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Kundgebung gegen Rassismus und Fremdenhass füllt den Neunkircher Stummplatz

„Zwischen Angst und Mut liegt nur ein Herzschlag“ stand auf einem Plakat, das Stadtrats-Pirat Rudolf Berhard am Montagabend auf dem Neunkircher Stummplatz hochreckte. Nun, Angst muss man noch nicht unbedingt haben vor den fremdenfeindlichen Umtrieben braun angehauchter Dumpfbacken, die glauben, sich unter dem Dach der Bewegung „Saarländer gegen Salafisten“ (Sagesa) tarnen zu können – Sorge bereitet dies allemal. Und die drückten rund 700 Bürgerinnen und Bürger bei der Kundgebung „ Neunkirchen ist bunt statt braun“ aus.

Auf dem Stummplatz standen einträchtig engagierte Privatleute neben Kommunalpolitikern aller demokratischen Parteien oder Gewerkschaftern. Die Jusos entrollten ein Transparent „Grenzen sprengen“, einige Individualisten taten ihre Meinung auf Plakattafeln kund, Gewerkschafts- und Parteifahnen gehörten zum Bild.

Die Sagesa-Aktivisten, die einen „Abendspaziergang“ vom Bahnhof zum Lübbener Platz angekündigt hatten, waren allerdings gar nicht erschienen. Die angemeldete Demo sei aus „Krankheitsgründen“ abgesagt worden, so die Verantwortlichen der Polizei . So hatten die Ordnungshüter an diesem Abend keinerlei Probleme.

Die Entscheidung der Demokraten, „Farbe zu bekennen“ blieb davon unberührt. „Wir lassen nicht Katz und Maus mit uns spielen“, unterstrich Pfarrer Uwe Schmidt, dem als „Cheforganisator“ der in kurzer Zeit auf die Beine gestellten Kundgebung ein breites Aktionsbündnis zur Seite stand – von den Religionsgemeinschaften über die Stadtrats-Parteien bis hin zu den Gewerkschaften und dem Neunkircher Forum für Freiheit, Demokratie und Antifaschismus.

Den Redner-Reigen auf der Bühne eröffnete Oberbürgermeister Jürgen Fried , der mit engagierter Rhetorik feststellte: „Bei uns gibt es keinen Raum für Radikale!“ Man dürfe nicht zulassen, dass die fremdenfeindlichen, rassistischen und diskriminierenden Parolen „nicht mehr nur durch Hinterzimmer fliegen, sondern auf Straßen und Plätzen ertönen“.

„Vielfalt ist besser als Einfalt“ übermittelte Staatssekretär Stephan Kolling die Rückendeckung der Landesregierung. Landrätin Cornelia Hoffmann-Bethscheider erinnerte daran, dass in Deutschland vor 80 Jahren schon einmal Hass geschürt wurde: „Man weiß, wohin das geführt hat!“ Gerechtigkeit bedeute auch, andere am Wohlstand teilhaben zu lassen. Für den emotionalsten Moment sorgte Nihat Güler von der türkisch-islamischen Gemeinde mit dem schlichten Bekenntnis: „Ich bin seit 40 Jahren hier und habe nie das Gefühl gehabt, dass ich nicht willkommen bin. Ich bin Neunkircher!“

„Wir müssen Feuerwehr sein, damit aus den kleinen Flammen im Kopf kein echtes Feuer in der Realität wird“, forderte IG-Metall-Sekretär Simon Geib Zivilcourage ein. Dass eben diese in der Mitte unserer Gesellschaft, beispielsweise bei den Medien, noch nicht selbstverständlich sei, trug Rainer Dörrenbecher vom Forum vor.

Mit Noten statt mit Worten setzten sich vier Musiker und Liedermacher für ein buntes Neunkirchen ein: Amby Schillo, Jürgen Rath, Manfred Pohlmann und Uwe Rosar stellten sich auf der Bühne unentgeltlich in den Dienst der Sache.
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