L272 Saarbrücken Burbach Richtung Riegelsberg Zwischen Burbach und Einmündung L270 Unfall, Gefahr durch Personen auf der Fahrbahn, Gefahr durch defektes Fahrzeug, fahren Sie bitte besonders vorsichtig (20:46)

Priorität: Sehr dringend

11°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
11°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Ländervergleich: Wie klug sind Saarlands Schüler?

Bous. „Na, seid ihr alle fit?“ ruft der Lehrer den Jungs auf dem Schulhof der Erweiterten Realschule Marie Curie in Bous- Ensdorf zu. „Nein!“, kommt prompt die Antwort im Chor – gefolgt von Gelächter. Die Motivation der meisten 15-Jährigen, an diesem Donnerstagmorgen eine Zusatzprüfung abzulegen, scheint gering. Doch wenige Minuten später sitzen sie im Klassenzimmer mit gesenkten Köpfen über den Fragebögen des Ländervergleichs 2012 in Mathematik und Naturwissenschaften. Heft, Stift, Geodreieck, Taschenrechner und Prüfungsbogen – mehr darf jetzt nicht mehr auf den Tischen liegen.

Die externe Testleiterin Malina Kopischke und eine Lehrerin der Schule schauen mit strengen Augen in die Runde. Die drei Mädchen Chiara Singh-Nagra, Yldiz Camtay und Argneta Maja legen los. Sie kreuzen an, schreiben, zeichnen und zählen. Mehr als drei Stunden haben sie und ihre Altersgenossen nun Zeit, um Zinsen und Potenzen auszurechnen oder zu erklären, was genau eine Säure ist. Obwohl Chiara Mathematik liebt und später Bankkauffrau werden möchte, gibt sie später wie viele ihrer Mitschüler zu, den Test nicht so ernst genommen zu haben wie eine „echte Klassenarbeit“. Kein Wunder. Nirgendwo auf Chiaras Zeugnis wird auftauchen, wie ihre Leistung war. Der Test ist anonymisiert. Chiara wird für die Prüfer zur Nummer. Genau wie beim Pisa-Test, den Chiara bereits vor zwei Wochen hinter sich gebracht hat. „Natürlich fragen die Schüler nach dem Nutzen dieser Prüfung für sie selbst. Können sie diesen nicht erkennen, ist die Motivation für den Test geringer“, erklärt Schulleiter Volker Taffner.

Er erinnert sich noch gut, wie tief der Schock vor zwölf Jahren in der deutschen Öffentlichkeit saß, als die Ergebnisse des ersten Pisa-Tests präsentiert wurden. Die Schüler schnitten anders als erwartet deutlich unter Mittelmaß ab und das gleich in allen drei Pisa- Disziplinen: Lesen, Textverständnis und Mathematik. Und was hat sich seitdem getan? Was hat die erste Pisa-Studie bewirkt, die Deutschland eine hohe Abhängigkeit von sozialer Herkunft und Schulerfolg bescheinigte? „Das Bildungssystem ist durch die Auflösung der Hauptschule in den letzten Jahren durchlässiger geworden“, antwortet Taffner. Aber es sei nach wie vor schwer und manchmal unmöglich, die Eltern in bildungsschwachen Familien zu erreichen.

Der Schock der ersten Pisa- Studie – er habe auch die Aufgaben- Philosophie in der Schule zum Positiven verändert. „Es geht zum Beispiel in Mathematik nicht mehr um den sturen Rechenweg, sondern um Begründungen, Vergleiche, Stellungnahmen“, so der Schulleiter. Und die negativen Folgen von Pisa? „Die allgemeine Prüferitis ist ausgebrochen“, sagt Taffner. Will heißen, viele Prüfungen, Tests, Vergleichsarbeiten und „Lernstandserhebungen“ machten die Schüler nicht schlauer, führten aber zu einem „Bulimie-Lernen“ wie die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft es nennt. Nach dem Motto: Lernen, Testbestehen, Vergessen. Das Vergessen – es hat in Bous schon eingesetzt. Kaum einer der Schüler ist nach der mehr als dreistündigen Prüfung in der Lage, eine der soeben im Ländervergleich beantworteten Rechenaufgaben aus dem Kopf wiederzugeben. Dabei ist das Ende des Tests gerade einmal zwei Minuten her.
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein