die Brandschutzauflagen. Eher wie eine Spielerei wirkt der 77 Meter hohe Mast als Dachspitze: Remineszenz an die Gebäudehöhe des Pariser Mutterhauses.

Kurzum: Die bestechende weiße Dachwellenlandschaft ausgenommen, aus der die Galerien gleichsam wie Raumkapseln hervorkragen, entfaltet das Museum erst im Inneren seine wahren Qualitäten. Entstanden ist kein Museum für Architekten, sondern eines für die Kunst. Das ist auch gut so. Und verdankt sich der engen Zusammenarbeit der Architekten mit Kurator Laurent Le Bon in der Bauphase.

Die Raumpotenziale sind gewaltig. Das beginnt mit dem hallenartigen Forum, das es mit jeder monumentalen Skulptur aufnehmen kann, in erster Linie aber das Gebäude erschließt. Konkret sind dies: 1) der 1200 Quadratmeter große, nach allen Regeln der Kunst in Kabinette aufteilbare Ausstellungssaal (Raumhöhe: sechs bis 18 Metern); 2) das angrenzende Studio (für Theater- und Kinovorführungen), 3) ein (technisch hochgerüstetes) Auditorium für Vorträge, Konferenzen und Projektionen sowie 4) Museumsshop, Cafeteria und (im OG) ein Restaurant mit sicher vielfrequentierter Dachterrasse.

Künstlerisch wird Kurator Laurent Le Bon in Metz aus dem Vollen schöpfen können. Nicht nur für die „Meisterwerke?“ betitelte Eröffnungsschau konnte er sich im Pariser Mutterhaus und seiner über 60.000 Werken europaweit größten Kunstsammlung bedienen. Auch künftig wird die Kollektionsachse Paris-Metz in Lothringen wohl für hochkarätige Ausstellungsprojekte sorgen, für die es sich nicht nur aus Saarbrücken anzureisen lohnen wird.

„Je m’installe à Metz“ heißt es auf den Warhol, Picasso und Dalí zeigenden Plakaten, mit denen Metz für sein Museum wirbt. Man darf dies ruhig wörtlich nehmen.

Offizielle Eröffnung: Mittwoch, 12. Mai. Fünf Tage lang ist der Eintritt frei (Mi: 11 bis 18 Uhr, Do und Fr: 11 bis 20 Uhr; Sa: 10 bis 1 Uhr morgens; So 10 bis 20 Uhr).

Auf einen Blick
Rund 70 Millionen Euro kostete die bislang einzige Dependance des Pariser Centre Pompidou – in mehr als dreieinhalbjähriger Bauzeit errichtet. Das Metzer Musée Pompidou hat eine Grundfläche von 10.660 Quadratmetern, die Hälfte davon für Ausstellungen. Neben einem großen, flexibel abtrennbaren Saal im EG (1200 Quadratmeter) dienen drei sternförmig, jeweils um 45 Grad versetzte und übereinander geschichtete Galerien von jeweils 84 Metern Länge als Ausstellungsfläche.

Das Museum verfügt über keine eigene Sammlung, kann aber aus dem Fundus der größten Sammlung Europas schöpfen: der 60.000 Werke umfassenden Kollektion des Pariser Centre Pompidou.

Der Jahresetat des Museums liegt bei zehn Millionen Euro. Etwa ein Drittel davon stehen für Ausstellungszwecke zur Verfügung, der Rest für Gebäude- und Personalkosten. Erwartet werden jährlich zwischen 150.000 und 200.000 Besucher. cis




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