L125 Neunkirchen Richtung Saarbrücken-Johannisbrücke Kreuzung Neunkirchen-Sinnerthal Vollsperrung, Bauarbeiten bis 01.05.2018, eine Umleitung ist eingerichtet Die Sperrung erfolgt aufgrund von Sanierungsarbeiten am Brückenbauwerk und der Fahrbahn im Bereich "Plättches Dohle" (18.04.2017, 10:58)

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Landesarchiv veröffentlicht Band über Nazis, die nach 1945 Chefs blieben

CDU-Ministerpräsident Egon Reinert (l.) verlieh Professor Oskar Orth (Mitte) 1957 das Bundesverdienstkreuz.
Orth hatte im Homburger Landeskrankenhaus während der NS-Zeit hunderte Zwangssterilisationen
verantwortet. Rechts die Frau von Orth.

CDU-Ministerpräsident Egon Reinert (l.) verlieh Professor Oskar Orth (Mitte) 1957 das Bundesverdienstkreuz. Orth hatte im Homburger Landeskrankenhaus während der NS-Zeit hunderte Zwangssterilisationen verantwortet. Rechts die Frau von Orth.

Es gibt kein Thema im Saarland, das die Menschen so sehr erregt wie die Geschichte des eigenen Landes. „Bei den jüngsten Debatten um die Umbenennung der Hermann- Röchling-Höhe in Völklingen, um den Boris-Penth- Film über Johannes Hoffmann und um die Einweihung des Rabbiner-Rülf-Platzes in Saarbrücken gingen die Emotionen hoch“, sagte Landesarchiv- Chef Ludwig Linsmayer bei der Vorstellung des zwölften Bandes der Reihe „Echolot“ des Landesarchivs: „Last aus tausend Jahren. NS-Vergangenheit und demokratischer Aufbruch im Saarstaat“.

Allerdings sei die „Wissensbasis“, auf denen die kontroversen Meinungen, die sich in den Leserbriefspalten der SZ widerspiegeln, fußen, „noch recht schmal“, so Linsmayer. Vieles sei aus der NS- und Nachkriegszeit im Saarland noch gar nicht erforscht. Die Buch-Publikation verfolge das Ziel, die wenigen Einzelbeiträge von Historikern der vergangenen Jahre zusammenzuführen. Das könne die aktuellen Diskussionen „ein Stück weit versachlichen“, merkte Linsmayer an. Doch ob es zur „Versachlichung“ kommt, muss sich erst noch erweisen, bietet doch das Buch mit seinen zitierten und in Faksimile abgedruckten Originalquellen und Fotos jede Menge Zündstoff.

So hat die Heusweiler Medizin-Historikerin Gisela Tascher, die auch Zahnärztin ist, die „alt bewährten“ Strukturen im Blick, die sich nach der NS-Zeit im saarländischen Gesundheitswesen ungehindert oder sogar noch befördert von der französischen Militärverwaltung fortsetzen konnten. Tascher berichtete etwa von den Opfern der Zwangssterilisationen während der NS-Zeit, deren Anträge auf Entschädigung und Wiedergutmachung nach 1945 von den gleichen Ärzten in Gutachterfunktion abgelehnt worden seien, die als NS-Ärzte die Zwangssterilisationen selbst verantwortet oder sogar ausgeführt hätten. Peter Wettmann- Jungblut, der zusammen mit Linsmayer den Geschichtsband herausgibt, sagte, dass die Rechtsanwaltskammer zunächst ohne frühere NSDAP-Mitglieder gearbeitet habe.

Das habe sich jedoch nach der Abdankung der Regierung von Johannes Hoffmann (CVP) 1955 geändert. Mit-Autor Wilfried Busemann erklärte, dass die Wiedergutmachungen im Saarland für NS-Opfer sehr klein ausgefallen seien, nur 200 Mark bekam ein Opfer der Nazis im Durchschnitt. Nach dem Studium von 5000 Entschädigungsakten habe er feststellen müssen, dass amtlicherseits belegbar ein „Kleinkrieg gegen die Opfer“ geführt worden sei. 
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