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Lafontaine: Keine "Kampfkandidatur"

Berlin. So viel Aufmerksamkeit hat die Linke lange nicht mehr bekommen. Etwa 50 Journalisten und Kameraleute tummelten sich gestern Nachmittag vor dem Karl-Liebknecht-Haus, um beim Einzug Oskar Lafontaines in die Parteizentrale dabei zu sein. Der 68-Jährige hatte 2010 seinen Schreibtisch dort geräumt. Jetzt geht es darum, ob er sich künftig nicht nur als Besucher dort blicken lässt, sondern wieder an die Spitze der Partei rückt. Auf den Tag genau vor zwei Jahren übergab Lafontaine das höchste Parteiamt an Klaus Ernst. Genau dieser Ernst hat ihn nun wieder als seinen Nachfolger vorgeschlagen. Spötter sprechen von russischen Verhältnissen: Klaus Ernst als Dmitri Medwedew, der nach einer Amtszeit als Präsident wieder an Wladimir Putin abgegeben hat. Lafontaine hatte sich am Montag zunächst aus sicherer Entfernung zu seinen Karriereplänen geäußert. E

rst vorsichtig in einem Radio-Interview, dann etwas forscher in einer Pressekonferenz in Saarbrücken. Er schlug eine Verknüpfung von Parteivorsitz und Spitzenkandidatur vor und sprach davon, dass die Arbeitsbedingungen stimmen müssen. Im Klartext kam bei vielen die Botschaft an: Ich will alles machen, und zwar genau so, wie ich es mir vorstelle. Damit heizte er die ohnehin gereizte Stimmung in der Partei noch weiter an. Von einem Erpressungsversuch war die Rede. Gestern versuchte Lafontaine die Wogen zu glätten. Von Bedingungen war keine Rede mehr, sondern nur noch von Voraussetzungen. Und die beschränkten sich darauf, dass eine Mehrheit für seine Kandidatur sein müsse, und dass ein Führungsteam zustande komme, das gut miteinander auskomme. Außerdem schloss Lafontaine eine Kampfkandidatur aus.

„Das wäre nicht unbedingt der krönende Abschluss meiner Karriere, nachdem ich bisher alle Aufgaben, die ich übernommen habe, ohne Kampfkandidatur übernehmen durfte.“ Entfallen ist dem saarländischen Fraktionschef dabei, dass er sich 1995 in einer spektakulä- Auf den Paukenschlag folgte die Beschwichtigung: Oskar Lafontaine will die Linke nicht mit einer Kampfkandidatur gegen Dietmar Bartsch in eine Zerreißprobe stürzen. Die Partei sucht bislang aber vergeblich nach einem Kompromiss. ren Kampfabstimmung gegen Rudolf Scharping an die SPDSpitze geputscht hatte. Entschieden ist mit dem Verzicht auf eine weitere Kampfkandidatur aber noch nichts. Lafontaine setzt darauf, dass er im Bundesvorstand und bei den Landesvorsitzenden so viel Rückendeckung bekommt, dass Bartsch gar nichts anderes übrig bleibt, als sich dem Ex-Parteichef zu beugen. Der 54-jährige Stralsunder hat dazu bisher aber keinerlei Anstalten gemacht. Er werde sich Lafontaine nicht unterordnen, sagte er bereits am Montag.

Der thüringische Fraktionschef Bodo Ramelow hatte schon vor Wochen eine Doppelspitze aus Bartsch und Parteivize Sahra Wagenknecht als Alternative ins Gespräch gebracht. Die Lebensgefährtin Lafontaines dürfte mit Bartsch aber auch nicht viel besser auskommen als der Saarländer selbst. Wenn Bartsch und Lafontaine sich nicht einig werden, müsste sich die Linke etwas ganz Neues einfallen lassen. Die Beratungen im geschäftsführenden Bundesvorstand mit den Landes-Chefs verliefen diszipliniert. Die Redezeit wurde auf fünf Minuten begrenzt. Nur Lafontaine und Bartsch kamen länger zu Wort. Ein Ergebnis brachten die Beratungen aber nicht. „Die Debatte wird weiter geführt werden“, sagte Parteichef Ernst nach Ende des fast fünfstündigen Gesprächs.


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