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Kurzarbeitergeld kommt am saarländischen Bau gut an

Saarbrücken. Als eine der „besten Regelungen, die in der Bauwirtschaft in den vergangenen Jahren kreiert worden sind“, bezeichnet Claus Weyers, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des AGV Bau Saar, die Einführung des Saison-Kurzarbeitergeldes am Bau im Jahr 2006. Das Saison-Kurzarbeitergeld ist eingeführt worden, um den Arbeitsmarkt am Bau stärker zu verstetigen und damit Entlassungen innerhalb des auftragsärmeren Winters zu vermeiden. Es erlaubt Unternehmen, in der so genannten „Schlechtwetterperiode“ von Dezember bis März sowohl aus witterungsbedingten aber auch aus wirtschaftlichen Gründen oder wegen unabwendbarer Ereignisse, die Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken. Das Winterausfallgeld wurde nur witterungsbedingt gezahlt. Auch wird die Leistung jetzt bereits ab der ersten Ausfallstunde fällig. Beim Winterausfallgeld mussten die Mitarbeiter erst eigenen Urlaub einbringen.

Ein Kernpunkt der neuen Regelung ist, dass Arbeitgeber beim Ausfall von den Sozialbeiträgen befreit sind. Diese kommen aus einem Fonds, in den Arbeitgeber und Beschäftigte über das Jahr zwei Prozent der Bruttolohnsumme (Arbeitgeber 1,2 Prozent, Arbeitnehmer: 0,8 Prozent) einbringen. Das macht es attraktiver, Mitarbeiter über Durststrecken zu halten. Eine weitere Regelung ist, dass Mitarbeiter vordringlich Überstunden abbauen müssen. Diese werden ihnen allerdings mit 2,50 Euro pro Stunde zusätzlich vergütet.

Dass das Saison-Kurzarbeitergeld seinen Zweck erfüllt, zeigt eine Studie der Universität Duisburg Essen, die die Arbeitsmarktlage am Bau in den ersten zwei Wintern mit Saison-Kurzarbeitergeld untersucht hat. Demnach ist die Zahl der Neuzugänge bei den Arbeitslosen im Bauhauptgewerbe in dieser Zeit um fast 35 Prozent auf 39 000 gesunken. Auch haben sich die Betriebe nach ersten Anfangsschwierigkeiten eher positiv zu Verwaltungsaufwand und Abwicklung geäußert. Ende 2006 sind auch noch Dachdecker sowie Garten- und Landschaftsbauer mit in das Programm aufgenommen worden.

Weniger Entlassungen

Während Bau-Unternehmen im Winter bisher Mitarbeiter einfach entließen, ist es laut Weyers jetzt möglich, viel schneller auf Wetteränderungen zu reagieren. „Die Unternehmen haben ja gar kein Interesse daran, wochen- oder monatelang dicht zu machen.“

Georg Brenner, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer, bewertet positiv, dass hier nicht einfach nur Wohltaten verteilt werden, sondern Firmen und Beschäftigte die Sozialversicherungsbeiträge solidarisch tragen. „Das ist eine gute Lösung, weil sich alle Beteiligten einbringen“, sagt er.

Auch die Arbeitnehmerseite lobt die neue Regelung: „Das ist aus unserer Sicht das ideale Mittel, Fachpersonal über den Winter zu halten“, sagt Sigrun Heil, Pressesprecherin der Gewerkschaft IG Bau. Sie beklagt, dass noch immer einige Betriebe das Mittel nicht einsetzen, sei es aus Unkenntnis, sei es, weil sie nicht in den Arbeitgeberverbänden organisiert sind.

Doch gewinnt das Saison-Kurzarbeit im Saarland an Popularität: Während im ersten Jahr gerade mal 89 Betriebe mit im Schnitt 548 Mitarbeitern Saison-Kurzarbeitergeld beantragt haben, waren es im vergangenen Winter bereits 142 Betriebe mit 865 Mitarbeitern.

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