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Kurzarbeit reißt Loch in Geldbörse

Bei der St. Ingberter Firma Voit gibt es derzeit Kurzarbeit. Die Folgen merken die rund 850 Mitarbeiter vor allem im Geldbeutel, aber darüber hinaus auch in der zunehmenden Unsicherheit über die Zukunft ihrer Arbeitsplätze. Sandra Schmadel, 30, Maschinenbedienerin bei Voit, erläutert der SZ, was es bedeutet, kurz arbeiten zu müssen.

St. Ingbert. Die Folgen der aktuellen wirtschaftlichen Rezession haben längst auch St. Ingbert erreicht. Seit Dezember gilt beispielsweise für die rund 850 Beschäftigten der Firma Voit Kurzarbeit. Zu denen, die seither bei dem Zulieferer der Automobilindustrie auf Grund der rückläufigen Auftragslage weniger oder tageweise gar nicht arbeiten, zählt die 30-jährige Sandra Schmadel. Die Maschinenbedienerin in der Druckguss-Abteilung, seit 2000 bei Voit beschäftigt, erlebt erstmals Kurzarbeit. "Aber auch Kollegen, die schon länger im Betrieb sind, haben allenfalls mal 14 solcher Tage erlebt. Jetzt hat die Firma bereits bis Mai Kurzarbeit angemeldet."

Was diese Veränderung im Alltag bedeutet, habe sich in ihrer Abteilung erst nach und nach abgezeichnet. "Das ging eher schleichend", berichtet die 30-Jährige. Als im Herbst die ersten Nachrichten von einer weltweiten Krise zu lesen waren, brummte bei Voit noch die Produktion. "Ab November merkte man dann, dass die Aufträge abnehmen. Aber selbst, als einen Monat später die Kurzarbeit begann, schien das für viele Kollegen noch kein Grund zur Aufregung zu sein."

Im Gegenteil. Dass die Zeitkonten auf Null gefahren sowie die Resturlaube geholt wurden und der ein oder andere Schichttag notgedrungen flach fiel, hatte auch gute Seiten. "In den Vorjahren haben wir stets an Weihnachten geklotzt. Jetzt hatten manche Kollegen in diesen Tagen endlich mehr Zeit für die Familie."

Zwischenzeitlich ist nach Sandra Schmadels Einschätzung die Stimmung ein wenig umgeschlagen.  "Mit jeder neuen Schreckensmeldung aus den Betrieben unserer Branche wächst die Unsicherheit unter den Kollegen, was denn in den nächsten Wochen noch kommen wird", stellt die 30-Jährige fest, die auch Mitglied im Voit-Betriebsrat ist. Umso positiver spüre man allerdings gerade in einer solchen Phase, dass bei ihrem Arbeitgeber eher das Selbstverständnis eines Familienbetriebes herrsche. "Das fördert den Zusammenhalt."

Wie in einer Familie versuche man bei Voit auch, die Folgen der Kurzarbeit zu verteilen. Wenn die Meisterebene und Spartenleitungen wochenweise festlegten, wer wo "einen oder maximal zwei Tage" aussetzt, gehe das nach Schmadels Eindruck noch weitgehend gerecht zu. "Zum Glück musste noch keiner wochenlang kurzarbeiten."

Denn jeder Tag Kurzarbeit schmerze - vor allem finanziell. "Bei meinen Lohnzettel im Januar habe ich richtig gemerkt, dass ohne Schichtzulagen und mit dem geringeren Kurzarbeitergeld ganz schön was fehlt." Als Alleinstehende ohne Kinder bekommt Sandra Schmadel als Ausgleich für jeden Tag Kurzarbeit 60 Prozent vom Nettogehalt. "Meine Kosten, wie Miete oder die gerade jetzt deutlich spürbaren Energiepreise, laufen aber zu 100 Prozent weiter." Als Konsequenz hat die 30-Jährige erst mal alle größeren privaten Investitionen abgeschrieben.

Wenn's an den Geldbeutel geht, muss sich Sandra Schmadel ein bisschen selbst trösten, mit dem Positivsten, was sie der Lage abgewinnen kann: "Kurzarbeit ist besser als den Arbeitsplatz zu verlieren." Spätestens beim nächsten Gedanken, wie lange sie mit der Ungewissheit über die Dauer der Kurzarbeit leben  muss, macht sich bei der jungen Frau aber auch Ärger Luft: "Kein Mensch spricht noch von denen, die uns das eigentlich eingebrockt haben: die Typen, die irgendwo auf der Welt das Geld verpulverten."

Sandra Schmadels Glaube, dass irgendwer den Geldjongleuren die Rechnung präsentieren wird, ist allerdings ebenso gering wie jener, dass die Regierung den kleinen Leuten wirksam unter die Arme greift. Ganz ohne Hoffnung auf eine möglichst kurze Zeit mit Kurzarbeit will die St. Ingberterin dennoch nicht bleiben: "Hoffentlich wissen wir bald, wie es weitergeht." Meine Kosten, wie Miete oder die gerade jetzt deutlich spürbaren Energiepreise, laufen zu 100 Prozent weiter." Sandra Schmadel, Maschinenbedienerin


Hintergrund

Kurzarbeit ist eine Möglichkeit für Unternehmen, bei schwieriger Wirtschaftslage Kündigungen zu vermeiden. Die Arbeitnehmer im Unternehmen arbeiten bei Kurzarbeit über einen gewissen Zeitraum hinweg weniger oder sogar überhaupt nicht. Neben dem entsprechend der Kurzarbeit reduzierten Arbeitsentgelt erhält der betroffene Arbeitnehmer je nach Familienstand während des Bezugszeitraums des Kurzarbeitergelds von der Bundesagentur Leistungen in Höhe von 60 (Alleinstehende) beziehungsweise 67 Prozent (mit mindestens einem Kind) der sogenannten Nettoentgeltdifferenz. Kranken-, Pflege-, Renten- und Unfallversicherungsbeiträge werden weitergezahlt, so dass der Arbeitnehmer dort keine Ansprüche verliert. red 
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