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Lafontaines vielsagendes Schweigen

Saarbrücken. Es sind nur drei Worte, aber sie könnten in den kommenden Monaten innerhalb der Linkspartei noch häufig zitiert werden: „Niemand ist unersetzlich“. Linken-Chef Oskar Lafontaine hat seiner Partei bei seinem ersten politischen Auftritt nach seiner Krebsoperation im November den Weg in die Programmdebatte gewiesen, inhaltliche Forderungen bekräftigt - und kurz und deutlich den heftig streitenden Genossen die Leviten gelesen. Doch zu einer entscheidenden Frage, die nicht nur in seiner Partei viele bewegt, schweigt Lafontaine.

Ob er selbst beim Rostocker Bundesparteitag im Mai erneut für den Vorsitz kandidieren will, lässt er am Dienstagabend bei einem Neujahrsempfang der Linksfraktion in Saarbrücken offen. Auch die Entscheidung, ob er weiter Fraktionschef im Saar-Landtag bleiben will, habe er noch nicht getroffen. Zu „gegebener Zeit“ werde er sich dazu äußern. Die quälende Personaldebatte in der Linken dürfte damit nicht beendet sein. Dennoch werden Lafontaines Widersacher auch die übrigen Worte ihres Parteichefs genau registriert haben.

Dass auch der Umkehrschluss von Lafontaines Aussage - „Jeder ist ersetzbar“ - gilt, hatte wenige Tage zuvor Noch-Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch schmerzlich erfahren. Im stummen Fernduell mit dem 66-jährigen Saarländer hatte er den Kürzeren gezogen und auf eine erneute Kandidatur verzichtet. Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi habe zu den Personaldebatten alles Wesentliche gesagt, bescheidet Lafontaine am Abend knapp.

Was er damit meint, scheint klar: Es war ein überraschend offen vorgetragener Illoyalitäts-Vorwurf Gysis an die Adresse seines Freundes Bartsch gewesen, der dessen Schicksal besiegelte - und auch in Gysis Umfeld für Kritik gesorgt hatte. Auch weil Lafontaines Co-Vorsitzender Lothar Bisky sich noch kurz zuvor für Bartsch stark gemacht hatte: „Wir alle brauchen Oskar Lafontaine, aber auch Dietmar Bartsch, dessen Verdienste um die Entwicklung der Partei nicht ignoriert werden sollten“, hatte Bisky gesagt. Gemunkelt wird, dass Lafontaine Gysi zu einem Abrücken von Bartsch gedrängt habe.

„Dort, wo Menschen zusammenarbeiten, das gilt für alle Organisationen und Parteien, gibt es Eitelkeiten, Rivalitäten und persönliche Befindlichkeiten“, ruft Lafontaine nun seinen Anhängern zu. Namen nennt er nicht, aber das muss er auch gar nicht. „Da nicht alle Akteure einander in tiefer Sympathie und Zuneigung verbunden sind, muss man sich wie im Alltag an Regeln halten, die ein solidarisches Miteinander ermöglichen“, fügt er unter lautem Jubel hinzu.

Wähler würden Lafontaine am liebsten in Rente schicken

Bei den Wählern scheint Lafontaines Kurs allerdings weniger bewundert zu werden. Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage für das Magazin „Stern“ und RTL meinen 61 Prozent der Befragten, Lafontaine sollte sich ins Privatleben zurückziehen. Selbst 35 Prozent der Linkspartei-Anhänger sähen demnach ihren Vormann am liebsten in Rente.

Zusätzlich zu seiner Rede hat Lafontaine sein Thesen auch aufgeschrieben. Auf zehn Seiten äußert er sich zur Strategie der Linken. Viel Neues steht dort nicht, auch wenig, was den Streit in der Partei noch zusätzlich befeuern könnte. Dennoch, der Parteichef hat sich in die notwendige Programmdebatte eingeschaltet. Fast drei Jahre nach der Fusion von Ost- und West-Linken hat die Partei immer noch kein Grundsatzprogramm.

Vor allem ruft Lafontaine aber die Streithähne in seiner Partei zur Geschlossenheit auf. Die Linke habe bei den jüngsten Wahlen triumphale Erfolge gefeiert und leiste sich nun kurz vor der wichtigen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen Anfang Mai eine „überflüssige Personaldebatte“. Nun gelte es zu den Inhalten zurückzukehren. „Die Linke ist für ihre Anhängerinnen und Anhänger die Partei des Friedens, der sozialen Gerechtigkeit und der wirtschaftlichen Vernunft“, betont Lafontaine. Nun muss die Linke beweisen, dass sie auch intern wieder zu Frieden und Vernunft findet.

Ob Lafontaine dabei weiter eine wichtige Rolle spielen wird, bleibt offen. Er wird den Rat seiner Ärzte abwarten. Die Lust an der Politik hat er aber offenkundig nicht verloren.

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