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Landesegierung will ab 2015 islamischen Religionsunterricht im Saarland einführen

Die Landesregierung will ab dem Schuljahr 2015/2016 einen bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht im Saarland einführen. Zunächst soll an einigen Grundschulen ein entsprechendes Pilotprojekt starten. Das kündigte Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) gestern nach einem Spitzentreffen mit Vertretern der Evangelischen Kirchen im Rheinland und in der Pfalz an.

Derzeit arbeite eine interministerielle Arbeitsgruppe von Sozial- und Bildungsministerium mit islamischen Vertretern an der Umsetzung des Schulfachs in deutscher Sprache. Dabei orientiere man sich an anderen Bundesländern. Den Islamunterricht soll es ab der 1. Klasse geben. Eine flächendeckende Einführung sei auch aus Mangel an fachlich qualifizierten Lehrern nicht möglich. Zudem brauche das Land verlässliche Vereinbarungen und auf muslimischer Seite einen zuverlässigen Ansprechpartner, sagte die Ministerpräsidentin. Derzeit seien die islamischen Verbände dabei, sich auf einen einheitlichen Ansprechpartner für das Land zu verständigen. Ob dies als Beirat wie in Nordrhein- Westfalen oder als Verein geschehe, sei noch offen. Bislang gibt es im Saarland lediglich alevitischen Religionsunterricht.

Unterstützung bekam die Politik von den Kirchenvertretern. „Wir wollen aus dem Glauben heraus Toleranz leben“, sagte Kirchenpräsident Christian Schad von der pfälzischen Landeskirche. Der Einsatz der Kirchen für einen bekenntnisorientierten Islamunterricht an Schulen habe mit „Respekt und Religionsfreiheit“ zu tun. Allen fundamentalistischen Tendenzen müsse entgegengewirkt werden.

Bei ihrem gestrigen Spitzengespräch haben Landesregierung und Vertreter der Evangelischen Kirchen vereinbart, bei der Erstellung des Reichtumsund Armutsberichts 2014 Synodalmitglieder und Wohlfahrtsverbände miteinzubeziehen. Das Jahrestreffen war zugleich der Antrittsbesuch von Präses Manfred Rekowski im Saarland. Er steht seit dem 3. März der rheinischen Kirche vor. „Ich habe schon einiges vom Charme dieses Bundeslandes kennengelernt“, bekannte Rekowski. Er begrüßte das Arbeitsmarktprogramm der Landesregierung für Langzeitarbeitslose, A Saar. „Das ist kein bloßes Lippenbekenntnis, hier wird Geld in die Hand genommen“, sagte Rekowski. Es sei wichtig, diese Menschen nicht abzuschreiben.

Kramp-Karrenbauer sprach sich für den Erhalt der Evangelischen Theologie an der Saar-Universität aus. Mit den Staatskirchenverträgen gebe es klare Grundlagen. Im Oktober hatte der Fachbereich wiederholte Einsparvorschläge vonseiten der Uni-Leitung beklagt.

Land und Kirche stünden beide vor großen Sparanstrengungen, sagte Schad. Er lobte, dass das Saarland versuche, mit den Gewerkschaften Lösungen zu finden. Auch die Kirchen litten unter sinkenden Einnahmen und stünden vor Umstrukturierungen. Völlig offen sei, ob davon in den nächsten Jahren auch saarländische Einrichtungen betroffen sein werden.


HINTERGRUND

Im Saarland leben zirka 200 000 evangelische Christen, rund 158 000 gehören der Evangelischen Kirche im Rheinland an, rund 42 000 der Evangelischen Kirche der Pfalz. red
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